Dank Siniša Vidović ist Linz plötzlich weltbekannt. Wie geht sowas und warum sind darüber nicht alle glücklich? Das erklärt er im Interview.
- Interview mit Siniša Vidović.
- Der Künstler hinter dem viralen Stadtmarketing von Linz.
- Ein Gespräch für Sonicboom.
Geschäftsführer von Forafilm, Videoproduzent, Diplomat… all das ist Siniša Vidović mit Sicherheit. Vor allem aber ist er ein Mutmacher. Er und seine Firma stecken hinter den Videos des Linzer Stadtmarketings. Also auch und vor allem hinter den drei Videos „Linz ist Linz“, „Planet Linz“ und „Der Prinz von Linz“. Jedes geht auf seine eigene Weise auf die Stadt und das jeweilige Zeitgeschehen ein. Das erste Video ging viral und heimste sogar bei weltweiten Wettbewerben Preise ein. Warum das nicht jedem gefiel, erklärt er im Interview, dass ich für Sonicboom mit ihm führen durfte.
Linz wird viral
Ehrlichkeit ist für Vidović das Fundament seiner Arbeit. Gerade deswegen, weil er auch in der Werbung aktiv ist. Und so kommt es, dass er Linz – also die Stadt, die er eigentlich bewerben soll – in seinem Video als ein wenig rassistisch bezeichnet. Als Stadt für Senioren. Das ging vielen zu weit. Allen voran Bürgermeister Karl Luger, der das Video vor dessen Veröffentlichung nicht gesehen hatte. Sonst hätte es das Video „keinen Tag gegeben“, wie er damals über die „misslungene Kampagne“ schimpfte.
Aber was hätte Vidović denn sonst zeigen sollen? „Weil wir kein Video machen können, in dem Linz schöner aussieht als Salzburg oder Wien. Das wäre für mich nicht ehrlich“, erklärt er im Interview. Hier in voller Länge. Und nach den ersten Erfolgen des Videos hat sich der Zorn auch rasch gelegt. Im dritten Video – „Der Prinz von Linz“ – spielt Luger sogar mit.
Wir haben über zwanzig internationale Preise bekommen. Darunter auch der dritte Platz bei den ‚Worlds Best Tourist Film‘, bei dem eine weltweite Konkurrenz antritt. Aber eine besondere Ehre sind die CCA-Awards, also der Creative Club Austria – der wichtigste Werbepreis in Österreich. Da haben wir den Film in vier Kategorien eingereicht und haben viermal gewonnen“, so Vidović. Vor allem die Preise aus Österreich seien ihm wichtig, erklärt er. Denn die Expert:innen, die dort in der Jury sitzen, hatten ihn zuvor noch für die sehr offensive Kampagne kritisiert. Doch Erfolg gibt eben recht.
Mut kommt nicht von allein
Auftraggeber war der Tourismusverband. „Die Zeit vor der Veröffentlichung war tatsächlich die größere Zitterpartie. Der Kunde hat ein paar Szenen infrage gestellt“, so Vidović. Doch er hatte schon vor dem ersten Screening Feedback eingeholt. Beispielsweise vom Chef der Ars-Electronica. Im Werbevideo kotzt ein Besucher wegen der visuellen Effekte in die Ausstellung. „Er sagte sogar, das sei schon öfter vorgekommen. So ein Video funktioniert nicht, wenn man Kompromisse macht. Das funktioniert nur auf voller Lautstärke.“
Damit das Video so durchgeht, musste Vidović gelegentlich etwas Mut machen. „Aber ich habe viel gekämpft und Energie investiert, um den Kunden mutig zu machen. Meine Mitarbeiter sagen, sie werden nie vergessen, wie oft ich vor dem Release am Telefon war. Der Kunde ist nicht automatisch mutig“, motiviert Vidović andere, es ihm gleichzutun.
Nach dem ersten Linz-Video habe er einige Anfragen bekommen, von Unternehmen, die ebenfalls „mutig“ sein wollten. „Dann präsentiert man etwas und plötzlich sind sie gar nicht mehr mutig und machen einen Rückzieher. Das Wichtigste ist deswegen, Vertrauen aufzubauen und eine Partnerschaft auf Augenhöhe zu haben.“
Interviews zur digitalen Kommunikation
Für Sonicboom führe ich regelmäßig Gespräche zur digitalen Kommunikation. Beispielsweise mit Madita Oeming zur Frage, wie man das Thema Porno in diesem prüden Medium ins richtige Licht rückt. Oder mit Künstler Dieter Huber zu den Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz.


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