Recycling-Welle 2030: Was die europäische Industrie von Chinas Batterie-Strategie lernen muss

Während Europa beim Batterie-Recycling noch in den Kinderschuhen steckt, rollt in China bereits eine gewaltige Verwertungswelle an. Allein der Branchenriese CATL recycelt heute mehr als alle europäischen Werke zusammen. Mit strikten Quoten und einem lückenlosen Rückverfolgungssystem sichert sich Peking den Zugriff auf kritische Rohstoffe wie Lithium und Kobalt.

  • China steht vor einem Berg Lithium-Akkus, die ins Recycling müssen.
  • Wertvolle Rohstoffe machen Recycling zu einem lohnenden Geschäft.
  • Eine Geschichte für Table.Media.

Batterie-Recycling steht und fällt mit der Elektromobilität. Das liegt zum einen an den enormen Mengen verbauter Rohstoffe und zum anderen an der Planbarkeit. Denn die Zahl der verkauften Akkus und ihre Lebenserwartung sind klar. Durch das rasante Wachstum der E-Mobilität in China steht das Land nun vor der großen Recyclingwelle (und auch in Deutschland warten wir auf den Batterieschrott). Waren es im Jahr 2021 noch 294 Kilotonnen, die recycelt werden mussten, werden es im Jahr 2030 etwa 3.000 Kilotonnen sein, wie das China Automotive Technology and Research Center vorrechnet. Von den Erfahrungen, die China macht, muss Europa lernen.

Chinas Batterie-Recycling

„Der große Treiber des Recyclings ist die Elektromobilität. Weil man hier weiß, dass die Nachfrage steil nach oben gehen wird. Und das sind dann enorme Mengen, die auf uns zukommen. Mit vielen kritischen Rohstoffen, die wichtig sind für die Industrie“, erklärt Doktor Thomas Schmaltz im Interview. Er ist Leiter des Geschäftsfelds Industrielle Technologien am Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI. Die ganze Geschichte gibt es hier zu lesen (Paywall).

Doch weil es eben an dieser Elektromobilität fehlt, entwickelt sich auch das nachgelagerte Recycling eher langsam. In diesem Jahr werden in Europa etwa 50 Kilotonnen Altbatterien recycelt. Im Jahr 2030 sollen es etwa 420 Kilotonnen sein. Zum Vergleich: Allein CATL hat im Jahr 2023 rund 100 Kilotonnen recycelt. Also doppelt so viel wie ganz Europa. Nach Angaben des China Automotive Technology and Research Center werde der Recyclingmarkt in China im Jahr 2030 etwa 17 Milliarden Euro groß sein.

Recycling in China: Vorgaben und Gesetze

Eine entscheidende Rolle für die Recyclingquote spielen die politischen Vorgaben. In China sind Automobilhersteller seit 2018 verpflichtet, ein Rückverfolgungssystem zu implementieren. Dieses System stellt sicher, dass die Nutzung der Batterien nachvollzogen und ihr Recycling gewährleistet werden kann. Nach ihrer Verwendung im Fahrzeug werden viele Batterien zunächst einer sogenannten „2nd-life-Nutzung“ zugeführt, beispielsweise in Gabelstaplern oder als stationäre Energiespeicher. Erst im Anschluss daran erfolgt der eigentliche Recyclingprozess.

Die Kommunistische Partei Chinas hat hohe Recyclingquoten festgelegt, um international eine führende Position einzunehmen. Laut dem wissenschaftlichen Dienst des Deutschen Bundestages soll die Rückgewinnungsrate für Nickel, Kobalt und Mangan mindestens 98 Prozent und für Lithium mindestens 85 Prozent betragen. Zeng Yuqun zufolge übertrifft CATL diese Werte deutlich. Das Unternehmen erzielt bei Lithium eine Rückgewinnungsrate von 91 Prozent und bei Nickel, Kobalt und Mangan sogar von 99,6 Prozent.

Chinesische Hersteller könnten sich 11 Prozent am Nutzfahrzeug-Markt sichern. Auf der IAA Transportation zeigen BYD, King Long, Windrose und JAC, wie sie das schaffen wollen. Für @table.media habe ich es zusammengefasstKurz:punkt-am-ende.work/2024/09/22/c…Komplett:table.media/china/analys…

Christian Domke Seidel (@domkeseidel.bsky.social) 2024-09-23T12:12:22.583Z

Mehr zum Thema

In meinem Blog habe ich mich bereits mit dem Thema auseinandergesetzt. Etwa mit dem EU-Batteriepass. Etwa bei der Analyse zu den größten Zulieferern der Automobilindustrie. CATL könnte hier bald den Spitzenplatz einnehmen. Und auch die nächste Industrie steht schon in den Startlöchern. China möchte in der Wasserstofftechnologie führend sein. Die gute Nachricht ist, dass die deutsche Industrie hier in zentralen Technologien im Bereich Ammoniak führend ist. Wichtig ist, den Vorsprung zu halten. Denn Chinas pragmatische Wirtschaftspolitik kann sehr erfolgreich sein, wie die E-Auto-Strategie gezeigt hat.

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