Ein Streik legt die Recyclingfirma SRW Metalfloat lahm. Der chinesische Investor schweigt und die Geschäftsführung vor Ort darf keinen Tarifvertrag vereinbaren.
- Streik wegen schlechter Arbeitsbedingungen bei SRW Metalfloat.
- Chinesischer Investor verweigert Gespräche.
- Eine Geschichte für Table.Media.
Eigentlich ist alles ganz einfach. Auf der einen Seite ist die Arbeit bei der Recyclingfirma SRW Metallfloat hart. Die Mitarbeiter:innen stehen an Fließbändern in Container und sortieren schwere Metallteile aus. Im Sommer herrscht eine unerträgliche Hitze, im Winter Minusgrade. Auf der anderen Seite ist der Lohn schlecht. 13,68 Euro gibt es aktuell pro Stunde. Gehaltserhöhungen gibt es nur, wenn auch der Mindestlohn erhöht wird, damit der nicht unterschritten wird. Also wollen die Mitarbeiter endlich bessere Arbeitsbedingungen. Die gibt es nur mit Tarifvertrag. Und an dieser Stelle wird es unschön.
SRW Metalfloat: Chinesischer Investor verweigert Gespräche
SRW Metalfloat in Espenhain bei Leipzig ist eine 100-prozentige-Tochter der Scholz Recycling GmbH mit Sitz in Essingen bei Aalen. Die gehört allerdings seit dem Jahr 2016 der chinesische Chiho Environmental Gruppe. Nur einen Euro hat die Gruppe für das damals hochverschuldete Recyclingunternehmen bezahlt. Jetzt macht die Firma etwa 1,6 Milliarden Euro Umsatz. Etwa fünf Prozent davon stammt von SRW Metalfloat.
Dem Geld zu folgen, ist nicht einfach. Die Besitzverhältnisse und Beteiligungen habe ich in der vollständigen Geschichte für Table.Media dargelegt. Das Kernproblem ist, dass die Geschäftsführung in Deutschland keinen Tarifvertrag abschließen darf. Der chinesische Geschäftsführer Yongming Qin verweigerte aber jede Kommunikation. Auch gegenüber seinen Mitarbeiter:innen. Am 15. Februar 2024 begingen die 180 Beschäftigte den 100. Streiktag mit einer Protestkundgebung.
100 Tage Streik bedeutet, dass SRW Metalfloat seit einem Quartal kein Geld mehr verdient hat. „Ich glaube, dass der Streik bis nach Hongkong durchdringt. Herr Qin ist sicher genau darüber informiert, was in Deutschland vor sich geht. Denn der Streik wirkt wirtschaftlich. Das Unternehmen verdient hier kein Geld mehr“, sagt Michael Hecker im Gespräch. Er ist Verhandlungsführer der IG Metall.
Die Forderungen der Beschäftigten scheinen angesichts der Arbeitsbedingungen eher zurückhaltend. Sie möchten acht Prozent mehr Lohn, 1.500 Euro Weihnachts- und Urlaubsgeld, statt bisher 1.000 Euro, und eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit von 40 auf 38 Stunden.
Recycling als Zukunftsbranche
Der Streik hat auch eine politische Dimension. Denn Recycling gilt als Zukunftsbranche. Es geht darum, eine Kreislaufwirtschaft aufzubauen und bei der Versorgung mit Rohstoffen unabhängiger vom Import zu werden. Auch aus China. „Wenn wir über die Transformation der Wirtschaft sprechen und über eine funktionierende Kreislaufwirtschaft, dann beginnt dieser Wandel hier in Espenhain. Dieser Streik hat eine politische Dimension“, glaubt Hecker.
Entsprechend war auch schon viel Politprominenz in Espenhain vor Ort. Unter anderem Grünen-Bundesvorsitzende Ricarda Lang sowie die SPD-Bundesvorsitzenden Saskia Esken und Lars Klingbeil. Überraschenderweise möchte sich niemand der Politiker:innen zu dem Thema äußern.
Auch die Chiho Environmental Gruppe muss sich auch ganz grundsätzliche Fragen gefallen lassen. Denn die Erfahrungen der Gewerkschaften und Betriebsräte mit Investoren aus der Volksrepublik sind im Rest Deutschlands gut. Sie haben eine Langzeitperspektive. Ihre Investments bauen meist auf drei Säulen auf: Erstens die Möglichkeit, das Label „Made in Germany“ verwenden zu können; zweitens die Chance, Zutritt zum europäischen Markt zu haben; drittens der Technologietransfer. Standortsicherungen. Auch zu chinesischen Investoren in Deutschland habe ich bereits eine Analyse geschrieben.
Streik und Streit
Letztlich sind chinesische Investoren Gewerkschaften europäischer Bauart nicht gewohnt. In Österreich war die Herbstlohnrunde 2023 ein beeindruckendes Beispiel dafür, was sie leisten können. Aber mehr zu China gibt es von mir natürlich dennoch. Zum Beispiel über den jüngsten Siegeszug des Fahrrads in der Volksrepublik. Neben dieser innerstädtischen Mobilität tut sich auch etwas auf dem Meer. Reedereien ringen gerade um den Antrieb der Zukunft für ihre Containerschiffe.


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