Das Parlament in Wien. Symbolbild für den Standort Österreich.

Standort als Balanceakt

Ein Wirtschaftsstandort ist mehr als nur sein BIP. Er ist das Zusammenspiel vieler, oftmals gegenläufiger Interessen.

  • Wirtschaftliche, soziale und ökologische Interessen eines Standortes.
  • Das Jammern über den Standort Österreich hat System.
  • Eine Geschichte für Arbeit&Wirtschaft.

Österreich ist ein guter Standort – für die Wirtschaft genauso wie für die Menschen. Jammern mag zur Kultur gehören, ist in diesem Kontext aber unangebracht. Während all der Krisen in den vergangenen Jahren hat sich das Land als robust erwiesen. Standortpolitik bedeutet, eine Vielzahl von Interessen – die sich manchmal sogar diametral gegenüberstehen – auszubalancieren. Nur die Kipppunkte der drei zentralen Faktoren – Wirtschaft, Ökologie und Soziales – dürfen nicht überschritten werden.

Standort Österreich: Eine Analyse

Das Magazin Arbeit&Wirtschaft vom Verlag des Österreichischen Gewerkschaftsbunde (ÖGB) widmet sich in seiner aktuellen Ausgabe dem Thema Standort Österreich. Das Heft gibt es als hier als kostenlosen Download. Ich durfte die Covergeschichte (Titel: „Geliebt, gerühmt, beheimatet“) beisteuern, die hier auch schon online verfügbar ist. An dieser Stelle möchte ich sie nur kurz zusammenfassen.

Meist beherrschen Wirtschaftsvertreter:innen die Debatte zum Thema Standortpolitik. Und meist geht es darum, wie schlecht es um sie Standort bestellt sei. So auch in Österreich. Dort ist von der „Gefahr des Abstiegs“ die Rede und vom „Würgegriff“ der Steuern. Ausgerechnet der Präsident der Wirtschaftskammer prophezeit eine Abwanderungswelle. Angeführt von KTM-Chef Stefan Pierer, der die Produktion nach China verlagern will.

Ein Marketingtrick, den Helene Schuberth schon kennt. Sie ist Chefökonomin des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB) und analysiert: „Es ist doch beschämend, dass Wirtschaftsvertreter:innen unseren Wirtschaftsstandort pausenlos schlechtreden, anstatt ihn als das zu bezeichnen, was er ist: nämlich sehr robust.“ Eine Taktik, die vor allem in Zeiten von Lohnverhandlungen oder anstehenden Umverteilungsmaßnahmen beliebt sei.

Österreichs Standortvorteile

Ein enormer Vorteil, den Österreich genießt, ist die geografische Lage. Einerseits gibt es Länder und Regionen mit einer hoch entwickelten Wirtschaft und hohem Einkommen. Dazu zählen Norditalien, Bayern und die Schweiz. Doch daneben gibt es auch dynamische Wirtschaften mit hohen Wachstumsraten im Osten.

Dazu kommen gut ausgebildete Fachkräfte, ein umfangreiches Gesundheits- und Bildungssystem und ein hoher Lebensstandard. Diese Qualität kostet allerdings auch – und zwar Sozialstaatsbeiträge. Die sind Wirtschaftsvertreter:innen meist ein Dorn im Auge. Entsprechend kam es in den vergangenen Jahren einige Kürzungen. Etwa bei der Unfallversicherung, beim Familienlastenausgleichs- und beim Insolvenz-Entgelt-Fonds.  Das bedeutet aber, dass der Staat weniger Mittel hat, um die wichtigen Standortvorteile zu erhalten oder gar auszubauen.

„Die hohen Lohnnebenkosten sind schon ein Problem. Senkt man sie, müsste man aber gleichzeitig andere Einnahmequellen erhöhen, um andere Dimensionen der Standortqualität nicht zu gefährden. Ich denke dabei zum Beispiel an Umweltsteuern“, führt Michal Peneder aus. Er ist stellvertretender Direktor des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO). Eine andere Möglichkeit wäre es natürlich, die Wohlhabenden im Land privat stärker in Pflicht zu nehmen, wenn parallel deren Unternehmen steuerlich entlastet werden.

Wo Österreich aufholen muss

Die Debatte rund um Lohnnebenkosten bzw. Sozialstaatsbeiträge ist weniger wichtig, als sie Wirtschaftsvertreter:innen machen, wie das WIFO „Radar der Wettbewerbsfähigkeit“ zeigt. Er stellt den Standort Österreich mittels zwölf Hauptindikatoren und zwölf ergänzender Indikatoren dar. Hauptindikatoren sind etwa Wirtschaftsleistung, CO₂-Intensität, Armutsgefährdung und Einkommensverteilung. Die Analyse zeigt, das Österreich in erster Linie beim Gender-Gap Probleme hat.

Aus einer Vielzahl von Gründen können Frauen nicht so viel arbeiten, wie sie wollen. Schuld daran ist unter anderem – neben einem sehr traditionellen Familienbild, das die CareArbeit enorm ungleich verteilt – die nicht ausreichend vorhandene Kinderbetreuung. Das sei ein „auffälliges Defizit“, wie es Peneder nennt – und ein Punkt, den selbst Deloitte kritisiert.

Wie Unternehmen sich selbst einen Standortvorteil erarbeiten können und warum das Verlagern von Arbeitskräften im Ausland längst nicht so einfach ist, wie gerne behauptet, können Sie in der vollständigen Geschichte lesen.

Standort Österreich

Mehr zum Standort Österreich gibt es hier zu lesen. Unter SEO-Gesichtspunkten habe ich ein paar wichtige Aspekte zusammengefasst. Ebenfalls interessant ist, wie die Justiz auf die Pleite von Benko reagiert. Der Bankrott hat einige Fragen zum Wirtschaftsrecht aufgeworfen. Eher keine Pleite droht den Banken in Österreich. Allerdings sei die Frage erlaubt, woher deren Gewinne kommen. Das klärt sich hier.

Hinterlasse einen Kommentar