Nio Elektroauotmarkt China Konkurrenz

So will Nio das Beben auf dem chinesischen Automarkt überleben

Der chinesische E-Automarkt kommt nicht zur Ruhe. Im gehobenen Segment kämpft Nio mit europäischer Entwicklungsabteilung und enormen Investitionen um ausreichend Marktanteile zum Überleben.

  • Chinas gehobener E-Automarkt ist übersättigt.
  • Neben Nio kämpfen Xpeng, Li Auto, Leapmotor und Xiaomi um Stückzahlen.
  • Eine Geschichte für Table.Media

Nio galt bei seiner Gründung im Jahr 2014 als Innovationstreiber im E-Automarkt. Doch die Konkurrenz im angestrebten Premiumsegment hat in Rekordzeit aufgeholt. Mit Xpeng, Li Auto, Leapmotor und Xiaomi gibt es gleich vier weitere Marken, die im gleichen Teich nach Kunden fischen. Der Konkurrenzkampf ist brutal. Nio versucht sich mit europäischen Entwicklungen, immer größerem Modellprogramm und immensen Investitionen durchzusetzen. Das Jahr 2025 könnte für den Konzern entscheidend sein.

Rabattschlacht auf Chinas E-Automarkt

Auf dem chinesischen E-Automarkt tobt aktuell ein Verdrängungswettbewerb, der mit hohen Rabatten geführt und vom Staat mit Subventionen angeheizt wird. So hat die Staatliche Kommission für Entwicklung und Reform (NDRC) im April 2024 eine Prämie beschlossen. Wer sein Verbrenner-Auto abgibt und sich ein Elektroauto kauft, erhält 20.000 Yuan (etwa 2.500 Euro). Zusätzlich erlässt die Regierung die fällige Umsatzsteuer (10 Prozent). Im vergangenen Jahr wuchs der Autoabsatz um 3,1 Prozent auf 22,6 Millionen Fahrzeuge. Ziemlich genau die Hälfte waren New Energy Vehicles (NEV). Durch die Förderungen wurden etwa 1,6 Millionen Fahrzeuge mehr verkauft, berechnete das China Automotive Technology and Research Center (CAAM) vor. Entsprechend wurden die Förderungen für das Jahr 2025 verlängert.

Wegen der Förderungen verzeichneten alle E-Anbieter im Premiumsegment – Nio, Li Auto, Leapmotor, Xpeng und Xiaomi – wachsende Absatzzahlen. Doch der Schein trügt. Denn der Markt ist nicht groß genug für so viele Hersteller. Li Xiang, Gründer und CEO von Li Auto, prophezeite Anfang 2024 bei einer Pressekonferenz, dass nur fünf Elektroautohersteller in China überleben könnten. In seinen Augen stünden mit BYD, Huawei und Tesla drei dieser Marken schon fest.

Nio baut Modellprogramm aus

Nio hat sich für diesen Überlebenskampf neu aufgestellt. Das Modellprogramm und die Infrastruktur sind so groß wie nie. Dahinter stecken immense Investitionen, die jetzt greifen müssen. Denn aktuell ist Nio (221.970 Auto im Jahr 2024) hinter Li Auto (500.000) und Leapmotor (294.000) nur die Nummer drei. Dahinter rangieren Xpeng (190.000) und Xiaomi (135.000). Doch die Hoffnungen bei Nio sind groß. Mit Onvo (für Familien) und Firefly (Einstiegsmodelle) sind zwei Marken dazugekommen, die für Stückzahlen sorgen sollen. Doch es gab Startschwierigkeiten. Ai Tiecheng, Präsident von Onvo, trat Anfang April zurück, da er die Verkaufszahlen nicht erfüllen konnte – im März hätten es 20.000 Stück des SUV L60 sein sollen, verkauft wurden aber nur 5.000 Stück.

Der Konkurrenzkampf und die enormen Rabatte sorgen trotz guter Absätze für schlechte Zahlen. Nio verkaufte im Jahr 2024 zwar 39 Prozent mehr Fahrzeuge (221.970 Stück), machte aber auch 3,1 Milliarden Euro Verlust (eine Steigerung um 8,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr). Immerhin scheint sich der Wachstumskurs fortzusetzen. Im ersten Quartal 2025 konnte der Konzern seinen Absatz erneut um 40,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum steigern (42.094 Fahrzeuge in den ersten drei Monaten). In China gelten durchschnittlich 20.000 Fahrzeuge pro Monat als untere Grenze, um langfristig profitabel sein zu können.

Teure Infrastruktur

Doch Nio möchte kein gewöhnlicher Autohersteller sein, sondern weiterhin mit besserem Service und Innovationen vorangehen. So werden die Fahrzeuge in hochwertigen Nio Houses in bester Stadtlage ausgestellt und verkauft. Die Geschäfte dienen auch als Café und Co-Working-Space  – 100 Stück gibt es davon in China. Nio setzte außerdem als erster Hersteller auf Batterietauschsysteme. Dabei handelt es sich um Garagen, die Batterien lagern. Kommt ein Nio vorgefahren, parkt das Fahrzeug selbstständig in der Garage ein und innerhalb von drei Minuten tauscht das System die leere Batterie gegen eine volle. Rund 3.200 Stück gibt es davon in China. Allein im Jahr 2024 baute Nio 700 neue, 2025 sollen 1.900 dazu kommen. Enorme Investitionen. Immerhin dienen diese Garagen als Energiespeicher und können Strom ins Netz abgeben.

Ob sich Nios Expansion nach Europa auszahlt – auch in Deutschland gibt es Nio Houses und Batterietauschsysteme – bleibt abzuwarten. Rein finanziell sicherlich erst einmal nicht, doch die Synergieeffekte könnten mittelfristig helfen. Das beste Beispiel ist der ET5 Touring – ein Kombi. „Der stammt aus dem Designzentrum in München und wurde mit Blick auf Europa entworfen, weil Kombis in China bislang keine Rolle spielten. Mittlerweile ist er aber eines der erfolgreichsten Modelle von uns auch in China“, erklärt Matthias Becher, Pressesprecher von Nio Deutschland im Gespräch.

Um Europa/Deutschland mit ausreichend Wasserstoff für eine Dekarbonisierung der Industrie zu versorgen, ist ein globaler Handel nötig. China bietet sich derzeit als Partner an. Zusammenfassung:punkt-am-ende.work/2025/04/11/c…Ganze Geschichte bei @table.media:table.media/china/analys…

Christian Domke Seidel (@domkeseidel.bsky.social) 2025-04-11T08:43:20.810Z

Europäische Technik

Nio kann aus seinem Engagement in Europa technische Vorteile ziehen. „Wir haben einige Softwarelösungen von Europa nach China gebracht. Da geht es um Themen wie Reichweite, Batterie-Preconditioning. Das funktioniert hier besser, weil der europäische Markt komplexer ist“, erklärt Benjamin Steinmetz, Director Product Experience Europa bei Nio, im Gespräch. Ebenfalls aus Europa stammt eine Umgestaltung von Nomi Mate. Dabei handelt es sich um eine Kugel mit Display, die ein Gesicht imitiert. Es soll der KI, mit der die Funktionen im Auto per Sprachbefehl gesteuert werden können, einen humanoiden Eindruck vermitteln. Weil die süße Roboter-Optik in Europa aber nicht gut ankam, entwickelte das Team in Oxford einen leuchtenden LED-Ring als Ersatz – Nomi Halo. Steinmetz: „Nomi Halo haben wir als dezentere Variante von Nomi Mate für Europa entwickelt, bieten es aber auch in China an. Vor allem bei älteren Usern kommt es dort gut an.“