Koleförderungen in China. Ein Bild von Adobestock/Shell.

China: Minimierung der Emissionen gerät in den Hintergrund 

China importiert Unmengen an Öl, Gas und Kohle. Eine Investitionsoffensive soll das Land unabhängiger machen. Die Reduzierung der Emissionen ist zweitrangig geworden.

  • China ist weltweit größter Energieimporteur.
  • Aktuell 44 Atomreaktoren im Bau.
  • Eine Geschichte für Table Media.

Die globale Energiewende erlebt eine entscheidende Neuausrichtung. Und das nicht zum Besseren. Die Minimierung von Emissionen ist in vielen Regionen in den Hintergrund getreten, da Energiesicherheit und Bezahlbarkeit zu den dominierenden Antriebskräften geworden sind. Nirgendwo wird dieser Wandel deutlicher als in China, das sich mitten in einer massiven Investitionsoffensive befindet, um seine Abhängigkeit von Energieimporten zu reduzieren. Trotz des langfristigen Ziels des Landes, bis zum Jahr 2060 CO₂-Neutralität zu erreichen, liegt der primäre Fokus nun auf der Versorgungssicherheit. Um den immensen Energiehunger seiner boomenden Wirtschaft zu stillen, setzt die Volksrepublik auf einen doppelten Kurs: einen beispiellosen Ausbau heimischer Kohle- und Atomkapazitäten, flankiert von einem raschen Wachstum erneuerbarer Energien. Hier gibt es eine Zusammenfassung des Themas. Die ganze Geschichte lesen Sie hier (Paywall).

Studie der Boston Consulting Group zur globalen Energiewende

Eine instabile geopolitische Lage hat dazu geführt, dass China seine Energiepolitik angepasst hat. Um die Abhängigkeit von Importen zu durchbrechen, verfolgt Peking einen Kurs der maximalen Kapazität, wie es die Studie „The Energy Transition’s Next Chapter“ zusammenfasst. Chinas Strategie zur Stärkung der Energiesicherheit führt zu einem paradoxen Wettlauf um Megawatt. Die in der Volksrepublik installierte Kapazität für Solar- und Windenergie beträgt laut BCG-Studie 1.409 Gigawatt und übersteigt damit die kombinierte Kapazität der nächsten neun Länder. Doch dieser Erfolg bei den Erneuerbaren wird durch die gleichzeitige Abhängigkeit von Kohle konterkariert.

Die installierte Kohlekapazität liegt bei 1.147 Gigawatt und ist ebenfalls größer als die der nächsten neun Länder zusammen. Um die Versorgungssicherheit zusätzlich zu garantieren, forciert das Land einen beispiellosen Ausbau der Kernkraft. Die Kommunistische Partei hat die Bauzeit für einen neuen Reaktor auf durchschnittlich etwa sechs Jahre reduziert, was nur durch die Kombination von langfristiger staatlicher Finanzierung und zentralisierter Planung möglich ist. Das Problem bleibt: Das Land muss weiterhin enorme Mengen an Öl, Gas und Kohle importieren.

Ein großes Problem liegt in der Divergenz der Technologietrends. Die Preise für ausgereifte Lösungen wie Solar und Batterien sind seit 2010 um bis zu 90 Prozent gesunken, doch strategisch notwendige Innovationen wie grüner Wasserstoff bleiben teurer als erwartet. Noch entscheidender ist der Faktor Akzeptanz in anderen Volkswirtschaften. Während China mit einer strikten Wirtschaftspolitik seine Industrie lenkt, erschweren in Europa hohe Energiepreise die öffentliche Unterstützung für die Energiewende, analysiert BCG.

Erneuerbare Energien als naheliegendste Lösung

Trotz der beunruhigenden globalen Prioritätenverschiebung und der hartnäckig hohen Kosten für Zukunftstechnologien wie grünen Wasserstoff und Carbon-Capture existiert laut der Boston Consulting Group eine unmittelbare und umsetzbare Lösung für den Großteil des Emissionsproblems. Die Studie betont, dass bereits zwei Drittel der energiebedingten Emissionen mit heute kommerziell verfügbaren Technologien angegangen werden könnten. Es sind dies keine teuren, futuristischen „Moonshot“-Projekte, sondern etablierte Lösungen wie Windkraft, Solarenergie und Batterien. Diese Technologien hätten ihre Kostenkurven erfolgreich durchlaufen.

China ist immer noch der weltweit größte Energieimporteur. Im Jahr 2023 machten seine Importe von Öl, Erdgas und Kohle 32 Prozent, 26 Prozent bzw. 33 Prozent des weltweiten Handels mit diesen Rohstoffen aus. Das liegt auch am wirtschaftlichen Aufstieg von Chinas energieintensiven Industrien wie dem Autobau, der Stahl-, Pharma- und Bauindustrie. Der Strombedarf in China befindet sich in einem „strukturellen Superzyklus“, wie es die BCG ausdrückt. Der wird durch den Boom der Künstlichen Intelligenz, den steigenden Bedarf an Kühlung und die Elektrifizierung von Verkehr, Gebäuden und Industrie vorangetrieben.

Lyft hat Freenow von BMW und Mercedes gekauft, weil die sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren wollen. Der Ride-Hailing-Anbieter bringt unter anderem autonome Robotertaxis von Baidu mit. Zusammenfassung:punkt-am-ende.work/2025/09/15/l…Ganze Geschichte:table.media/china/analys…

Christian Domke Seidel (@domkeseidel.bsky.social) 2025-09-15T15:01:32.185Z

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Rund um China beschäftige ich mich mit einer Vielzahl an Themen. Etwa mit der Familiennachfolge in Unternehmen. Lange Zeit prägt die Einkindpolitik das Land. Als die Regierung sie beendet hat, hatte das große Auswirkungen auf die Nachfolge in Familienunternehmen. Auch den Gründen für den Boom der Wasserstoff-Mobilität in der Volksrepublik bin ich nachgegangen.