Arbeitsrecht in China

Wie lang ist eine Arbeitswoche in China? Gibt es bezahlten Urlaub? Und überhaupt: Was hat das alles mit dem Ende der Zwei-Kind-Politik zu tun? Ein Blick ins Arbeitsrecht und Sozialsystem der Volksrepublik China.

  • Auch in China gilt die 40-Stunde-Woche.
  • Es gibt bezahlten Urlaub und einen Mindestlohn.
  • Vollständige Geschichte bei Arbeit und Wirtschaft.

Die Volksrepublik China hat jüngst die Zwei-Kind-Politik für beendet erklärt. Mit überschaubarem Erfolg. Chines*innen mögen es nicht, wenn man Beamte ihre Kinderplanung übernehmen. Schon die Abschaffung der Ein-Kind-Politik hatte nicht die erhoffte Wirkung. Ein Babyboom blieb aus. In China droht die Alterspyramide zu kippen.

Chinas Arbeitsrecht und Sozialsystem

Weil das Leben mit Kindern in China nun mal teuer ist. Mieten, Lebenshaltungskosten und Schulen sind teuer. Und immer noch ist es so, dass ein Kind zu bekommen in vielen Fällen gleichbedeutend ist mit der Arbeitslosigkeit der Mutter, die sich fortan um das Kind kümmern muss. Doch China braucht mehr Kinder. Der Mangel an Forscher*innen, Arbeiter*innen und Ingenieur*innen bedroht den Plan der Kommunistischen Partei, Weltmarktführer in eh fast allem zu werden.

Deswegen hat die Staatsführung in Peking drastische Schritte angekündigt: Pensionsreform, mehr Rechte für Mütter im Berufsleben, finanzielle Erziehungsbeihilfen, Ausbau öffentlicher Dienste. Mehr dazu gibt es in der vollständigen Geschichte „Arbeitsrecht in China: zwischen Armut und Work-Life-Balance“ bei Arbeit und Wirtschaft.

Chinas Kampf gegen die Armut

Auch die Arbeitswelt muss reagieren. Aktuell ist in China die 40-Stunde-Woche die Regel. Überstunden sind stark reglementiert. Für einen Skandal sorgte jüngst die exzessive Überstunden-Praxis in der chinesischen IT-Industrie, die unter dem Slogan ‚996‘ bekannt wurde – von 9 Uhr morgens bis 21 Uhr abends und das sechs Tage die Woche.

Dass die Abschaffung der Zwei-Kind-Politik nicht zu einem Babyboom geführt hat, hat auch viel mit der Armut im Land zu tun. Zwar hat Staatsoberhaupt Xi Jinping die für besiegt erklärt, davon allein ist sie aber nicht weggegangen. Und tatsächlich: Jede*r Chines*in verdient mehr als 1,25 Euro am Tag. So hat Peking Armut definiert. Die Weltbank sieht das allerdings anders. Nach der enormen Entwicklung, die das Land in den vergangenen Jahrzehnten hingelegt hat, müsste jeder Mensch in China mindestens 4,50 Euro pro Tag zur Verfügung haben, um nicht arm zu sein.

Deutlich wird das Armutsproblem beim Blick auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Gemessen an ihm ist die Volksrepublik China die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt. Beim BIP pro Kopf rangiert das Land weltweit aber nur auf Platz 69. Bereinigt um die Kaufkraft sogar nur auf Platz 80. Oder anders: Die enorme Entwicklung fand eben auch auf dem Rücken der Arbeiter*innen statt.

Wandel in der Volksrepublik China

Trotz allem hat China natürlich eine beeindruckende Entwicklung hingelegt, enorme Erfolge bei der Armutsbekämpfung gehabt und konnte damit auch den Arbeitsmarkt massiv weiterentwickeln und im internationalen Vergleich aufholen. Doch mit der technischen Transformation auf dem Arbeitsmarkt und den Problemen mit der Alterspyramide droht in Zukunft Ungemach.

Dazu habe ich für Arbeit und Wirtschaft ein Gespräch mit Christine Otte, China-Expertin von Germany Trade and Invest (Beitragsfoto von GTAI-Rheinfoto), geführt. Sie erklärt die Herausforderungen unter anderem so: „Angeblich müssten an die 30 Prozent der chinesischen Erwerbsbevölkerung (220 Millionen) bis 2030 auf neue Aufgabengebiete vorbereitet werden.“ Und weiter: „Die Nachfrage nach physischen, handwerklichen und einfachen Fähigkeiten und Qualifikationen könnte stark zurückgehen, wohingegen die Nachfrage nach solchen im sozialen und technologischen Bereich stark steigen dürfte.“

Arbeitsrecht und Vermögensverteilung

Mehr zu diesem speziellen Thema gibt es in der ganzen Geschichte bei Arbeit und Wirtschaft. Wer sich speziell für Geschichten rund um China interessiert, wird hier fündig. Das Problem der Vermögens- und Einkommensverteilung gibt es natürlich auch bei uns und ist Thema von „Vollbepackt mit tollen Sachen“.

Elon Musk wird 50

Happy Birthday Elon Musk. Der Visionär, Milliardär, Meme-Lord und Gewerkschaftsgegner wird am Montag, 28. Juni, 50 Jahre alt. Ein halbes Jahrhundert. Für Heise habe ich mich seiner Biografie gewidmet und ein Porträt über ihn geschrieben.

Elon Musk war Anfang des Jahres 2021 kurzzeitig der reichste Mensch der Welt. 185 Milliarden Dollar betrug sein Vermögen kurzfristig. Das lag vor allem daran, dass die Aktie seiner Automarke Tesla eine Kursrallye hingelegt hatte. Überreiche wie Elon Musk oder Jeff Bezos konnten von der Coronakrise eben enorm profitieren.

