In China tobt eine Debatte darüber, was Fahrassistenzsysteme tatsächlich können, ob Hersteller nicht zu viel versprochen haben und wer eigentlich für mögliche Unfälle verantwortlich ist. Die Hersteller bieten dafür sogar Versicherungen an.
- Chinas Autobauer müssen bei der Werbung für Fahrassistenzsysteme zurückrudern.
- Sie bieten neue Versicherungen für Unfälle an, die von der Technik mitverschuldet werden.
- Eine Geschichte für Table.Media
Als in China drei Student:innen in einem Xiaomi SU7 verunglückten, entbrannte eine Debatte über Fahrassistenzsysteme. Bis zum tödlichen Unfall war nämlich das Assistenzsystem aktiv. Dann krachte der Wagen in einen Betonpfeiler. Die Frage ist offen, wer für den Unfall verantwortlich ist. Grundsätzlich handelt es sich auch bei den fortschrittlichsten Autos in der Volksrepublik lediglich um Fahrzeuge auf Level-2 – die Fahrer:innen müssen also jederzeit das Steuer übernehmen können. Tatsache ist aber auch, dass die Hersteller lange Zeit wesentlich mehr versprochen haben.
Verantwortung für Unfälle von Fahrassistenzsystemen
Prinzipiell gibt es auch in China fünf Stufen des autonomen Fahrens: L1 (Fahrerassistenz), L2 (teilweise autonom), L3 (bedingt automatisiert), L4 (hochautomatisiert), und L5 (voll automatisiert). Ein L3-Fahrzeug gibt es auch in China derzeit bisher nicht zu kaufen. Allerdings sind rund 60 Prozent aller Neuwagen mit L2 ausgestattet. Allerdings ist bei Kund:innen das Wissen darüber, wo die Grenzen des Systems liegen, nicht weitverbreitet.
Es macht den Eindruck, dass die Hersteller das auch gar nicht wollten – zumindest bislang. Sie erfanden stets neue Marketingbegriffe wie „advanced smart driving“. Kurz vor dem Unfall hatte die Regierung diese Werbepraktik bereits verboten. Einige Hersteller haben ihr Wording seitdem drastisch geändert.
Um das Vertrauen der Kund:innen zurückzugewinnen, bieten einige Hersteller jetzt sogar direkt Versicherungen an. Sie sollen gegen Schäden, die durch schlecht funktionierende Assistenzsysteme auftreten, absichern. Die meisten Policen beinhalten Probleme mit Funktionen wie dem Spurhalteassistenten oder dem automatischen Einparken. Xpeng beispielsweise bietet etwa eine Versicherung für umgerechnet 33 Dollar pro Jahr an. Sie deckt Schäden ab, die bis zu fünf Sekunden nach dem Abschalten des Systems auftreten.
Die Hersteller selbst haben natürlich auch eine Versicherung im Rücken. Die nimmt das Risiko aber nur auf sich, wenn sie überzeugt ist, dass die Technologie des Herstellers entsprechend sicher ist. Es ist ein weiterer Baustein für die Marktbereinigung im chinesischen E-Auto-Markt.
Technik für autonomes Fahren in China
Aktuell sind in China rund 60 Prozent aller Neuwagen mit einem L2-System ausgestattet. Der Hintergrund ist, dass die Hersteller neue Technologien enorm schnell demokratisieren, um ein Verkaufsargument im übersättigten Markt zu haben. Derzeit planen viele Marken außerdem die Einführung eines L3-Systems. Die Regierung steht deswegen unter Druck, diese Technologie zu reglementieren.
Kund:innen, Hersteller und Versicherer müssen wissen, wer unter welchen Umständen für mögliche Schäden verantwortlich ist. Grundsätzlich gilt derzeit eine Regelung aus dem Jahr 2023: Bei Verkehrsunfällen mit aktivierten autonomen Fahrsystemen tragen die Fahrer:innen die Hauptverantwortung. Das könnte sich zeitnah ändern. Die Regierung arbeitet dafür mit den Herstellern zusammen.
Die vollständige Geschichte inklusive eines Blicks auf Xiaomi und die Versicherungen gibt es bei Table.Media – hinter einer Paywall. Auch davor gibt es einige Geschichten eine (unvollständige) Übersicht gibt es hier. Der Konkurrenzkampf in Chinas Automarkt setzt die Hersteller zunehmend unter Druck. Wie Nio diesen Kampf überstehen möchte, erfahren Sie hier. Neben der Elektromobilität schwingt sich in China derzeit Wasserstoff zu einer Alternative auf.

