Pornos gehört zu unserer Kultur. Darüber spricht aber kaum jemand. Außer, es geht um Skandale. Madita Oeming, Pornowissenschaftlerin, will das ändern.
- Madita Oeming im Interview für Sonicboom.
- Über die Herausforderungen, das Thema Porno zu kommunizieren.
- Endlich mehr Wissenschaft zum Thema Porno.
Pornografie ist weitverbreitet. Die meisten Menschen haben dazu eine Meinung und konsumieren sie auf die ein oder andere Weise. Darüber sprechen möchte aber niemand. Und wenn doch, dann nur in einem skandalisierten Kontext. Dabei steckt im Thema Porno so viel mehr. Denn Pornos sind in unserer Kultur tief verankert. Es geht dabei um Fragen des Feminismus, die Rolle des Mediums in und für die queere Szene und natürlich um körperliche Themen.
Das Thema zu kommunizieren, ist jedoch nicht so leicht. Denn allein schon bei dem Wort ‚Porno‘ schrillen bei diversen Algorithmen und KIs alle Alarmglocken. Verschämt wenden sie Ihre digitalen Augen ab und belegen Wissenschaftler:innen und Geschäftsleute mit Shadow Bans. Doch über das Thema zu sprechen ist der erste Schritt, um endlich ergebnisoffen – vielleicht sogar positiv – an Pornos heranzugehen. Genau das möchte Madita Oeming machen Mit der Pornowissenschaftlerin habe ich für Sonicboom über digitale Kommunikation gesprochen.
Interview mit Madita Oeming
Im Interview fasst sie das Problem so zusammen: „Es gibt eine große Diskrepanz zwischen der Verbreitung von Pornografie und der Häufigkeit, mit der darüber gesprochen wird. Pornos kommen in Gesprächen oft vor, meist aber nur in einem sensationslustigen Modus – wenn es darum geht, welcher Promi einen gedreht hat. Oder in einem alarmistischen Ton, weil angeblich schon Kinder Pornos schauen. Ein differenzierter Diskurs über Pornos als Unterhaltungsmedium und kulturelle Praxis existiert nicht. Das ist sowohl Hindernis als auch Motor meiner Arbeit. Das motiviert mich natürlich enorm.“
Tatsächlich hat Oeming auch gerade ein neues Buch veröffentlicht. Im Rowohlt-Verlag ist gerade ‚Porno‘ erschienen. Der Titel dürfte das Marketing des Verlags zur Verzweiflung treiben. Die üblichen Werbemaßnahmen dürften jedenfalls an der Über-Sittsamkeit Sozialer Medien und dem Internet im Allgemeinen scheitern. Lesen lohnt sich natürlich trotzdem. Es geht darum zu erfahren, was Pornos mit uns machen, wo die Scham herkommt und warum es bei diesem Thema scheinbar nur Extremmeinungen gibt.

„Die vermeintlichen Auswirkungen, die negativ sind, sind laut und sichtbar. Ich versuche, das Gegengewicht darzustellen und stelle die anderen Aspekte in den Vordergrund. Die Frage ist immer nur, wie schädlich Pornos sind. Nicht, was Pornos mit uns machen. Das ist kein ergebnisoffener Diskurs.“ Wie genau das aussehen könnte, erklärt Oeming auch. „Eine positive Fragestellung könnte sein, welche Nutzungspotenziale Pornos haben. Oder welche positiven Erfahrungen Menschen damit machen. Ein wichtiger Teil ist auch, welche Rolle Pornos für queere Menschen spielen. Dort ist es ein wichtiger Teil der Identitätsarbeit und des Lernens über Sexualität, die sonst ausgeklammert wird. Oder zu fragen, wie können Pornos als Ventil dienen? In einer Beziehung könnten so zum Beispiel bestimmte Vorlieben ausgelebt werden, die nicht in der gelebten Sexualität verwirklicht werden können. Es gäbe da viele Ansätze.“
Verpöhnter Porno
Doch der Boden dafür muss erst noch bereitet werden. Denn aktuell hängen viele der gefühlten Wahrheit an, dass Pornos ein gesellschaftliches Problem sind. Gerne wird dabei die Jugend als Argument vorgeschoben. Dabei gibt es ausgerechnet hier keinen Grund zur Sorge. „Jugendliche haben immer später Sex und meist in festen Beziehungen, sie verhüten ziemlich zuverlässig und haben meist nur wenige Sexualpartner:innen bis zum vollendeten 19. Lebensjahr.
Da zeichnet sich keine sexuell verwahrloste Jugend ab“, erklärt Oeming. Die Angst vor Pornografie sei irrational. Sonicboom konzentriert sich als Beratungsunternehmen auf digitale Kommunikation. In der Interviewreihe „Space“ spreche ich mit Expert:innen auf diesem Gebiet über dieses Thema. Neben Madita Oeming habe ich unter anderem schon mit Julia Fodor und Katharina Hingsammer gesprochen. Die beiden waren die ersten Influencer:innen Österreichs.
Digitale Kommunikation
Mit dem Thema Digitale Kommunikation tun sich Menschen mit anderen Themen natürlich leichter. Das soll deren Leistung natürlich nicht schmälern. Siniša Vidović hat es beispielsweise geschafft, eine virale Videokampagne über Linz kreieren. Dieter Huber beschäftigt sich derweil mit Künstlicher Intelligenz – aber aus künstlerischer Perspektive. „Künstlerische Intelligenz“, wenn man so möchte.


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