Bremen hat, wovon die meisten anderen Bundesländer in Deutschland nur träumen können. Eine Arbeitnehmerkammer. Sehr zur Freude von rund 400.000 Beschäftigten.
- Reportage zur Arbeitnehmerkammer Bremen.
- Fotos von Marcel Stammen.
- Eine Geschichte für Arbeit&Wirtschaft.
In Bremen tun sich Gräben auf. Gleich in mehrfacher Hinsicht. Das liegt zum einen an einer Besonderheit des Bundeslandes. Es besteht nämlich aus zwei Städten – Bremen und Bremerhaven – die durch Niedersachsen sogar voneinander getrennt sind. Zum anderen hat der Wandel der vergangenen Jahre dafür gesorgt, dass auch wirtschaftliche Differenzen sichtbar sind. Der Untergang der deutschen Jacht- und Schiffsindustrie mit all ihren Zulieferbetrieben hat Bremerhaven sehr viel härter getroffen als Bremen. Genug zu tun also für die Arbeitnehmerkammer Bremen. Die ganze Reportage heißt „Wat mutt, dat mutt“ und ist vollständig und kostenlos bei Arbeit&Wirtschaft zu lesen.
Mittendrin die Arbeitnehmerkammer Bremen
Die gewachsenen Unterschiede spiegeln sich auch bei der Arbeitnehmerkammer Bremen wider. Sie vertritt und berät etwa 400.000 Beschäftigte. Von den fair bezahlten, häufig gewerkschaftlich organisierten Industriejobs der Automobil-, Luft- und Raumfahrt- sowie Stahlunternehmen. Als auch die Servicebranche mit teils prekären Arbeitsverhältnissen. Was in Bremen eher unterrepräsentiert ist, sind wissensintensive Dienstleistungen. Also Jobs im Bereich der Finanz-, Versicherungs- und Beratungsbranche.
Vor allem die wechselnden (und parallelen) Krisen der vergangenen Jahre haben die Bedeutung der Arbeitnehmerkammer Bremen verdeutlicht. Es war auch ihren Bemühungen zu verdanken, dass es nicht noch schlimmer kam. „Während der Coronapandemie hat der Bürgermeister eine Sozialpartnerrunde eingerichtet, in der wir gemeinsam Maßnahmen diskutiert und abgestimmt haben. Die Runde haben wir in der Energiekrise fortgesetzt. Jetzt richten wir gerade einen Transformationsrat ein“, so Peer Rosenthal, Geschäftsführer der Arbeitnehmerkammer, im Gespräch.
Denn die Institution hat sich vor allem als großer Kommunikator entpuppt. Und das gleich auf zwei Ebenen. Einerseits saß sie vor allem während der Coronapandemie an einem Tisch mit den Entscheidungsträger:innen aus Politik und Wirtschaft. So konnten bei den Maßnahmen die Sicht der Beschäftigten eingebracht werden. Andererseits dient die Arbeitnehmerkammer auch als Beratungsstelle für die Beschäftigten direkt. 90.000 bis 100.000 Beratungen führt sie jährlich durch.
Beratung bei der Arbeitnehmerkammer Bremen.
Kaarina Hauer ist Leiterin der Rechtsberatung. Im Gespräch wird schnell klar, dass bei allen Unterschieden und Sonderwegen die Beschäftigten in Bremen vor den gleichen Herausforderungen stehen wie in Österreich. „Ein Beratungsschwerpunkt ist die Vergütung. Die Beschäftigten bekommen sie entweder nicht oder nicht in der vereinbarten Höhe oder nicht rechtzeitig ausgezahlt. Danach folgen Kündigungen und alles, was damit zusammenhängt. Der dritte Beratungsschwerpunkt sind Arbeitszeit und Urlaub“, fasst Hauer die Arbeit zusammen. Und auch die aktuellen Trends sind die gleichen, etwa die zunehmende Arbeitsverdichtung und deren negative Auswirkungen auf die Gesundheit. Auch in Deutschland gehe eben die Babyboomer:innen-Generation in Pension und hinterlasse personelle Lücken, die häufig nicht geschlossen würden.
Um das wirtschaftliche Gefälle in Bremen zu entschärfen, hat die Arbeitnehmerkammer das Konzept „3D-Strukturwandel“ erarbeitet. Die drei „D“ stehen für Dekarbonisierung, Digitalisierung und Demokratie. So soll ein Transformationsprozess in der Hansestadt gelingen, um das Bundesland zukunftsfähig zu machen. Mehr zur Arbeitnehmerkammer, der Stadt und deren Wirtschaft gibt es in der vollständigen Reportage.
Was im Norden derzeit auch eine Rolle spielt, ist die Pleite der Signa-Holding. Die hat in Hamburg aus dem Prestigeobkjekt „Elbtower“ den „kurzen Olaf“ gemacht. In Österreich sorgt die Insolvenz derweil für Hektik bei der Justiz. Milliardenpleiten kommen nämlich meist überraschend. Dabei müsste das gar nicht sein. Denn nicht wenige waren in Wahrheit absehbar – man wollte nur die Wahrheit nicht sehen. Etwas entspannter ist da ein Ausflug ins Wiener Rotlicht mit Peter Konstantin Laskaris. Man gönnt sich ja sonst nichts.


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