In Österreich läuft die aktuelle Herbstlohnrunde gerade warm und der VW-Konzern hat einen heftigen Tarifstreit angezettelt. Ein Überblick.
- In Österreich starten die Kollektivvertragsverhandlungen.
- IG Metall kämpft bei VW um abertausende Jobs.
- Beiträge für Arbeit&Wirtschaft.
In Österreich ist das Jahresende traditionell eine anstrengende wie spannende Zeit für die Gewerkschaften. Denn dann beginnt die sogenannte Herbstlohnrunde, in der die Sozialpartner Kollektivverträge ausverhandeln. Doch auch der IG Metall in Deutschland steht ein heißer Herbst bevor, nachdem Volkswagen den Tarifvertrag gekündigt und Werksschließungen androht.
Tarifverhandlungen in Deutschland und Österreich
Das Jahr 2023 stand ganz im Zeichen einer enormen Inflation. Entsprechend hoch vielen (zumindest in Österreich) die Tarifabschlüsse aus. Die Metaller:innen konnten sogar einen Abschluss für zwei Jahre erreichen und beteiligen sich deswegen nicht an der Herbstlohnrunde 2024. Die richtungsweisenden KV-Verhandlungen finden deswegen im Handel und in der Sozialwirtschaft statt.
Während im Handel die ersten Verhandlungen noch ausstehen, haben in der Sozialwirtschaft die Vertreter:innen von Arbeitgeber:innen und Arbeitnehmer:innen ihre Positionen bereits ausgetauscht. Auch wenn die erste Verhandlungsrunde erwartungsgemäß ergebnislos zu Ende ging. Zentrale Forderung ist ein Lohnplus von 6,1 Prozent. Hintergrund ist, dass in den Berufen der sozialen Daseinsvorsorge der Stundenlohn mit rund 17 Euro (Betreuung) und 18 Euro (Pflege) deutlich unter dem Durchschnitt der Gesamtwirtschaft (um die 20 Euro) liegt.
Aufzuholen ist für die Zukunft der Branche entscheidend. Laut der „Pflegepersonal-Bedarfsprognose für Österreich“ vom Sozialministerium benötigt Österreich bis zum Jahr 2030 über 75.000 neue Pflegekräfte. Die werden aber nur kommen, wenn die Berufe ausreichend attraktiv sind. Neben einer Erhöhung der Löhne pochen die Gewerkschaften vida und GPA deswegen auch auf eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen: Eine Verkürzung der Normalarbeitszeit auf 35 Stunden pro Woche bei vollem Lohnausgleich, eine zusätzliche Urlaubswoche, eine bessere Planbarkeit der Arbeitszeiten sowie eine Erhöhung der Zuschläge.
IG Metall gegen die Krise bei Volkswagen
Doch nicht nur in Österreich läuft die Gewerkschaftsarbeit derzeit auf Hochtouren. In Deutschland hat Volkswagen den Tarifvertrag gekündigt. Darin hatten die Arbeitnehmer:innen auf bestimmte Bonuszahlungen wie Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichtet, bekamen aber im Gegenzug das Versprechen, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen geben würde. Für die ist jetzt allerdings der Weg frei.
Die IG Metall stemmt sich dagegen. Sie fordert sogar ein Lohnplus von 7 Prozent. „Es braucht Entgelterhöhungen, und zwar kräftige. Denn nur durch eine Kaufkraftstärkung gewinnt die Gesamtkonjunktur wieder an Fahrt. Es hilft Volkswagen, wenn Menschen wieder mehr Geld haben, um entsprechend auch ihre Produkte zu kaufen“, sagt Thorsten Gröger, Verhandlungsführer der IG Metall, im Interview mit Arbeit&Wirtschaft.
Volkswagen zeichnet jedoch ein dramatischeres Bild von der aktuellen Situation. Nachdem das Unternehmen vor wenigen Monaten noch 4,5 Milliarden Euro Dividende ausgezahlt hat, möchte es jetzt ein Sparprogramm in Höhe von 4 Milliarden Euro umsetzen. Mindestens drei Werke sollen geschlossen werden, zehntausende Arbeitsplätze stünden auf der Kippe sagt Daniela Cavallo, die Konzernbetriebsratschefin.
KV-Verhandlungen
Die Herbstlohnrunde ist für viele Menschen die wichtigste Maßnahme, um mit den Folgen der Inflation klarzukommen. Das war vor allem im vergangenen Jahr so. Außerdem helfen Sie, Arbeitsplätze moderner und attraktiver zu machen. Ohne die Hilfe von Gewerkschaften wäre die 4-Tage-Woche noch immer nur ein Wunschtraum – dabei ist sie in viele Branchen und Betrieben bereits gelebter Arbeitsalltag. Die Krise bei Volkswagen hat indes auch viel mit der Konkurrenz aus China zu tun, die einfach früher und konsequenter auf Elektromobilität gesetzt haben – hier gibt es ein paar Geschichten zu dieser Entwicklung (ganz ohne Paywall), die sich mit dem Thema beschäftigen.


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