Coronakrise macht Elon Musk zur reichsten Person der Welt

Vielleicht trug Musk mit seinem Verhalten deshalb dazu bei, die Verbreitung von COVID-19 eher anzuheizen, statt einzudämmen. Im Jahr 2020 erklärte er die amerikanische Regierung – damals noch unter Präsident Donald Trump – für faschistisch, weil sie beim Stand von 600.000 Coronatoten teilweise Ausgangssperren verhängt hatte. Musk argumentierte, die Menschen wollten in die Arbeit. Im Falle von Tesla mussten sie das auch. Schließlich zahlt der Überreiche nur Drittel von dem, was General Motors oder Ford pro Stunde zahlen.

In der Arbeitswelt gibt Elon Musk derweil eher den Superschurken, wie man ihn sonst nur aus dem Fernsehen kennt. Gewerkschaften sind böse, kein Kündigungsgrund zu lächerlich und die 40-Stunde-Woche nur etwas für Leute, die halbtags arbeiten wollen. Ein Arbeitgeber, so übertrieben böse, jeder Zuschauer würde die Rolle für unglaubwürdig halten.

Musk: Von Pretoria in die USA

Klar ist aber auch, dass sich Elon Musk das Standing, mit dem sich ein Mensch so etwas straffrei erlauben kann, erst einmal erarbeiten musste. Er wurde in Pretoria/Südafrika geboren. In der Schule war er ein Nerd und wurde oft verhauen. Im Alter von zwölf Jahren entwickelte er das Videospiel Blastar, dass er für 500 Dollar an einen Spieleentwickler verkaufte.

Später zog er in die USA, sein Bruder Kimbal folgte ihm und gemeinsam gingen sie auf die Universität. Im Anschluss – im Jahr 1995 – gründeten sie eine Art Gelbe Seiten für das Internet. Dank einiger Investoren machte sie das Unternehmen zu Millionären. Das geld nutzte Elon Musk, um x.com zu gründen. Aus diesem Unternehmen sollte später Paypal werden, das Musk im Jahr 2002 für 1,5 Milliarden Dollar an Ebay verkaufte. Gutes Gespür. Die Dotcom-Blase sollte kurz darauf platzen.

Alle Firmen von Elon Musk

Es folgten SpaceX (gegründet 2002) und Tesla (2003), SolarCity (gegründet 2006) und Hyperloop (2013). Für die Erforschung der Künstlichen Intelligenz gibt es die gemeinnützige Gesellschaft OpenAI (2015) und Neuralink (2016) entwickelt eine Möglichkeit, das Gehirn mit Maschinen zu vernetzen. The Boring Company (2016) gräbt Tunnel und Thud (2018) ist ein Satire-Medienunternehmen.

Mit SpaceX will Elon Musk auf den Mars.

Die Vielzahl an Gründungen und das extreme finanzielle Auf und Ab, hatten natürlich auch Auswirkungen auf das Privatleben. Aktuell ist Elon Musk mit Claire Elise Boucher zusammen, die unter dem Namen Grimes als Sängerin aktiv ist . Zusammen haben sie einen Sohn namens „X Æ A-12“. Musk sagt, man würde den Namen „X Ash A 12“. Womit alles geklärt wäre. Auch Elon Musk hat sich als Musiker versucht. „RIP Harambe“ und „Don’t doubt ur Vibe“ heißen die Auto-Tune-Meisterwerke.

Elon Musk: Überreichtum und Hedgefonds

Dieses Porträt ist stark verkürzt. Wer das ganze Drama hinter den Firmen und Beziehungen kennenlernen möchte, der sollte sich meiner Geschichte bei Heise widmen. Darin wird auch der Kampf zwischen Musk, seinen Fans und Hedgefonds beschrieben.

Überreiche sind natürlich ein Thema für sich. Denn sie schaden mitunter Gesellschaft und Demokratie – auch, die lustigen Meme-Lords und Twitter-Stars. Wie und warum erkläre ich hier in „Vermögen: Vollbepackt mit tollen Sachen“. Wer sich für Elon Musk eher interessiert, weil der Tesla gegründet hat, der kann mal in „Gegen den Trend: 10 Elektroauto-Flops“ reinlesen.

Schlüsselindustrien in China

China ist das bevölkerungsreichste Land der Welt und schwingt sich gerade in allen Belangen zur globalen Supermacht auf. Die Redaktion von China.Table wirft einen Blick auf alle Entwicklungen in der Volksrepublik.

  • Alle wichtigen News zur Volksrepublik China auf Deutsch.
  • Schlüsselindustrien und Keyplayer einfach erklärt.
  • Pläne der Kommunistischen Partei in der Übersicht.

Die Volksrepublik China ist bei jedem Thema, das es in Nachrichten schafft, ein wichtiger Faktor. Das Land hat in den vergangenen Jahrzehnten einen wirtschaftlichen Aufstieg erlebt, der weltweit einzigartig ist. Vor allem, wenn man bedenkt, dass es sich um ein Land mit 1,4 Milliarden Einwohnern handelt. Geht es nach der Kommunistischen Partei Chinas und deren Fünfjahresplänen, wird sich dieser Aufstieg fortsetzen.

Ob es wirklich so kommt und wenn ja, zu welchem Preis, beleuchtet die Redaktion von China.Table. Die Journalisten, Korrespondenten und Redakteure berichten über alle Entwicklungen in der Volksrepublik und setzten sich kritisch mit den Entwicklungen auseinander. Für die Landingpages habe ich einige Texte geschrieben, die ich hier in Ticker-Form anteasern werde.

Elektromobilität

Die Hälfte aller Elektroautos, die aktuell auf den Straßen der Welt unterwegs sind, fahren in China. Mit massiven Subventionen, strengen Gesetzen und Förderungen für Privatkunden, konnte diese Elektromobilität in China enorm ausgebaut werden. Auch mithilfe staatlicher Protektion konnten chinesischen Hersteller technisch schnell aufholen und bieten ihre E-Autos mittlerweile in Europa an. Norwegen ist der bevorzugte Markt, doch auch in Deutschland sind einige Modelle zu ergattern.

