Reportage: Hamburger Hafen

Der Hafen hat Hamburg zum Tor der Welt gemacht. Er hat die Stadt nachhaltig geprägt und ist der größte Arbeitgeber. Doch die Romantik von früher ist dahin. Zwischen den Container stören die Menschen nur die Globalisierung. Eine Reportage für Arbeit und Wirtschaft.

Die alten Haudegen, die Seebären und Türsteher, Barkeeper und Zuhälter sprechen immer ehrfurchtsvoll vom alten Hamburger Hafen. Vom Sperrgebiet mit den Prostituierten und den Seeleuten, die ihre Heuer auf den Kopf hauen. Diese Romantik ist längst vorbei. Das Gebiet ist mittlerweile dreigeteilt. Ein folkloristischer Teil, die Hafencity und – auf der anderen Seite der Elbe – die Containerterminal.

Hafen Hamburg: Folklore, Hafencity und Container

Im folkloristischen Teil tummeln sich die Touristen, besuchen sie den Fischmarkt und Konzerte, gehen in Restaurants und Museen. Die Hafencity gilt als die größte Baustelle der Welt. Wohnungen und Büros, Restaurants und Geschäfte entstehen hier. In allen Preisklassen. Daneben steht ein Haus für geflüchtete Menschen. Und dann ist da noch der Teil, der Hamburg groß gemacht hat. Die Containerterminals. Für die Geschichte „Wie der Mensch verschwindet“ habe ich mir die drei Teile des Hamburger Hafens einmal genauer angesehen und mit denen gesprochen, die helfen können, das Gebiet zu verstehen.

Allen voran natürlich Anke Wibel. Die Women’s International Shipping & Trading Association (WISTA) hat sie als Persönlichkeit des Jahres 2021 ausgezeichnet. Für ihre Arbeit in der Seemannsmission Duckdalben. Sie gibt ihr 364 Tagen im Jahr Seeleuten ein Zuhause, wenn sie mal ein paar Stunden Landgang haben. Und mehr Zeit kriegen sie tatsächlich nicht. Warum das so ist, erklärte mir Markus Wichmann. Er ist Inspektor der Internationalen Transportarbeiter-Föderation (ITF). Er zeigt auf, was die Beflaggung des Schiffes für die Seeleute bedeutet.

Reportage über den Hafen Hamburg

Natürlich habe ich auch mit Nadine Kornblum gesprochen. 13 Jahre ist sie als nautischer Offizier zur See gefahren, hat das Kapitänspatent und kümmert sich jetzt als Marine- und Cargo-Surveyor um die richtige Verladung von Schiffen. Welche Änderungen es speziell in diesem Bereich gab, schildert in der Reportage Gesa Rädeker. Sie ist Bordmanagerin auf der Cap San Diego. Dem letzten Stückgutfrachter, der jetzt in Hamburg als Museumsschiff dient.

Die Cap San Diego ist so etwas wie ein Symbol für das Ende der angesprochenen Romantik. Rädeker: „Diese Romantik gab es. Die sind damals braun gebrannt in kurzer Hose von Deck, mit der Bananenstaude über der Schulter. Dann sind sie mit der S-Bahn nach Hause.“

Landgang in der Seemannsmission

Heute ist das anders. Die Seeleute haben nur wenige Stunden Pause und sind in einem Containerterminal, in dem es keine Wege für Fußgänger gibt. Keine Taxis, keine Busse. Die Seemannsmission Duckdalben muss die Menschen an den Pötten abholen und sie zu ihrem Haus mit Garten und Basketballplatz bringen. Besonders beliebt ist hier dann der Billardtisch. Wegen seiner Symbolik. Billardtische gibt es auf Containerschiffen nicht. Ein Billardtisch bedeutet, dass Seeleute festen Boden unter den Füßen haben.

Die wenigen Stunden Landgang, in denen nur eine Partie Billard möglich ist, sind aber mehr, als Seeleute von Kreuzfahrtschiffen zur Verfügung haben. Deren Arbeitsbedingungen beschreibt Wichmann so: So ein Kreuzfahrtschiff ist Globalisierung pur. Oben sind die Profiteur*innen und unten die, die es ermöglichen.“

Schwerpunkt Globalisierung

Die ganze Geschichte gibt es selbstverständlich bei Arbeit und Wirtschaft. Sie entstand für die Schwerpunktausgabe rund um das Thema Globalisierung. Dringende Leseempfehlung. Und abonniert unbedingt den Newsletter, der ist meist auch von mir und deswegen super. Die Fotos sind von Marcel Stammen. Edellinse aus dem Herzen Hamburgs.

Apropos Globalisierung. Wer sich für mehr Themen aus der ganzen Welt interessiert, der liest sich „Amazon: Moralische Bankrotterklärung“ durch. Darin geht um den Wunsch nach einer Gewerkschaft. Ebenfalls interessant sind natürlich die SEO-Themen rund um China und die Rekordstreiks in Indien.

2 Kommentare zu „Reportage: Hamburger Hafen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: