In China gebaute Schiffe sollen in den USA bald horrende Hafengebühren zahlen müssen. Für viele Reedereien wird das zu einem kostspieligen Problem.
- Neue Hafengebühren für Schiffe aus chinesischer Produktion.
- Druck auf Reedereien, Schiffe in Südkorea und Japan zu bestellen.
- Eine Geschichte für Table Media.
Geht es nach Jamieson Greer, US-Handelsbeauftragter, wird es ab April 2025 für chinesische Containerschiffe enorm teuer, amerikanische Häfen anzulaufen. Bis zu 2,5 Millionen Dollar pro Hafenbesuch sollen dann zusätzlich fällig werden. Doch diese Gebühren sind keine Kurzschlussreaktion der Trump-Administration. Sie sind das Ergebnis einer Untersuchung, die unter Präsident Joe Biden im Frühling 2024 auf Druck amerikanischer Gewerkschaften begann. Betroffen wären davon praktisch alle Reedereien. Vor allem Japan und Südkorea könnten profitieren, falls sie überhaupt die Kapazitäten hätten, die entstehende Nachfrage zu bedienen.
Hafengebühren für Schiffe aus chinesischer Produktion
Hafengebühren sind ein komplexes und von extrem vielen Faktoren abhängig, weswegen sie stark variieren. Als Faustregel gilt, dass für ein großes Containerschiff ein mittlerer fünfstelliger Dollar-Betrag fällig wird. Wobei es sich allerdings nur um die Grundkosten handelt. Also etwa der Liegeplatz, Umweltabgaben und Festmachdienste. Jetzt planen die USA hier eine massive Preiserhöhung.
- Für chinesische Reedereien: Bis zu 1,0 Millionen Dollar für jedes Schiff pro Besuch in einem amerikanischen Hafen.
- Für Reedereien, die chinesische Schiffe in der Flotte haben: Kommt das Schiff, das den amerikanischen Hafen anläuft, aus China, wird eine Gebühr von bis zu 1,5 Millionen Dollar fällig. Kommt es nicht aus China, richtet sich die Gebühr nach dem Anteil chinesischer Schiffe in der Flotte. Sind es mehr als 50 Prozent, werden bis zu 1,0 Millionen Dollar fällig. Sind es weniger als 25 Prozent, nur noch bis zu 500.000 Dollar.
- Für bereits bestellte Schiffe: Die US-Regierung analysiert zusätzlich die bestellten Schiffe für die kommenden zwei Jahre. Kommen mehr als 50 Prozent davon aus China, wird eine Zusatzgebühr von 1,0 Millionen Dollar fällig.
Die ganze Geschichte gibt es (hinter einer Paywall) bei Table Media genau hier.
Neue Exportquoten
Wirklich überrascht kann von den Plänen allerdings niemand sein. Bereits Anfang April 2024 hatte die Biden-Administration eine Untersuchung der chinesischen Schiffsindustrie beauftragt. Auslöser war eine Petition diverser amerikanischer Gewerkschaften aus der Stahl- und Maschinenbauindustrie. Sie bezichtigten China, „unangemessene und diskriminierende Handlungen, Strategien und Praktiken“ zu verwenden, um die Schiffsindustrie zu unterstützen. Gleichzeitig forderten sie die Biden-Regierung auf, das zu untersuchen und – sollte die Regierung zum gleichen Schluss kommen – entsprechende Hafengebühren einzuführen. Mit dem eingenommenen Geld solle dann die amerikanische Schiffsindustrie gefördert werden.
Auch dazu steht etwas im Papier des Handelsbeauftragten. Sobald die neuen Gebühren in Kraft sind, gelten auch Exportquoten für den Seeverkehr. Ein Prozent aller amerikanischen Waren, die das Land per Schiff verlassen, muss dann von amerikanischen Schiffen unter amerikanischer Flagge mit amerikanischen Seeleuten exportiert werden. In zwei Jahren sollen es bereits 3 Prozent sein, in 3 Jahren dann 5 Prozent und in 7 Jahren sogar 15 Prozent. Wer genau diese Vorgaben einzuhalten hat, wird nicht gesagt.
Chinas Industrie ist gerade dabei, die Schiffsproduktion umzustellen. Die Branche ist händeringend auf der Suche nach einer Alternative zum Schweröl. Auch der chinesische Automobilbau arbeitet an neuen Antrieben. In der Volksrepublik gilt – zumindest in bestimmten Gebieten – der Wasserstoffantrieb als mögliche Zukunft. Klassische Antriebe gehen häufig in den Export, um Überproduktionen loszuwerden. Russland ist ein beliebtes Ziel chinesischer Hersteller.