NIO

Eine der erfolgreichsten Marken der Elektroautohersteller NIO. Das Unternehmen gilt als „Tesla Chinas“. Das Unternehmen gilt als besonders innovativ. So arbeitet NIO mit einem speziellen System zum Tausch der Akkus, um lange Wartezeiten beim Aufladen zu vermeiden. Aus seinen Deutschland- und Europa-Ambitionen macht NIO kein Geheimnis. Die Firma unterhält ein Design- und Entwicklungszentrum in München. Prominente Geldgeber machen es möglich.

Corona-Impfstoffe

In den vergangenen zwei Jahren stand China mehr im Fokus der öffentlichen Berichterstattung, als es der Kommunistischen Partei lieb gewesen sein dürfte. Das lag vor allem am Coronavirus. Vor allem der ehemalige US-Präsident Donald Trump haben die Volksrepublik für die Pandemie verantwortlich gemacht. Doch China hat auch ambitioniert und mit viel Geld Corona-Impfstoffe entwickelt und betreibt damit eine regelrechte Pandemie-Diplomatie. Das passt nicht jedem.

Made in China 2025

China will nicht mehr die Werkbank der Welt sein. Die Volksrepublik möchte zum Technologieführer in der Welt aufsteigen. Und das aus eigener Kraft. Das Programm Made in China 2025 (MiC25) ist eine Wegbeschreibung, wie dem Land dieser Sprung gelingen soll. Darin enthalten sind Ziele unter anderem für Firmen in den Bereichen der Land- und forstwirtschaftliche Maschinen, Biomedizin und Medizingeräte, Schiffstechnik, Energieeinsparung und Elektromobilität und Informations- und Kommunikationstechnologie. Bei Wertschöpfung und Absatz will sich China verstärkt auf den eigenen, heimischen Markt verlassen und weniger auf Ex- und Import setzen. Made in China 2025 soll die Volksrepublik so krisenfester machen.

Automobilindustrie

China ist der größte Automarkt der Welt. Die Automobilindustrie in China damit eine Schlüsselindustrie für das Land. Die heimischen Hersteller konnten technisch enorm von internationalen Kooperationen profitieren, die notwendig sind, wenn ausländische Hersteller in der Volksrepublik Autos verkaufen wollen. Dazu kamen Übernahmen wie der Kauf von Volvo durch Geely. Mittlerweile gibt es sogar ernsthafte Versuche chinesischer Unternehmen, in Europa mit eigenen Marken Fuß zu fassen.

Geely

Apropos: Der chinesische Automobilkonzern Geely besitzt weit mehr als nur Volvo. Auch Lotus, Lynk & Co., Polestar, Proton und die Elektroautos von Geometry gehören zum Unternehmen. Hauptmarke ist aber natürlich Geely Auto. Gründer und Vorstandsvorsitzender ist Li Shufu. Seine Firmengründung machte ihn zum Multimilliardär. Auch Geely besitzt ein Büro in Deutschland. Die Mitarbeiter arbeiten in Raunheim bei Frankfurt.

Chinesisches Militär

Die Armee der Volksrepublik China ist mit 2,3 Millionen Soldaten die größte der Welt. Sie ist ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor. Auch Politiker, die Karriere machen wollen, müssen im Heer gedient haben. Es gibt in China sogar eine zweijährige Wehrpflicht. Männer, die bis zum 31. Dezember eines Jahres 18 Jahre alt wird, müsste theoretische dienen. Weil das aber jedes Jahr auf rund 13 Millionen junge Männer zutrifft, ist die Wahrscheinlichkeit in der Praxis sehr gering. Studenten sind zwar befreit, müssen aber einen Grundkurs machen. Männer und Frauen.

Tencent

Tencent ist ein chinesischer Tech-Konzern und einer der weltweit unbekannten Riesen. Die Firma ist unter anderem Weltmarktführer im Bereich der Videospiele. Zugpferd, vor allem im Heimatland des Unternehmens, ist aber die Anwendung WeChat. Es ist eine Art Soziales Medium, dessen Möglichkeiten aber weit über die, der bekannten Plattformen hinaus geht. Die User von WeChat können einkaufen und Arzttermine ausmachen und die Zahlfunktion WeChat Pay hat 600 Millionen Nutzer – und ist damit dreimal so groß wie PayPal.

Fünfjahresplan

Aktuell gilt in der Volksrepublik China der 14. Fünfjahresplan. In ihm wird festgelegt, welche Industrien in den kommenden Jahren besonders im Fokus stehen und welche Fortschritte die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) erwartet. Und natürlich, wie der Nationale Volkskongress mit politischen Entscheidungen gedenkt, diese Entwicklung zu fördern. Im Moment verfolgt China das Ziel ein Hightech-Land zu werden. Der Fünfjahresplan legt daher viel Wert auf Künstliche Intelligenz, Quantentechnologie, Informationstechnik, Hirnforschung, Biotechnologie, Digitalisierung, Luft- und Raumfahrt.

BioNTech

Das Coronavirus wurde zum Dauerthema. China ist hier im Zentrum der Diskussionen. Zum einen, weil der Ursprung des Virus in Wuhan vermutet wird und zum anderen, weil die Volksrepublik eine aggressive Impfdiplomatie betreibt. Impfstoff, der in China entwickelt wurde, wird an ärmere Länder verschenkt. Im Gegenzug für Zusagen und Unterstützung in anderen Bereichen. Vermeintliche Mitstreiter im Kampf gegen das Virus, wie BioNTech, sieht die Volksrepublik allerdings als Gegner. Falschmeldungen und Schikanen sollen helfen, sie vom Markt fernzuhalten.

Xi Jinping

Xi Jinping ist das Staatsoberhaupt Chinas. Der „Überragende Führer“, wie er auch genannt wird. Als Präsident der Volksrepublik gilt er als eine der mächtigsten Personen der Welt. Eine Macht, die er zu erhalten weiß. So stimmte der Nationale Volkskongress im Jahr 2018 einer Verfassungsänderung zu. Seitdem sind dem Präsidenten mehr als zwei Legislaturperioden erlaubt. Dieser Machthunger hat gewaltige Schattenseiten. Wer die Regierung kritisiert muss mitunter um seine Gesundheit fürchten.

