Die hohen Umweltauflagen in China zwingen die Hersteller zu teils kuriosen Lösungen. Wie diesen dreifachen Hybridantrieb von FAW.
- FAW entwickelt Motor, der drei Kraftstoffe verwendet.
- Wasserstoff, Benzin und Elektroantrieb in einem.
- Eine Geschichte für Table.Media.
Der chinesische Autobauer FAW hat ein Antriebssystem entwickelt, das mit Wasserstoff, Benzin und Strom auf gleich drei Ressourcen setzt. Es ist ein Zeichen dafür, dass die Hersteller von Verbrennungsmotoren auch in der Volksrepublik zunehmend unter Druck geraten, um die strengen staatlichen Auflagen zu erfüllen.
Die dreifache Hybridlösung von FAW
Beim Wiener Motorensymposium 2024 hat der chinesische Hersteller FAW einen Motor präsentiert, der sowohl Benzin als auch Wasserstoff verbrennen kann und mit einem Elektrosystem kombinierbar ist. Die Kunden bräuchten dann zwei verschiedenen Tankstellen und eine Lademöglichkeit, was Zweifel an der Praxistauglichkeit lässt. Doch kann die Entwicklung auch als Nebenprodukt aus Forschung an diversen Antrieben gesehen werden – vom Auto über den Lkw bis zum Schiff.
Zum einen. Zum anderen zeigt es auch, unter welchem Druck die chinesischen Hersteller stehen, um die staatlichen Auflagen zu erfüllen. Neuwagen dürfen ab dem Jahr 2026 nur noch 4,6 Liter auf hundert Kilometer verbrauchen. Ab dem Jahr 2030 sogar nur noch 3,7 Liter. Sogar Hybridfahrzeuge scheitern an dieser Herausforderung. Zumal auch in der Volksrepublik SUV immer beliebter werden.
Wasserstoff als Vorkammerbrennstoff
FAW möchte mit der Verwendung von Wasserstoff das Problem unbefriedigender Wirkungsgrade lösen. Denn der Wasserstoff soll in erster Linie als Brennstoff in einer aktiven Vorkammer eingesetzt werden. Wie das genau funktionieren soll, erkläre ich in der Langversion der Geschichte bei Table.Media (hinter Paywall). Am Ende führt es dazu, dass der Motor vorwiegend bei niedrigen Temperaturen zuverlässiger startet und weniger CO₂ ausstößt.
Das System könnte Hybridantriebe so weit optimieren, dass sie auch nach der Verschärfung der Richtwerte noch eine Alternative sein könnten.
Das liegt auch daran, dass sich die Betrachtungsweise von Emissionen in der Auto- und Zulieferbranche gerade dreht. Die Industrie bevorzugt den Blick auf den gesamten Lebenszyklus eines Automobils. Die Unternehmen rechnen also auch die Produktion und die CO₂-Belastung der Stromerzeugung mit ein. Aufgrund des hohen Anteils an Kohlestrom und der energieintensiven Batterieproduktion schneiden bei dieser Art der Betrachtung in China reine Batteriefahrzeuge aktuell schlechter ab als Hybridfahrzeuge. Laut FAW ändert sich das erst im Jahr 2045 mit ausreichend erneuerbaren Energien im Strommix.
Mobilität in China
China ist generell gerade dabei, seine Mobilität auf den Kopf zu stellen. Trotz gigantischer Investitionen in die Infrastruktur, die notwendig wären, setzt das Land beispielsweise zunehmend auf Wasserstoff. Auch in anderen Bereichen sind die Erwartungen und die Ambitionen groß. Der chinesische Autobauer Geely ist beispielsweise der erste Autobauer mit eigenem Satellitennetz. Und nicht nur der Autoverkehr soll sich wandeln. Auch bei der Schifffahrt möchte China bei der Wende vorn mit dabei sein; selbst Flugtaxis spielen eine nicht unbedeutende Rolle.


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