Über eine Billion Euro setzten die Automobilzulieferer weltweit um. Ein Rekord. Doch die Branche wandelt sich gerade und nicht alle Firmen werden das überleben.
- E-Auto-Markt setzt deutsche Zulieferer unter Druck.
- Verbrenner bleiben großer Markt.
- Eine Geschichte für Table.Media.
Nicole Hoffmeister-Kraut ist CDU-Politikerin und Wirtschaftsministerin von Baden-Württemberg. Ein Bundesland, das wie kaum ein anderes von der deutschen Automobilindustrie profitiert. In einem Interview mit Table.Media sagte sie: „Die starke Anbindung an China lässt sich auch als Vorteil sehen. Die Zulieferbranche aus Baden-Württemberg ist in die chinesischen Netzwerke eingebunden und spielt damit weiterhin ganz vorne mit.“ Damit verkürzt sie die Situation derart stark, dass es unseriös anmutet. Denn tatsächlich bringt der Aufschwung der chinesischen Automobilindustrie massive Herausforderungen für die deutschen Hersteller mit sich. Herausforderungen, die längst nicht alle überwinden werden können.
Zulieferindustrie im Wandel
In Deutschland gibt es etwa 900 Zulieferer, die insgesamt 300.000 Menschen beschäftigen. Die großen Player sind Bosch, ZF, Continental und Schäffler (die gerade Vitesco übernehmen). Sie alle haben große Pläne, wenn es um den chinesischen Markt geht, wo sie bis zum Jahr 2030 deutlich Marktanteile gewinnen wollen. Auch und vor allem im Bereich der Elektromobilität. Die ganze Geschichte dazu gibt es hier.
Doch E-Autobauer haben andere Ansprüche an ihre Zulieferer. „Überlebensfähig sind die Zulieferer, die Systempartnerschaften mit OEMs eingehen, gemeinsam komplette Systeme entwickeln und es in jeder Region der Welt in die Produktionslinien der OEM integrieren können“, analysiert Andreas Glunz. Er ist Bereichsvorstand International Business bei der Beratungsagentur KPMG. Diese Strategie erfordert aber Milliardeninvestitionen. Die großen Marktführer haben das Geld, um hier in Forschung und Entwicklung zu investieren. Kleinere dürften mittelfristig auf der Strecke bleiben, sollte der Trend zum Elektroauto so weitergehen wie bisher.
Laut Glunz ist das aber noch keine ausgemachte Sache. „Die Frage ist, inwiefern der Verbrennungsmotor tatsächlich ein Auslaufmodell ist und wie lange der Wechsel zum E-Auto dauert. Sollte es gelingen durch Technologie-Offenheit eine Alternative zu finden, wie beispielsweise Biofuels, könnte es eine aus Sicht deutscher Zulieferer zu begrüßende Renaissance des Verbrenners geben.“ Die Zahlen sind deutlich. Im Jahr 2022 wurden rund 81,6 Millionen Kraftfahrzeuge verkauft, davon waren etwa 10,8 Millionen rein batteriegetrieben. Es gibt also noch einen sehr großen Markt für diese Zulieferer.
China: Risikoreicher Markt
Bei ihrer Analyse verschweigt Hoffmeister-Kraut auch, dass die wirtschaftlichen Vorteile eines Engagements der deutschen Industrie in China längst nicht unumstritten sind. Enormen Risiken – von geopolitischen Unsicherheiten bis zum Knowhow-Abfluss – stehen eher geringen Erfolgsaussichten gegenüber. Das zeigt auch eine Studie des China-Forschungsinstituts Merics. Die Experten betonen, dass Regierung und Hersteller zwar das gleiche Ziel haben: den langfristigen Erfolg deutscher Autohersteller. Doch dass dies mit höheren Investitionen in China zu erreichen sei, sei keine ausgemachte Sache. Und das liegt an der Transformation der Mobilität.
Schon auf der IAA wurde deutlich, dass sich die deutschen Hersteller eine neue Strategie überlegen müssen, wollen sie global nicht deutlich zurückfallen. Zu den enormen Risiken zählt auch die Zwangsarbeit. Wer in China oder mit chinesischen Zulieferern Autos baut, hat höchstwahrscheinlich Teile oder Materialien verbaut, die unter Zwangsarbeit entstanden.


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