Vom Lohner-Porsche zur Hightech-Serienreife: DeepDrive, BMW und Continental holen den Radnabenmotor aus der Versenkung. Die Technologie verspricht enorme Effizienzsprünge und könnte zum entscheidenden Joker im E-Mobility-Wettlauf gegen China werden. Wir werfen einen Blick auf die aktuellen Praxistests und das revolutionäre Potenzial für die deutsche Automobilindustrie.
- Radnabenmotor könnte Comeback feiern.
- DeepDrive, Continental und BMW mit Praxistests.
- Eine Geschichte für Table.Media.
Geht es nach Felix Pörnbacher, dem Mitgründer und Geschäftsführer von DeepDrive, dann will das Unternehmen mit seinem neuen Radnabenmotor nichts weniger, als die „Elektrifizierung von Fahrzeugen zu revolutionieren“. Zuversicht ist auf jeden Fall angebracht. Denn einige der größten Nachteile der Technologie hat das Start-up in den Griff bekommen. Mit dieser Technologie könnten deutsche Unternehmen im Bereich der Elektromobilität wieder aufholen. BMW und Continental glauben daran, wie ich auch in der vollständigen Geschichte darlege (Paywall)
Renaissance des Radnabenmotors
Radnabenmotoren sind grundsätzlich keine neue Technologie. Auf der Pariser Weltausstellung im Jahr 1900 stand bereits der „Lohner Porsche“. Weil an jedem Rad ein Elektromotor anlag, handelt es sich dabei sogar um den ersten Pkw mit Allradantrieb. Doch die Technologie hat sich aus einer Vielzahl an Gründen nie durchgesetzt. Zu den größten gehört erstens, dass Radnabenmotoren vor den Federn und Dämpfern des Autos liegen. Das erhöht die ungefederte Masse und macht die Autos unkomfortabel. Zweitens sind die Motoren hohen Belastungen, Feuchtigkeit, Temperatur, Schmutz und Feuchtigkeit ausgesetzt.
Bei Straßenbahnen, diversen Industriefahrzeugen, Fahrrädern oder Elektrobussen konnten diese Probleme allerdings gelöst werden. Für Elektroautos könnte dieser Entwicklungsschritt, wie Pörnbacher schon sagte, tatsächlich revolutionär sein. Denn die Hersteller würden dadurch enorm an Flexibilität gewinnen. Liegen die Motoren an den Rädern, kann der gewonnene Platz für Komfort, Batterien oder Stauraum genutzt werden. Zusätzlich gelten Radnabenmotoren als besonders effizient, da die Lage Energieverluste minimiert.
China als entscheidender Markt
Entscheidend für den Erfolg des Radnabenmotors ist der Automarkt in China. Deutsche Hersteller verlieren hier zunehmend Marktanteile aufgrund des Elektroautobooms. Radnabenmotoren könnten helfen, das Rennen um Marktanteile wieder ausgeglichener zu gestalten. Vorausgesetzt, die Konzerne setzen früh genug auf diese Technik.
Im Gespräch, das ich für Table.Briefing geführt habe, gab ein Unternehmenssprecher von BMW an, dass DeepDrive gemeinsam mit Continental an einer Großserie arbeite. Unter den Interessenten sollen auch chinesische Hersteller sein. Die arbeiten zwar ebenfalls am Radnabenmotoren, große Durchbrüche – wie jetzt von DeepDrive – lassen aber noch auf sich warten.
So aktiv BMW den Radnabenmotor auch bewirbt und sich an der Erforschung und Praxistests beteiligt: DeepDrive ist immer noch ein eigenständiges Unternehmen. „Die Zusammenarbeit mit BMW war für uns ein ganz frühes Sprungbrett. Das hat uns geholfen, uns in der komplexen Konzernwelt zurechtzufinden und die hohen Standards der Automobilindustrie zu erfüllen und zu übertreffen. Jetzt ist es unser nächstes Ziel, dass wir es in ein Serienmodell schaffen“, führt Pörnbacher dazu in einer Mitteilung aus.
Mobilität in China
Tatsächlich bauen chinesische Zulieferer und Automarken ihre führende Rolle in der Elektromobilität kontinuierlich aus. Bis zum Jahr 2030 könnte sich CATL sogar zum weltweit größten Zulieferer der Branche aufschwingen und damit Bosch vom Thron stoßen. Doch in China laufen die Planungen zur Mobilität der Zukunft mehrgleisig. So ist die Wasserstoff-Industrie seit dem 15. Fünfjahresplan eine zentrale Technologie für die Dekarbonisierung der Industrie und des Verkehrs. Wie erfolgreich China mit seiner pragmatischen Wirtschaftspolitik ist, zeigt ein detaillierter Blick in die Außenhandelsbilanz zwischen Deutschland und China.


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