Die Rufe nach einer Arbeitszeitverkürzung werden immer lauter. Immer mehr Praxisbeispiele zeigen, dass eine Umsetzung in den verschiedensten Branchen funktioniert. Zum Beispiel auf dem Bau.
- 4-Tage-Woche ist auch in der Bauwirtschaft praktikabel.
- 150 Beschäftigte bei Elektroinstallateur Kagerer mit deutlicher Arbeitszeitverkürzung.
- Eine Geschichte für Arbeit&Wirtschaft.
Immer mehr Betriebe führen eine 4-Tage-Woche – oder eine entsprechende Arbeitszeitverkürzung – ein. Im Jahr 2022 hat das auch der Elektroinstallateur Kagerer mit Hauptsitz in Pasching gemacht. 150 Beschäftigte müssen seitdem nur noch 36 Stunden pro Woche verteilt auf vier Tage arbeiten. Die Arbeiterkammer (AK) hat die Umstellung begleitet und nun evaluiert, welche Änderungen sich in der Praxis ergeben haben. Das Ergebnis: Eine 4-Tage-Woche funktioniert auch in der Bauwirtschaft. Mehr dazu in der vollständigen Geschichte bei Arbeit&Wirtschaft.
4-Tage-Woche in der Bauwirtschaft
Die 4-Tage-Woche umzusetzen war kein einfaches Unterfangen, erzählt Geschäftsführer Christian Ebner. Stein des Anstoßes für die Arbeitszeitverkürzung war, dass zwei langjährige Mitarbeiter um eine Reduzierung der Stunden gebeten hatten. Es sollten individuelle Lösungen sein. Der eine wollte aus gesundheitlichen Gründen weniger arbeiten, der andere, um mehr Zeit für sein Engagement bei der örtlichen Feuerwehr zu haben. Ebner überlegt, ob es nicht möglich sei, für den ganzen Betrieb eine entsprechende Lösung zu finden.
Die traurige Antwort: Nein. Oder zumindest nur mit Umwegen. Ein Anwalt für Arbeitsrecht musste dabei unterstützend eingreifen. Alle Beschäftigten eine Einzelvereinbarung. Zusätzlich gibt es eine mit dem Betriebsrat. Auf dem Papier haben alle Angestellten aber immer noch eine 38,5-Stunden-Woche, arbeiten aber nur noch 36 Stunden. Genau genommen haben sie eine zusätzliche Pause von 2,5 Stunden.
Hintergrund ist, dass es Arbeitgeber:innen in Österreich an der Freiheit mangelt, die Arbeitszeit in ihrem Unternehmen entsprechend anzupassen. Das ist auch der Grund, warum AK-Präsidentin Renate Anderl von Arbeitsminister Martin Kocher ein Politprojekt fordert. Es benötige einen einheitlichen Rechtsrahmen. „Die neue Bundesregierung muss dann die neue, kürzere Vollzeit ganz oben auf ihre Agenda setzen. Zu den Pilotprojekten gibt es positive Beispiele aus Großbritannien, Island und Irland. Deutschland, Spanien und noch viele andere Länder haben ebenfalls damit gestartet“, so Anderl.
Auswirkungen der 4-Tage-Woche
Welche Effekte eine 4-Tage-Woche hat, ist bereits bekannt. Auch beim Elektroinstallateur Kagerer waren die Auswirkungen deutlich:
- 89 Prozent der Beschäftigten sagen, dass sie jetzt Beruf und Familie besser vereinbaren können.
- 54 Prozent sagen, dass es ihnen gesundheitlich besser geht.
- 68 Prozent sind mit ihrer Arbeit insgesamt zufriedener.
Ebner hatte sich erhofft, als Arbeitgeber attraktiver zu werden. Gerade in seiner Branche sei es schwer, Fachkräfte zu bekommen. Zwar sei die Fluktuation seit Einführung der 4-Tage-Woche gesunken, aber die Zahl der Bewerbungen sei bislang nicht im erwarteten Ausmaß gestiegen. Habe das Unternehmen früher zwanzig Bewerbungen pro offener Stelle bekommen, seien es jetzt noch fünf oder sechs – immerhin mehr als bei vielen Mitbewerber:innen. Allerdings habe sich die 4-Tage-Woche beim Elektroinstallateur Kagerer auch bisher nicht in der Breite herumgesprochen.
Standort Österreich
Wie wichtig ein Vorteil wie eine Arbeitszeitverkürzung sein kann, zeigt auch die Standortpolitik in Österreich. Gerade im sozialen/gesellschaftlichen Bereich gibt es Aufholbedarf. Mit einer rigiden Sparpolitik lässt sich jedoch keine Lücke schließen. Die Kürzung des AMS-Budgets dürfte wenig helfen. Schon die Zurückhaltung der Regierung während der Teuerungskrise hat zu massiven Veränderungen im Alltag geführt.


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