Eine chinesische Familie. Das Ende der Ein-Kind-Politik hat zu Problemen bei Familienunternehmen in China geführt.

Das süße Gift der Familiennachfolge

Das Ende der Ein-Kind-Politik hat chinesischen Gründer:innen mehr Möglichkeiten eröffnet, ihr Unternehmen im Familienbesitz zu halten. Um das zu erreichen, werden teils illegale Mittel eingesetzt und der Firmenerfolg aufs Spiel gesetzt.

  • Ende der Ein-Kind-Politik wird zum Problem für chinesische Familienunternehmen.
  • Der Wunsch, das Unternehmen zu vererben, hat zu irrationalen Entscheidungen geführt.
  • Eine Geschichte für Table Media.

Familienunternehmen machen zwei Drittel des Börsenwertes in Shanghai und Shenzhen aus. Diese Unternehmen bilden seit Jahrzehnten das Fundament des chinesischen Wachstums. Wegen der Ein-Kind-Politik war eine Weitergabe der Firma an die nächste Generation häufig nicht möglich. Doch ausgerechnet die Reform der Ein-Kind-Politik, die mehrere Nachkommen und damit potenzielle Erben ermöglicht, verleitet die Gründer und deren Verwandte zu vermehrtem Wirtschaftsbetrug. Zu diesem Schluss kommt eine Studie von Danni Zhang und Yusen Dong. Die Wissenschaftler haben die Daten von insgesamt 2.726 Familienunternehmen zwischen 2007 und 2022 ausgewertet. Für Table Media habe ich das Problem hier zusammengefasst. An dieser Stelle folgt eine kurze Zusammenfassung.

Familienunternehmen in China

Im Jahr 1979 führte China die Ein-Kind-Politik ein. Der damaligen Regierung ging es vor allem um Ressourcenschonung. Gleichzeitig öffnete sich das Land und es begann eine beispiellose Wachstumsgeschichte. Im Jahr 2014 reformierte die Kommunistische Partei schrittweise und schaffte sie letztlich ab. Seitdem hat sich das Wirtschaften der Familienunternehmen stark verändert. Die deutlichsten Statistiken dazu:

  • Vor 2014 betrug der Anteil der Betrugsfälle bei Familienunternehmen laut der Studie 37,9 Prozent. Danach stieg der Anteil sprunghaft auf 53,1 Prozent an.
  • Der Anteil der Unternehmen, in denen dieselbe Person sowohl Vorsitzender des Vorstands als auch des Aufsichtsrats ist, lag bei chinesischen Familienunternehmen im Jahr 2005 bei gerade einmal 10 Prozent. Bis zum Jahr 2020 stieg er auf 45 Prozent an.

Doch wer Macht konzentriert und Posten eher nach Verwandtschaftsverhältnissen denn nach fachlicher Qualifikation vergibt, riskiert wirtschaftliche Probleme – gerade in einem dynamischen Markt wie dem chinesischen. Um die Folgen abzumildern, griffen die Geschäftsführer teils zu illegalen Mitteln. Danni Zhang und Yusen Dong listen in ihrer Studie insgesamt zwölf Arten von „Security Fraud“ auf. Dazu gehören fiktive Gewinne und Vermögenswerte, Insiderhandel und Veruntreuung. Ziel dieser Vergehen sei es, den Aktienkurs zu stützen, um feindliche Übernahmen zu verhindern und Investoren und Beschäftigte zu beruhigen.

Generationenwechsel in chinesischen Unternehmen

Der plötzliche Anstieg der Betrugsfälle und der Machtkonzentration hat auch etwas mit dem Alter der Unternehmen zu tun. Das spanische Kreditinstitut BancaMarcha rechnet vor, dass chinesische Familienunternehmen im Schnitt nur 20 Jahre alt sind und damit vor ihrem ersten Generationenwechsel stehen. Gerade einmal 23 Prozent aller börsennotierten Familienunternehmen in China befinden sich in der zweiten Generation. Zum Vergleich: In Deutschland befinden sich etwa 50 Prozent bereits in der zweiten oder dritten Generation, rechnet die Stiftung Familienunternehmen vor. Ausführlichere Informationen gibt es im vollständigen Artikel bei Table Media.

Während wir in Deutschland zu wenige Elektroautos auf dem Markt haben, sind es in China – trotz riesigen Marktes – zu viele. Nio, Xpeng, Li Auto, Xiaomi und Leapmotor tragen eine Rabattschlacht um die gehobene Kundschaft aus.punkt-am-ende.work/2025/04/23/n…

Christian Domke Seidel (@domkeseidel.bsky.social) 2025-04-23T08:19:42.763Z

Mehr zum Thema

Chinas Wirtschaft ist natürlich auch für Europa von Bedeutung. So gilt der Markt als Seismograf für Trends in der Automobilwirtschaft. Einer davon sind derzeit Versicherungen für teilautonome Fahrzeuge. Wer übernimmt die Verantwortung, wenn ein System einen Unfall baut? Die Kommunistische Partei versucht, diese Frage gerade zu beantworten. Auch beim Thema Batterierecycling arbeitet China gerade an einem großen Sprung.


,