Mert Bulan hat die App „Franzbrötchen“ herausgebracht. Sie soll Menschen helfen, die Stadt Hamburg zu entdecken, leistet dabei aber so viel mehr. Unsichtbares kommt ins Rampenlicht und Verkanntes zu Ruhm.
- Mit der kostenlosen Franzbrötchen-App Hamburg entdecken.
- Mert Bulan macht Datenschätze sichtbar.
- Fotos von Marcel Stammen.
Mert Bulan ist ein Schatzsucher. Ein Beruf, in dem sich seit den Tagen von Tom Sawyer, Jim Hawkins oder Lara Croft viel geändert hat. Mert geht es nicht um Kisten mit Münzen oder Artefakte, sondern um die Perlen, die über ganz Hamburg verstreut herumliegen. Datenschätze. Etwa die Geschichten und Gesichter hinter den Stolpersteinen. Oder die kostenlosen Fahrradservicestationen mit Luftpumpe. Welche Bäume an den Straßen stehen, in welchen Stadtteilen es tatsächlich regnet und natürlich, wo es die besten Franzbrötchen in Hamburg gibt.
Auf dem Weg von Izmir nach Hamburg
Das Reisen hat Mert zu einem Schatzsucher gemacht. Er stammt aus der Türkei und hatte das große Glück, sein Faible für digitale Innovationen und das Programmieren zu seinem Beruf machen zu können. Noch während er an der Dokuz Eylül Universität in Izmir studierte, begann er, bei Xing in Hamburg zu arbeiten. Das Unternehmen belohnte sein Talent mit einer Stelle, nachdem er als Zweitbester des Jahrgangs mitsamt Ehrenabschluss die Universität verließ.
Wie es in der Techbranche üblich ist, waren Abschluss und Berufseinstieg eine stressige Zeit. Während Merts Karriere Fahrt aufnahm, legte das Coronavirus das öffentliche Leben weitestgehend lahm und digitalisierte es weitestgehend. Einer der großen Profiteure war Shopify. Eine E-Commerce-Software, mit der Seitenbetreiber vergleichsweise unkompliziert ihren eigenen Onlinestore aufziehen können. Als die Rakete abhob, war Mert mit an Bord. Als sie wieder runterkam, musste er sie verlassen. Seitdem arbeitet er als selbstständiger Programmierer – hier geht es zu seiner Homepage.
Captain Franzbrötchen
Wer, wie Mert, den Wohnsitz von einer wunderschönen Millionenstadt in eine andere verlegt, hat die seltene Chance, die Stadt mit unvoreingenommenen Augen neu zu entdecken. Zumindest in der Theorie. In der Praxis machten ihm erst der Arbeitsaufwand und dann das Coronavirus einen Strich durch die Rechnung.

Doch Mert machte es wie Captain America von Marvels Avengers. Als der nach Jahrzehnten eingefroren im Eis in der Moderne erwacht, legt er sich ein Büchlein zu. Jedes Mal, wenn ihm ein Freund oder Kollege einen Film, ein Buch oder ein Musikalbum aus der Zeit empfiehlt, die er verschlafen hat, notiert er sich den Vorschlag und arbeitet ihn dann in seiner Freizeit ab.
Mert hat auch so ein Büchlein. Zunächst wollte er nur wissen, was das für Bäume sind, die vor seinem Büro wachsen. Zum Glück hat die Stadt Hamburg dafür eine Datenbank. Das Problem ist nur, dass es die Daten zwar gibt, sie nur nicht intuitiv zugänglich sind. Das gleiche gilt für Stolpersteine, öffentliche Fahrradreparaturstationen oder Toiletten und und und. Er stolpert über immer mehr interessante Informationen, die zwar grundsätzlich verfügbar, deswegen aber noch lange nicht wirklich zugänglich sind.
Franzbrötchen-App als Sichtbarmacherin
Mit der App Franzbrötchen (derzeit exklusiv für das iPhone im App-Store) hat Mert dieses Problem behoben. Hier finden Interessierte all die Informationen, die sich sonst in den Untiefen des Internets verstecken. Die App taucht nicht nur nach diesen Perlen, sondern teilt sie großzügig und löst damit auch ganz konkrete Probleme. So verwertet die Anwendung beispielsweise die präzisen Wetterinformationen vom Regenradar, statt ungenauer Angaben, die angeblich für die ganze Stadt gelten sollen. Denn jeder Mensch in Hamburg weiß: Regen ist nicht gleich Regen und wenn Regen ist, dann nicht zwingend überall.
Es ist die Art der nützlichen, aber verstreuten Datenschätze, die bei Franzbrötchen übersichtlich gesammelt durchgeswiped werden können. Halteverbote und Spielplätze, Sportkurse und das Kinoprogramm, Wahlergebnisse und Stolpersteine. Dazu gibt es den sogenannten „roten Faden“. Das sind kurze Spaziergänge, mit denen sich Highlights einzelner Bezirke entdecken lassen. Frisch aus Merts Büchlein, dem Captain America Hamburgs.
Wo gibt es das beste Franzbrötchen Hamburgs?
Tatsächlich ist die App zu Merts neuem Büchlein geworden. Wer möchte, kann ihm seine Tipps und Vorschläge schicken. Informationen, die nützlich sind. Verstecke von Datenschätzen oder natürlich den Standort vom besten Franzbrötchen in Hamburg. Eine Diskussion, die in der Hansestadt seit der Erfindung des Gebäcks und bis zum Ende aller Zeit geführt werden wird – mit lauter richtigen Antworten, die in der App einsehbar, bewertbar und erweiterbar sind.
Und noch eine Parallele zur literarischen Vorlage von Captain America gibt es. Mert ist nahbar und unkompliziert. Wer Ideen oder Vorschläge hat, kann sich an ihn wenden. Er verdient mit Franzbrötchen kein Geld, er entdeckt damit die Stadt und lädt alle ein, sich an dieser Schatzsuche zu beteiligen.
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