In China bereiten sich große Hersteller auf einen Boom der Wasserstofftechnologie vor. Dafür gibt es Gründe – doch es ist eine Wette mit unsicherem Ausgang.
- Chinesische Hersteller treiben Wasserstoff-Forschung voran.
- Wasserstoffautos ohne Brennstoffzelle.
- Eine Geschichte für Table Media.
Chinesische Hersteller haben in den vergangenen Monaten enorme Fortschritte bei der Entwicklung von Wasserstoffmotoren gemacht. Sie gehen davon aus, dass trotz des E-Auto-Siegeszugs ein Boom bei der Wasserstofftechnologie bevorsteht. Kein Wunder. China ist der weltweit größte Produzent von Wasserstoff und baut die Kapazitäten enorm aus. Der „Entwicklungsplan für die Wasserstoffwirtschaft 2021 bis 2035“ sieht einen Ausbau vorrangig im Norden des Landes vor.
Chinesische Hersteller setzen auf Wasserstoff
Jeder große chinesische Automobilhersteller hat mittlerweile ein fertig entwickeltes Wasserstoff-Aggregat in der Schublade, wie in der Geschichte bei Table Media ausführlich nachgelesen werden kann. Das liegt auch daran, dass herkömmliche Verbrenner vergleichsweise leicht an Wasserstoff angepasst werden können, was eine Massenproduktion möglich macht. Dongfeng Motor, FAW-Hongqi, Geely, Guangzhou Automobile, BAIC und Great Wall Motor haben Motoren entwickelt, die zwischen 1,5- und 2,0-Liter Hubraum haben – also für Pkw geeignet sind.
Die Euphorie liegt auch an den Aussagen von Wan Gang im Rahmen der IAA 2023. Er war Minister für Wissenschaft und Technologie von 2007 bis 2018 und gilt als „Vater des E-Autos“ in China. Er betonte, dass die Wasserstoff-Mobilität vor allem im Nordwesten des Landes eine Rolle spielen würden. Hier seien die Entfernungen zwischen den Städten lang und Elektroautos kaum verbreitet. Da es die Kommunistische Partei mit ihren CO₂-Plänen ernst meint (Höchststand im Jahr 2030; Klimaneutralität im Jahr 2060), muss sie auch für diese Region eine klimaneutrale Lösung finden.
Entsprechend haben sich auch die Hersteller vorbereitet. Die bisher vorgestellten Motoren haben einen Bruttothermowirkungsgrad (BTE) zwischen 42 Prozent (Great Wall) und 46 Prozent (Geely). Das ist für Wasserstoffmotoren vergleichsweise viel. Bisher kalkulierte man mit Richtwerten zwischen 30 und 40 Prozent.
Euphorie zum Trotz: Herausforderungen beim Wasserstoff
Doch so euphorisch Politik und Autoindustrie sind, gibt es immer noch einige ungelöste Probleme. Herstellung, Lagerung und Transport von Wasserstoff müssten erheblich ausgebaut werden, um für den Individualverkehr nutzbar zu sein. Das wird teuer. Vor allem, da es wegen der Benzin- und E-Autos bereits zwei bestehende Infrastrukturen gibt.
Dazu kommt, dass Wasserstoff im Rahmen der Mobilitätswende nur dann Sinn ergibt, wenn er grün produziert ist. Noch ist der allerdings viermal so teuer wie grauer Wasserstoff. Erwähnenswert ist jedoch, dass – über den gesamten Lebenszyklus betrachtet (Produktion, 15 Jahre Nutzung, 225.000 Kilometer) – selbst ein Wasserstoffauto, das mit grauem Wasserstoff betrieben wird, immer noch rund 40 Prozent weniger Treibhausgase ausstößt als ein klassischer Verbrenner.
Chinas Innovationen
Doch in China tut sich derzeit noch mehr. Im April 2024 lieferten Hersteller die ersten Flugtaxis an private Kunden aus. Sie erwarten sich hier einen Milliardenmarkt. Auch gen Weltall richtet sich der Blick. Mit dem chinesischen Hersteller Geely hat der erste Automobilhersteller sein eigenes Satellitennetzwerk. Dazu kommt, dass Werften derzeit nach alternativen Lösungen für Schiffsantriebe suchen. Methanol und Ammoniak stehen als Nachfolger in den Startlöchern.


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