Aus einem einzigen Ohrring in einem winzigen Onlineshop wurde ein eigener Juwelier in Wiens erstem Bezirk. Unternehmerin Rana Aktas zeigt, wie es geht.
- Wie aus User:innen zahlende Kund:innen werden.
- Ein Interview mit Unternehmerin Rana Aktas.
- Erschienen bei Sonicboom
In der Türkei hat Goldschmuck eine andere Bedeutung. Für die Frauen dort ist er ein Investment. Auch auf türkischen Hochzeiten wird traditionell Goldschmuck verschenkt. Diesen Umgang mit Goldschmuck wollte Unternehmerin Rana Aktas auch Österreicherinnen näherbringen und gründete ihr Unternehmen „boop jewlery“. Dort verkauft sie keinen vergoldeten Schmuck, sondern Modelle aus Echtgold. Und das so günstig wie nur irgend möglich. Auch jüngere Menschen sollen sich Echtgold leisten können, sagt sie im Interview. Das gibt es in voller Länge bei Soinicboom.
Echtgold für alle
Zu Beginn war es kaum mehr als ein Liebhaberprojekt. Es gab nicht mehr als einen Instagram-Kanal. „Dann habe ich Influencer gesucht, die mit mir zusammenarbeiten könnten und habe allen möglichen Menschen meinen Ohrring vorgestellt – diesen einzigen, den ich hatte – und erklärt, was uns besonders macht. Und tatsächlich habe ich drei, vier, fünf Influencerinnen überzeugen können. Und schwups, schon kam die erste Bestellung rein“, erklärt sie im Interview.
Dann hat das Leben den Turbo gezündet. Eigentlich wollte Rana Aktas für kurze Zeit einen Pop-up-store eröffnen. Doch der Vermieter musste ihr kurzfristig absagen. Für sie ist das damals ein kleiner Weltuntergang. Einerseits, weil schon alles organisiert war (Ware, Regale, Urlaub genommen). Andererseits, weil ein eigenes Geschäft für sie der nächste Schritt gewesen wäre. Als Ersatz bietet ihr der Vermieter einen kleinen Laden im ersten Wiener Gemeindebezirk an.
„Dass wir im ersten Bezirk gelandet sind, ist ein Zufall. Ein eigenes Geschäft war aber – zumindest unterbewusst – immer mein Traum. Bei boops ist alles, was bis jetzt passiert ist, nicht wirklich strategisch geplant gewesen. Eines nach dem anderen hat sich ergeben. Wenn es eine neue Möglichkeit gab, habe ich sie ergriffen. Es war alles von Anfang, mit wenig Budget und noch weniger Zeit eingeplant. Schließlich habe ich noch einen Vollzeitjob. Das Ziel war, den Echtgoldgedanken zu verbreiten, nicht eine Firma aufzubauen. Jetzt haben wir mittlerweile zwei Mitarbeiterinnen plus eine Freelance-Mitarbeiterin“, fasst sie im Interview die Geschichte zusammen.
So werden User:innen zu Kund:innen
Rana Aktas ist gelungen, woran viele große Unternehmen scheitern: Aus User:innen Kunden machen. Genug, um einen eigenen Laden eröffnen zu können. Doch dadurch habe sich natürlich die Kundenbasis geändert. „Im ersten Jahr haben wir auch aufgrund der Werbung über die Social-Media-Kanäle hauptsächlich 25- bis 35-Jährige erreicht. Jetzt bedienen wir Menschen in der Spanne zwischen 18 und 70 Jahren“, so Aktas.
Doch wie schafft man das? Wie macht man aus User:innen zahlende Kund:innen. Aktas hat ihr Rezept gefunden: Storytelling und viel Persönlichkeit. Hinter ihrem Goldschmuck steckt die Geschichte der türkischen Tradition. Außerdem schreibt sie ihren Kund:innen immer handschriftliche Nachrichten. Gibt es Probleme mit der Lieferkette, erklärt sie die Hürden auf ihrem Instagram-Kanal. So wissen die Fans Bescheid. Sie antwortet auf alles und nimmt sich Zeit.
Wie schon bei ihrem bisherigen Lebenslauf hat sie auch für die Zukunft keine konkreten Pläne. „Auch, weil es nur mein Zweitjob ist. Mit der spontanen Art bin ich bisher sehr gut gefahren. Wenn ich Dinge plane, funktionieren sie meist nicht so gut, weil immer was dazwischenkommt.“ Wichtig, sagt sie, sei es, sich die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit zu bewahren.
Digitale Kommunikation
Rana Aktas hat es geschafft, einen kleinen Instagram-Kanal zu einem Juwelier in einer der teuersten Gegenden Wiens zu verwandeln. Dank gelungener digitaler Kommunikation. Ebenfalls sehr erfolgreich auf diesem Gebiet ist Siniša Vidović. Seine freche Werbekampagne für Linz ging viral. Das geht nur, wenn man dem Kunden Mut einflößt. Ganz andere Probleme hat Madita Oeming. Sie möchte im wissenschaftlichen Kontext über Pornos sprechen und hat mit der übertriebenen Prüderie des Netzes zu kämpfen.


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