Vermögen: Vollbepackt mit tollen Sachen

Das Vermögen ist in Österreich extrem ungleich verteilt. Die Schere zwischen Arm und Reich geht weiter auseinander als in den USA. Das ist ein Problem für Gesellschaft und Demokratie.

  • Vermögen ist in Österreich extrem ungleich verteilt.
  • Die Hälfte der Bevölkerung hat kein nennenswertes Vermögen.
  • Ein Beitrag für Arbeit und Wirtschaft.

Die Mitte der Bevölkerung besitzt keine Wohnung. Die lachenden Familien aus der Zott-Werbung („Vollbepackt mit tollen Sachen, die das Leben schöner machen“) und den Nimm-Zwei-Spots gehören schon zur Oberschicht. Sie haben einen Garten und ein neues Auto. Doch die Mitte in Österreich besitzt im Schnitt nur 83.000 Euro. Meist ist ein gebrauchtes Auto und ein paar Rücklagen fürs Alter. Für ein Haus mit Garten reicht das nicht.

Die Hälfte aller Österreicher hat kein Vermögen

Deswegen sagt auch Matthias Schnetzer, Ökonom in der Abteilung Wirtschaftswissenschaften und Statistik bei der Arbeiterkammer Wien: „Der Wohlfahrtsstaat ist das Vermögen der breiten Mitte.“ Die Praxis fasst Jakob Kapeller, Professor für Sozioökonomie an der Universität Duisburg-Essen, so zusammen: „Das reichste Prozent hat einen Anteil von 39 Prozent am Gesamtvermögen. Die oberen zehn Prozent haben etwa 66 Prozent des Gesamtvermögens.“

Der tatsächliche Vermögensstand ist aber nur schwer zu ermitteln. Denn während Menschen ohne Arbeit sich vom Staat komplett durchleuchten lassen müssen und Arbeiter*innen von der Steuer genauestens analysiert werden, haben Reiche das Privileg, ihr Vermögen geheim halten zu dürfen. Immobilienbesitz, Aktiendepots, Auslandskonten, Stiftungen? Da kann schon einmal die ein oder andere Million verloren gehen.

Vermögen schafft Vermögen

Die Schere zwischen Arm und Reich geht außerdem immer weiter auf. Weil Vermögen neues Vermögen schafft. Kapeller: „Vermögen ist nicht nur da, es generiert auch weiteres Vermögen. Habe ich Vermögen, ist die Chance groß, dass es auch wächst. Es liegen selbstverstärkende Effekte vor.“ Wer eine Wohnung hat, zahlt keine Meinung und kann sich eine weitere Wohnung oder einen Aktiensparplan leisten.

Die Ungleichverteilung kann ein Problem werden, wie Franziska Disslbacher, Referentin für Verteilungsfragen in der Abteilung Wirtschaftswissenschaften der AK Wien, erklärt: „Der Vermögensforscher Martin Schürz spricht von ‚Überreichtum‘. Er meint damit, dass manche Menschen so viel Vermögen haben, nämlich Beträge in Millionen- und Milliardenhöhe, dass es demokratische Strukturen zersetzen kann.“ 

Überreichtum: Gefahr für Demokratie

Weil René Benko eben an der Krone beteiligt ist. Weil Dietrich Mateschitz diverse Medienprojekte hat. Weil die Familie Glock es sich leisten kann, politische Nähe zu kaufen. Sie bestimmen so, was in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Sie können die Agenda der Regierung bestimmen.

Den ganzen Text gibt es auch in der aktuellen Ausgabe von Arbeit und Wirtschaft.

Wie das funktioniert zeigt die Erbschaftssteuer. Disslbacher: „Wie die Erbschaftssteuervorschläge derzeit gestaltet sind, würden sie 96 bis 97 Prozent der Haushalte gar nicht treffen. Es gibt stabile Mehrheiten für die Besteuerung von Vermögen, aber nicht für die Erbschaftssteuer.“ Doch auch für die Wirtschaft ist die Ungleichverteilung ein Problem. Wäre das Geld gerechter verteilt, würde das den Konsum und die Firmengründungen antreiben.

Drei Statistiken zur Vermögensverteilung in Österreich:

  • Gerade einmal 320 Menschen besitzen in Österreich ein Drittel des Gesamtvermögens. So viel wie die ärmsten 7,2 Millionen Menschen zusammen.
  • Seit der Wirtschaftskrise 2008 und 2009 wächst das Vermögen reicherer Menschen doppelt so schnell wie das von ärmeren.
  • Das reichste Prozent der Österreicher*innen besitzt 39 Prozent des Gesamtvermögens. Damit liegt Österreich in Europa auf Platz zwei bei der Ungleichverteilung. 

Reiche sollen das Klima retten

Es gibt einen aktuellen Plan zur Besteuerung von besonders vermögenden Menschen in Europa. Weil reiche Haushalte einen deutlich größeren CO2-Fußabdruck haben als ärmere, könnten sie zur Finanzierung des Green Deal herangezogen werden. „Der Green Deal bräuchte 1.000 Milliarden pro Jahr, um umgesetzt werden zu können. Ein Drittel davon sieht der Green Deal der EU auch vor. Eine Vermögenssteuer könnte ein weiteres Drittel liefern. Kann ich eine Vermögenssteuer mit einem konkreten Ziel verknüpfen, gäbe es dafür auch eine größere Akzeptanz“, glaubt Kapeller.

Die ganze Geschichte heißt „Wer hat, dem wird gegeben“ und kann bei Arbeit und Wirtschaft frei zugänglich gelesen werden. Mehr zum Green Deal von mir findet sich dort auch. Unter dem Titel „Seid umschlungen, Milliarden“ beispielsweise. Ansonsten empfehle ich, sich mit Amazon auseinanderzusetzen. Das Unternehmen hat jüngst seinen moralischen Bankrott erklärt. Ganz unabhängig von der gescheiterten Gewerkschaftsgründung in den USA.

