Wohnen im Baakenhafen kann herausfordernd sein. Das Verkehrskonzept ist veraltet, die Regeln starr und der Veränderungswille gering. Besserung ist nicht absehbar. Ein Kommentar.
- Wohnen im Baakenhafen: Zwischen Umwegen und Gefahrenstellen.
- 50er-Zone, kaum Radwege oder Querungshilfen.
- Drei Gründe, den Baakenhafen zu meiden.
Wer im Baakenhafen wohnt, kann schnell das Gefühl bekommen, auf der Resterampe der Hafencity gelandet zu sein. Das liegt primär an einem scheinbar wirren und undurchdachten Verkehrskonzept. Sicher und wohl können sich nur Anwohnende fühlen, die im Auto sitzen. Und auch dann bleibt die Furcht vor dem Blechschaden. Doch den Willen, an der Situation etwas zu ändern, sucht man bei den Verantwortlichen vergebens. Drei Beispiele machen deutlich, was hier schiefgelaufen ist.
Wohnen am Baakenhafen klingt in der Theorie toll:
Beispiel 1: Lola-Rogge-Platz an der Baakenallee
Der Lola-Rogge-Platz „besticht durch Ästhetik, Qualität und die durch eine architektonische Szenerie geschaffene Einheit seiner Plätze“, wie Besco (Berliner Steincontor) schreibt. Das Unternehmen hat die passenden Bodenplatten, Pflaster und Sonderelemente geliefert. Beworben wir die Arbeit mit dem Foto eines Porsche Cabrios, das im absoluten Halteverbot direkt vor der Schule steht. Ein besseres Symbolfoto lässt sich für die Situation vor Ort nicht finden.
Denn zur Wahrheit gehört, dass es die beschriebene „Einheit“ nicht gibt. Der Lola-Rogge-Platz wird durch die Baakenallee zerschnitten. Eine Straße, auf der beinahe durchgehend Tempo 50 erlaubt ist. Lediglich vor der Schule gelten auf 300 Metern Tempo 30. Vorrichtungen zur Straßenquerung (Zebrastreifen oder Bettelampel) gab es hier lange Zeit nicht – trotz vorhandener Grundschule und schon im Bau befindlichen Kindergarten. Erst auf Druck von Schulleitung und Elternrat wurde zumindest ein kleiner Zebrastreifen ganz am Ende des Lola-Rogge-Platzes aufgemalt. Der wird aber zu den Bring- und Holzeiten der Kinder regelmäßig zugeparkt.

Beispiel 2: Fahrradwege im Baakenhafen
Dass es ein anachronistisches Verkehrskonzept, wie das auf der Baakenallee im Jahr 2024 noch gibt, ist gänzlich unverständlich. Neben der Geschwindigkeit und dem Mangel an Querungshilfen ist auch der fehlende Radweg ein Problem. Der endet nämlich auf der Baakenhafen Brücke. Also just dort, wo die Baakenallee beginnt.
Zudem ist die Baakenallee eine Einbahnstraße, was für die Anwohner zusätzliche Probleme bringt. Denn viele Menschen, die in der Baakenallee wohnen, haben ihre Wohnung nunmal entlang der Einbahnstraße – das ist systemimmanent. Für sie gibt es keine legale Möglichkeit, mit dem Fahrrad (oder dem Auto) direkt zum Supermarkt, zur Schule, zum Bäcker oder auf in die Stadt zu kommen. Dafür müssen sie einen Umweg in Kauf nehmen.
Und die Umwege können lang sein. Denn während die Promenade an der Elbe wenigstens einen Fahrradweg hat, ist das Be- und Umfahren des gegenüberliegenden Parks (Baakenpark) und des Hafenbeckens (Petersenkai, Amerigo-Vespucci-Platz und Versmannkai) mit dem Fahrrad gar nicht erst gestattet. Dabei wäre genau das die einzige Möglichkeit, um die Kinder mit dem Rad ohne Umwege in die Grundschule am Baakenhafen zu bringen. Oder in die Stadt oder den Überseeboulevard zu kommen, ohne sich auf der Versmannstraße in Gefahr zu begeben.

Beispiel 3: Netzwerk-Treffen
Tatsächlich gibt es die Möglichkeit, Bedenken und Verbesserungsvorschläge einzubringen. Etwa über den „Netzwerk HafenCity e. V.“ Dieser hatte beispielsweise am Donnerstag, 14. November, ein Treffen der „Arbeitsgruppe Verkehr“. Das Problem dabei ist, dass hier keine Kommunikation auf Augenhöhe stattfindet. Vertreter:innen diverser Ämter und andere Verantwortungsträger informieren lediglich darüber, warum einzelne Verbesserungen nicht umsetzbar sind.
Als Unbeteiligter hätte man zu dem Schluss kommen können, dass diese Treffen lediglich Einfluss vorgaukeln sollen. Für minimale Verbesserungen – wie eine geringfügige Anpassung der Grünphase einer Ampel – wird dabei Dankbarkeit eingefordert. Gleichzeitig wird ignoriert, dass das gesamte Viertel in einem Verkehrskonzept gefangen ist, das aus den 1980er-Jahren zu stammen scheint.
Ja, Helmut Kohl, der sich auf der Rückbank seines Mercedes W126 in seine Strickjacke kuschelt, durch die Baakenallee cruist und wohlwollend nickt, während er Kupferkabel ordert, könnte in die Szenerie passen.

Wohnen im Baakenhafen: Wunsch und Wirklichkeit
Tatsächlich wäre Wohnen am Baakenhafen gar nicht so schlimm, wäre diese Situation vorher klar gewesen. Doch die Hafencity GmbH wirbt ganz anders für ihr Viertel. Auf ihrer Homepage schreibt das Unternehmen beispielsweise: „Ziel ist es, den Großteil des Mobilitätsbedürfnisses über den öffentlichen Personennahverkehr, das Fahrrad und zu Fuß zu befriedigen. Eine Reduzierung motorisierter Individualverkehre – insbesondere bei privaten PKWs – ist gut für das Klima, verringert Luftschadstoffe, senkt die Lärmbelastung, schafft mehr Platz im öffentlichen Raum und steigert die Aufenthalts- und Wohnqualität in der Stadt.“ Anwohnern der Baakenallee könnten diese Sätze wie Hohn vorkommen.

Geplant sei außerdem eine Car-Sharing-Flotte. „Kombiniert mit E-Bikes und Fahrradnutzung verringert das nicht nur die Kosten der Individualverkehrsmobilität der Haushalte erheblich.“ Zumindest in der Theorie. In der Praxis dürfen die Fahrräder nämlich entweder nur in eine Richtung oder nur an der Elbe fahren. Dass diverse teure Wohnungen leer oder zum Verkauf stehen und eine Vielzahl an Geschäftsflächen ungenutzt sind, scheint da nur logisch.

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