Europäer führten einst chinesisches Kunsthandwerk ein, um sich von dessen Perfektion inspirieren zu lassen. Ein Ausstellungsbesuch im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe.
- Ausstellungsbesuch: „Inspiration China“ Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe.
- Interview mit Kuratorin Wibke Schrape.
- Eine Geschichte für Table.Media.
Chinesisches Porzellan, Lackarbeiten, Seidenstoffe… es sind solche Meisterwerke, für die Europa China einst bewundert hat. Nicht für Batterien, Flugtaxis oder Elektroautos. Das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe (MKG) zeigt in seiner Ausstellung „Inspiration China“, woher diese Bewunderung kommt. Mit Kuratorin Wibke Schrape durfte für Table.Media ein Interview führen und einmal durch die Ausstellung schlendern.
Chinas Kunsthandwerk als Inspiration für Europa
Die Sammlung des MKG geht auf das Jahr 1873 zurück. Anlässlich der Weltausstellung in Wien importierten Unternehmen und Auftraggeber einzelne Stücke, um die heimischen Kunsthandwerker:innen zu inspirieren. Man hatte das Gefühl, die Entwicklung stagniere, während die Künstler:innen aus China mit Perfektion glänzten. „Damals fing man an, gezielt Ostasiatika zu sammeln, um Anregung und Vorbilder zu finden. Es war auch eine Reaktion auf die Industrialisierung, bei der das Gefühl bestand, dass die Gestaltung stagniere und das Kunsthandwerk an Qualität verliere“, erklärt Schrape im Interview. Hier geht es zur vollständigen Geschichte.

Das Museum hat dafür seine Ostasien-Sammlung neu geordnet. Statt einer gemeinsamen Ausstellung sind die Werke jetzt in die Bereiche Japan, Korea, Buddhismus und China sortiert. So fällt Besucher:innen die Einordnung leichter. Und woran erkennen die, dass sie im China-Bereich sind? „Am Eingang beginnen wir tatsächlich mit Stücken, die die Leute sehr stark mit chinesischer Kunst verbinden – dem Blau-Weiß-Porzellan. In der Vitrine haben wir aber auch eine Kanne aus Meißen platziert“, so Schrape.
Wobei hier unterschieden werden muss. Zwischen Exportporzellan, das die Künstler:innen speziell für den europäischen Markt angefertigt haben, und Porzellan aus den kaiserlichen Werkstätten für den Kaiserhof. Letzteres sei in seiner Qualität unvergleichlich, gerät Schrape ins Schwärmen.
„Inspiration China“ will die Besuscher:innen überraschen
Doch das MKG versucht, mit gängigen Klischees zu brechen. „Unser Ziel ist es, die Gestaltung selbst in den Fokus zu rücken, die außergewöhnliche Qualität und der Perfektionismus der Stücke treten da hervor. Vielleicht sind manche von den Kamel-Figuren überrascht. Kamele sind nicht unbedingt die ersten Tiere, die man mit China assoziiert. In der Tang-Dynastie waren sie aber ein wesentlicher Bestandteil der Hofkultur, sie stehen für den florierenden Handel entlang der Seidenstraße“, erklärt Schrape.
Insgesamt musste Schrape für die Ausstellung „Inspiration China“ aus 3.000 Stücken auswählen. Im Zentrum stand dabei auch der Erwerbungskontext. Woher stammen die Stücke und wie sind sie in den Besitz des Museums gelangt? Neben einem möglichen Bezug der Stücke zum Nationalsozialismus ist beispielsweise auch der koloniale Erwerbungskontext wichtig. Zusammen mit sechs anderen deutschen Museen und dem Palastmuseum Peking suchen und recherchieren wir Raubkunst als „Spuren des ‚Boxerkrieges‘ in deutschen Museumssammlungen“, führt Schrape aus.
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Die Geschichten von Table.Media sind hinter einer hohen Paywall – verständlich für ein Fachportal. Doch hier habe ich eine Sammlung von Beiträgen, die durch Content-Kooperationen frei zugänglich sind. Bei den Analysen stehen meist technische Themen rund um die Mobilität im Vordergrund. Etwas das Batterie-Recycling. Wer mehr über Hamburg lesen möchte, kann sich die Hafen-Reportage durchlesen oder einen Rant über die Verkehrsplanung im Baakenhafen.


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