Nackt EM nicht schauen, ist keine Lösung

Die Fußball-Europameisterschaft geht bald los. Am Freitag, 11. Juni, wird um 21 Uhr das Eröffnungsspiel zwischen der Türkei und Italien angepfiffen. Sie interessiert mich nicht. Wer aber noch ein Trikot braucht, der wird hier fündig.

  • Die Fußball-Europameisterschaft beginnt.
  • Wer jetzt kein Trikot kauft, muss sie nackt boykottieren.
  • Die beliebtesten Trikots habe ich mal zusammengeschrieben.

Es gibt sie ja, die Hardcore-Fans der Nationalmannschaft. Welcher auch immer. Bei mir geht es um die deutsche Nationalmannschaft. Ich bin kein Fan. Irgendwo zwischen Werbung für Dieselskandal-Autos, Spitznamen die sich aus Marketing-Aktionen ableiten („Die Mannschaft“) und der totalen Ignoranz gegenüber politischen und gesellschaftlich wichtigen Themen, ist mir jedes Interesse oder gar Sympathie verloren gegangen. Vom Korruptionssumpf mal ganz abgesehen.

Die beliebtesten Trikots zur EM

Auch darf die Sinnhaftigkeit einer Europameisterschaft, die über den gesamten Kontinent verteilt stattfindet, infrage gestellt werden. Üblicherweise werden bei Veranstaltungen von FIFA und UEFA deren Vorschriften über nationales Recht gestellt. Ober mag Unter schlagen, aber Kohle zertrümmert den Ober. In Zeiten einer globalen Pandemie geht es dabei aber nicht mehr nur um freie Meinungsäußerung, Schanklizenzen und Bewegungsfreiheit, sondern gleich um Menschenleben. Das mag zwischen all der Korruption untergegangen sein.

Dennoch verstehe ich die Faszination, die sich aus dem Zirkus ergibt und natürlich die Hingabe an einzelne Spieler. Viele wollen Trikots haben. Und für die habe ich ein paar Empfehlungen zusammengefasst. Alles streng nach Zahlen, Statistiken und SEO-Anforderungen versteht sich. Wer Lust hat, einfach mal reinschauen. Und wenn man die Fußball-Europameisterschaft schon nicht mag, können auch gleich ein paar Jersey mit rein, die mit der Veranstaltung nichts zu tun haben.

Die beliebtesten Fußball-Trikots

Gelernt habe ich, dass ein Satz aus einem Wikipedia-Eintrag über die Nationalmannschaft Islands im deutschsprachigen Sport-Journalismus ein Standard geworden ist: „Der Sprung ins Viertelfinale einer Europameisterschaft stellt somit den bislang größten Erfolg einer isländischen Fußballnationalmannschaft dar.“ Der Satz bezieht sich auf die Europameisterschaft 2016, als die Mannschaft England besiegte.

Die Aussage wird aber nicht richtiger, je öfter sie kopiert wird. Die Frauen-Nationalmannschaft von Island hat den gleichen Erfolg nämlich bereits im Jahr 2013 geschafft. Läuft aber nicht einmal unter honorable mentions.

Themen abseits der Fußball-Europameisterschaft

Natürlich gingen in den vergangenen Wochen auch andere Geschichten in die Welt. Zum Beispiel über zehn Elektroautos, die trotz des E-Booms gescheitert sind. Oder über Amazon. Dessen Gründer Jeff Bezos kann mittlerweile mit den größten Superschurken aus Comics verglichen werden. Auch über Sexismus am Arbeitsplatz muss mehr gesprochen werden.

Amazon: Moralische Bankrotterklärung

Steuerrückzahlung trotz Rekordgewinn, aktiver Kampf gegen Arbeitnehmer*Innen-Vertretung und ein undurchschaubares Firmengeflecht. Wie Amazon den letzten Anstand über Bord wirft, ist bei Arbeit und Wirtschaft zu lesen.

  • Amazon macht Rekordumsatz, zahlt aber keine Steuern.
  • Aktives Vorgehen gegen Arbeitnehmer*Innen-Vertretung.
  • Ermittlungen der Finanzpolizei bei Amazon.

Ein Jahr hat es gedauert, bis die Ermittlungen der österreichischen Finanzpolizei abgeschlossen waren. Sie hatten Anfang des Jahres 2020 eine Kontrolle beim Amazon-Verteilzentrum in Großebersdorf durchgeführt.

Eigentlich sollte das keine große Sache sein. Der Versandhändler beschäftigt gerade einmal 13 Vertragspartner. Ganz uneigentlich, könne aber niemand genau sagen, wieviele Menschen dort genau arbeiten, erklärt Michael Gogola von der Grundlagenabteilung der Gewerkschaft GPA. Das Geflecht aus Sub- und Sub-Subunternehmen sei undurchschaubar.

Amazon: Nur drei Firmen ohne Verstöße

Entsprechend überrascht könnte auch die Finanzpolizei gewesen sein, als sie 2.416 Dienstnehmer*innen von 96 Sub-Unternehmern und 24 Sub-Sub-Unternehmern kontrollieren mussten. Inklusive der 13 offiziellen Vertragspartner waren das also 133 Unternehmen. Bei gerade einmal drei sei kein Gesetzesverstoß festgestellt worden.

Eine Übersicht über die Verstöße und die Strafzahlungen, die auf die Firmen zukommen, gibt es beim Beitrag „Amazons Endgame“ auf Arbeit und Wirtschaft.

Amazon hat wegen der Coronapandemie ein Rekordjahr hinter sich. 44 Milliarden Euro Umsatz generierte der Online-Riese dank des geschlossenen Einzelhandels in Europa. Für Steuerzahler sollte das eine gute Nachricht sein. In der Praxis bekommt das Unternehmen allerdings eine Steuergutschrift von 56 Millionen Euro. Wie das geht, wird ebenfalls im Artikel erklärt.

Unwürdige Arbeitsbedingungen bei Amazon

Das letzte große Gesprächsthema rund um Amazon sind die Arbeitsbedingungen und die Rechte der Arbeiter*innen. Auch hier tun sich mitunter Abgründe auf, wie die Abstimmung im Amazon Fulfillment Center in Bessemer/Alabama gezeigt hat. In Deutschland hat die Gewerkschaft ver.di dem Konzern den Arbeitskampf angesagt. Der tobt seit acht Jahren.

Mit einigen Erfolgen. Der Sonntag ist beispielsweise frei und in Niederlassungen mit Betriebsrat gibt es deutlich weniger Leiharbeiter. Im Vergleich dazu sind die Gewerkschaften in Österreich noch etwas hinterher. Doch auch hier ist das Problem längst erkannt. „Grundsätzlich ist die Idee der Leiharbeit, Produktionsspitzen abzudecken. Amazon arbeitet allerdings zu einem sehr großen Anteil mit Leiharbeitskräften. Wir glauben daher, dass es notwendig ist, hier Grenzen einzuziehen. Auch rechtlich. Wir fordern, dass der Anteil an Leiharbeiter*innen auf 50 Prozent der Beschäftigten beschränkt sein sollte“, fordert Gogola.

Der Markt regelt nichts

Amazon ist ein Paradebeispiel dafür, wie der Markt aussieht, wenn man ihn sich selbst regeln lässt. Ein weiteres Beispiel ist Schokolade. Hier soll ein Lieferkettengesetz für mehr Menschenwürde sorgen. So die Wirtschaft es zulässt.

USA: Keine Gewerkschaft bei Amazon

In den USA wird bei Amazon doch keine Gewerkschaft gegründet. Die Angestellten in Bessemer/Alabama haben dagegen gestimmt. Für Arbeit und Wirtschaft habe ich mir angeschaut, was es damit auf sich hat.

  • Keine Gewerkschaft bei Amazon in den USA.
  • Belegschaft stimmt gegen Arbeiter*innen-Vertretung.
  • Ganzer Artikel bei Arbeit und Wirtschaft.

Die Angestellten von Amazon in Bessemer/Alabama haben sich gegen die Gründung einer Gewerkschaft entschieden. Es wäre die erste Arbeiter*innen-Vertretung beim Versandhändler in den USA gewesen. Dass sich die Arbeiternehmer*innen so entschieden haben, kommt nicht gänzlich überraschend, ist aber gegen den Trend in den USA. In Deutschland und Österreich sieht die Situation anders aus.

Keine Gewerkschaft bei Amazon in USA

Arbeitnehmer*innen haben es bei Amazon nicht leicht. Beim Tec-Giganten herrschen mitunter gruselige Arbeitsbedingungen. Ein paar Beispiele habe ich für meinen Beitrag auf Arbeit und Wirtschaft gesammelt. Und Amazon ist nicht irgendeine Firma. Der Versandhändler ist der zweitgrößte Arbeitgeber der USA. 900.000 Menschen sind dort mittlerweile angestellt.

Allein in der Pandemie hat Amazon 500.000 neue Arbeitnehmer*innen angeheuert. Die Firma ist ein Krisengewinner. Vor allem Jeff Bezos. Im Jahr 2020 konnte er sein Vermögen um 65 Milliarden Dollar auf jetzt 179 Milliarden Dollar steigern.

Milliarden auf dem Rücken der Arbeitnehmer*innen

Gerade weil Tec-Giganten auf dem Rücken unterbezahlter Arbeitnehmer*innen Milliarden einsammeln, wächst in den USA das Interesse an Gewerkschaften. Und das nach Jahrzehnten des Niedergangs und einem Abrutschen in die Bedeutungslosigkeit. Das legen zumindest Studien des Massachusetts Institute of Technology (MIT) nahe, mit denen ich mich im Artikel ebenfalls beschäftigt habe. Bei der Seite von Arbeit und Wirtschaft vorbeizuschauen lohnt sich also auf alle Fälle.

Zum ersten Mal seit Januar 2017 – dem Datum der Amtseinführung des amerikanischen Ex-Präsidenten Donald Trump – gibt es in den USA auch eine politische Unterstützung für die schwächsten Personen auf dem Arbeitsmarkt. Joe Biden hat sich klar gegen Amazon und für Gewerkschaften ausgesprochen. Es ist nicht der erste große Kampf der Arbeitnehmer*innen in den vergangenen Monaten. In Indien stellten sich Abermillionen Menschen, organisiert von Gewerkschaften, gegen Pläne der aktuellen Regierung. In Europa wird aktuell das Lieferkettengesetz diskutiert, das Arbeitnehmer*innen weltweit mehr Rechte sichern soll.

Arbeitsplatz: Sexismus ist Alltag

Die Studie „Sexismus im Alltag“ vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) hat gezeigt, wie allgegenwärtig diese herabwürdigenden Machtspiele sind. Für Arbeit und Wirtschaft habe ich mit Unternehmensberaterin Doktor Marita Haas über das Thema gesprochen.

  • Sexismus am Arbeitsplatz ist für Frauen Alltag.
  • Studie „Sexismus im Alltag“ zeichnet erschreckendes Bild.
  • Ganzer Artikel bei „Arbeit und Wirtschaft„.

Am Arbeitsplatz ist immer Sexismus beinahe alltäglich, wie mein Artikel „Ende der Machtspiele“ belegt. Dort haben 41 Prozent aller Frauen, die Sexismus erlebt haben, entsprechende Erfahrungen gemacht. Bei Männern sind es 45 Prozent. Auch, wenn sich die Art des Sexismus natürlich unterscheidet.

Studie: Sexismus im Alltag

Die Statistiken aus dem Artikel stammen aus der Studie „Sexismus im Alltag“ vom BMFSFJ. Doktor Marita Haas ordnete diese Zahlen ein wenig ein. Wichtig ist zu wissen, dass Sexismus immer aus einer der Position der Macht heraus passiert. Doch in den letzten Jahren gibt es einen Wandel der Unternehmenskultur. Weg von den klassischen, hierarchisch geordneten Machtgefällen. Ein gutes Zeichen? Marita Haas: „In den letzten Jahren sehen wir, dass die Hierarchien flacher werden. Aber wir sehen auch, dass sich Sexismus in diesen amikalen Strukturen einschleicht.“ Wie das passiert, ist hier zu lesen.

Mit zwei Änderungen, können Unternehmen effektiv gegen Sexismus am Arbeitsplatz vorgehen. Zum einen ist es eine Frage der Zivilcourage. Mitarbeiter*Innen müssen füreinander einstehen und Missstände ansprechen, Zum anderen braucht es ein klares Zugeständnis der Geschäftsführung, gegen Sexismus vorzugehen.

Führungsrollen neu denken

Doch was passiert dann? Marita Haas: „Wir müssen bei manchen Punkten umdenken und uns zum Beispiel überlegen, wie Gender in Führungsrollen festgeschrieben ist. Wen stellen wir uns als Führungskraft vor und stimmt dieses Bild überhaupt noch? Durchsetzungsfähigkeit ist männlich belegt. Aber mittlerweile geht es eher darum, zuhören und unterschiedliche Bedürfnisse wahrnehmen zu können, um ein Team, so unterschiedlich es auch ist, in eine gemeinsame Richtung zu bringen.“

Die Arbeit des BMFSFJ ist eine repräsentative Studie. Dafür wurden quantitative und qualitative Befragungen durchgeführt. Hier ein paar Zitate aus der Befragung:

Zitate von Männern zum Thema Sexismus:

  • „Bei uns sind die Frauen im Sommer gerne sehr luftig bekleidet, da fängt es doch schon an!“
  • „Es würde keine Ferkelmagazine mehr zu kaufen geben.“ (Auf die Frage, was passieren würde, wenn es über Nacht keinen Sexismus mehr gäbe)
  • „Wenn ich an Sexismus denke, denke ich eigent­lich nur, dass Frauen sexistisch behandelt werden. Ich denke auch, dass es in den meisten Fällen nur bei Frauen vorkommt. Es kann schon sein, dass das auch bei Männern vorkommt, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass sich Männer nicht so schnell auf den Schlips getreten fühlen. Im Allgemeinen wird eher bei der Frau darüber geredet und nicht beim Mann.“

Zitate von Frauen zum Thema Sexismus:

  • „Offiziell haben wir Gleichberechtigung, aber im Grunde genommen ist es so: Der Mann geht Vollzeit arbeiten und die Frau bleibt zuhause bei den Kindern am Herd. So, wie es in den 60er Jahren schon war.“
  • „Gibt es ein Wort für einen Mann, der eine Schlampe ist?“
  • „Wenn bei Stellenausschreibungen steht: Frauen oder Behinderte haben Vorrechte. Ich habe mir da schon immer gedacht, ich werde da mit Behinderten gleichgestellt, das ist Hardcore.“

Mehr Zitate, Statistiken und Analysen gibt es in der Geschichte „Sexismus am Arbeitsplatz: Ende der Machtspiele“ bei Arbeit und Wirtschaft. Neben der Debatte rund um Gleichberechtigung sind aktuell auch die Rechte von Arbeitnehmer*innen in der Öffentlichkeit. In Tupperware nach Dienstschluss zeige ich auf, wie Polizisten Geld dazu verdienen. Derweil hat in den USA die Belegschaft von Amazon gegen die Gründung einer Gewerkschaft gestimmt.

Neustart nach der Coronakrise

In hundert Jahren ist Schluss mit der Wirtschaft. Und vielleicht mit der Menschheit. Es sei denn, wir ändern fundamental etwas. Das soll beim Neustart der Wirtschaft nach der Coronakrise passieren.

  • Aufschwung nach der Coronakrise soll nachhaltig sein.
  • Ökologisches Wachstum und soziale Gerechtigkeit durch den Green Deal.
  • Ein Beitrag rund um EU-Politik für Arbeit und Wirtschaft.

Die Arbeit trägt den Titel „Die Grenzen des Wachstums“. Sie stammt vom Massachusetts Institute of Technology (MIT). Es geht darin um eine Computersimulation, die den Kipppunkt für unser Leben, wie wir es kennen, berechnet hat. Setzen wir den nachhaltigen Wandel der Wirtschaft nicht schleunigst um, werden unsere Kinder den Zusammenbruch der Zivilisation noch erleben.

Nachhaltiger Neustart nach der Pandemie

So die düstere Prognose. Für das Print-Magazin „Arbeit und Wirtschaft“ habe ich mich mit der Frage auseinandergesetzt, wie dieser Wandel der Wirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit zu bewerkstelligen sein könnte. Dafür habe ich mich mit Expert*innen aus den Bereichen Ökonomie, Ökologie, Mobilität und Pflege unterhalten.

Monika Vana, Europa-Abgeordnete der Grünen. Bild: Grüne/Christopher Glanzl

Gemein ist allen, dass sie den Neustart der Wirtschaft nach der Coronakrise für eine Chance halten. Auch, weil der Green-Deal der EU dann zum Tragen kommt. Darin geht es vor allem um eines: „Durch den Übergang zu einer ressourcenschonenden, modernen und wettbewerbsfähigen Wirtschaft soll neues Wirtschaftswachstum geschaffen werden“, erklärt Monika Vana, Europa-Abgeordnete der Grünen.

Green-Deal der EU und die Mobilität

Der Frage, wie sich unsere Mobilität und der Green Deal verbinden lassen, widmet sich Susanne Hofbauer, Chefredakteurin der Autorevue: „Im Großen und Ganzen wird die Wichtigkeit des Autos, so wie wir es jetzt kennen, abnehmen, weil Generationen nachwachsen, in deren Lebensentwurf das Auto keine oder eine geringere Rolle spielen wird. Und dabei geht es nicht um Verzicht.“ Carsharing-Angebote, öffentlicher Verkehr, Fahrräder aller Art, der öffentliche Personennahverkehr und die Verzahnung dieser Angebote seien das Rezept für die Mobilität von morgen.

Doch Nachhaltigkeit bedeutet nicht nur „Umweltschutz“. Es bedeutet auch, eine gerechtere Gesellschaft zu formen. Ein wichtiger Aspekt ist dabei die Pflege. Darüber habe ich mich mit Andrea E. Schmidt, Senior Health Expert bei der Gesundheit Österreich GmbH, unterhalten.

Gleichberechtigung in der Pflege

Ihre Branche hat in den kommenden Jahrzehnten mit einer Herkulesaufgabe zu kämpfen: „Prinzipiell geht es darum, neue, attraktivere, besser entlohnte und qualitativ hochwertigere Arbeitsplätze für den Sektor Langzeitpflege zu schaffen. Im privaten Bereich, also bei den pflegenden Angehörigen, geht es zudem darum, Frauen von Pflegetätigkeiten zu entlasten.“

Egal ob Mobilität oder Pflege, Landwirtschaft oder Energie: Die Transformation wird nicht friktionsfrei funktionieren. Zwar werden viele neue Arbeitsplätze geschaffen, doch es gehen auch viele verloren. Die betroffenen Menschen brauchen Umschulungen, Hilfesangebot und Orientierung mahnt Markus Marterbauer, Chefökonom der Arbeiterkammer, an.

Lieferkettengesetz, Green-Deal und Staatshilfen

Wie all das finanziert werden kann, welche Risiken und Chancen es gibt, ist in der Geschichte „Corona-Krise: Letzte Abfahrt Wohlstand“ nachzulesen. Für mehr Nachhaltigkeit in der Wirtschaft soll auch das Lieferkettengesetz sorgen. Welche wirtschaftlichen Voraussetzungen Deutschland und Österreich nach der Pandemie haben, erfährt man in der Geschichte „Corona-Staatshilfen: I werd narrisch“.

Mein Auto, das unbekannte Wesen

Ab dem Jahr 2022 werden Europa viele neue Assistenzsysteme in Autos zur Pflicht. Eine Studie der FIA hat jedoch herausgefunden, dass viele Autofahrer kaum verstehen, was diese Helferlein machen.

Eine Studie des internationalen Dachverbands der Automobilclubs (FIA) kommt in einer Studie zu dem Schluss, dass viele Autofahrer nicht wissen, was ihre Assistenzsysteme eigentlich tut. Das ist aus zwei Gründen problematisch. Erstens ist es gefährlich, wenn sich Fahrer auf eine Funktion verlassen, die ihr Auto vielleicht gar nicht beherrscht. Und zweitens werden viele dieser Assistenzsysteme in Europa bald Pflicht.  

Fahrer kennen sich mit Assistenzsystemen nicht aus

Für Heise habe ich mir die Studie der FIA angeschaut. Die Zusammenfassung gibt es in der Geschichte „Im Tal der Ahnungslosen: Studie zu Fahrassistenzsystemen“. In der Studie werden insgesamt sechs Fahrassistenzsysteme untersucht. Erschreckend ist, dass je nach Helferlein zwischen 70 und 99 Prozent der Fahrer nicht genau wissen, was das System eigentlich tut.

Schrittweise ab dem Jahr 2022 und 2024 werden neue Assistenzsysteme Pflicht. Bild: KIA

Hintergrund der neuen Regelungen sind die Unfallstatistiken. Rund 25.000 Tote und 135.000 Verletzte gibt es in der EU pro Jahr. Die Zahlen sinken seit Jahren, weil es immer mehr Sicherheitstechnik gibt. Die EU will diesen Trend beschleunigen. Das hat sie schon einmal 1984 gab es in Deutschland etwa 15.000 Verkehrstote. Dann trat die Gurtpflicht in Kraft und es gab nur noch 9.000 Tote.

Fehlfunktionen vorprogrammiert

Doch die neuen Assistenzsysteme sind nicht mehr so simpel wie Gurt oder Airbag. Die elektronischen Helferlein basieren meist auf Kameras oder Radar-Technologie. Was die Autos aus den gesammelten Daten machen, ist vielen Fahrern aber unklar. Sie wurden von der FIA beispielsweise gefragt, ob ihr Auto bremst, wenn es auf ein Stauende zufährt oder ob das System auch Motorradfahrer erkennt. Mindestens 70 Prozent der Befragten haben ihr Wissen enorm überschätzt.

Das liegt vor allem daran, dass die Hersteller und Händler keinen Wert auf eine Schulung legen. Dazu erklärt das Informationsmaterial meist nur, was die Systeme können. Nicht, was sie nicht können. Außerdem definieren Hersteller die unterschiedlichen Assistenzsysteme anders.

Mein Auto, das unbekannte Wesen. Symbolbild. Bild: Mercedes

Doch selbst wenn der Fahrer die Technik versteht, ist noch lange nicht gesichert, dass sie funktioniert. Programmierfehler sind unvermeidbar, äußere Umstände wie die Witterung erschweren der Technik die Arbeit. So kommt es nicht selten zu Fehlfunktionen. Ob ein System aber aktiv ist, oder ob es wegen Dreck auf der Kameralinse nicht funktioniert, erfährt der Fahrer aber meist erst, wenn es zu spät ist.

EU-Vorschriften, Green-Deal und Evel Knievel

Der Elefant im Raum ist außerdem der Umgang mit den Daten, die das System sammelt. Welche das sind und was damit passiert, kann in meiner Geschichte nachgelesen werden. Ebenfalls ein wichtiges, europapolitisches Thema ist der Green Deal. Wie der die Mobilität beeinflusst, lesen Sie hier in meinem Interview mit Steffen Bilger (CDU), Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur. Kurzweiliger ist sicherlich mein Portrait von Stuntman Evel Knievel.