Ein BYD-Händler in Marilia, Brasilien. Foto: Adobestock/AlfRibeiro

Chinas Automarken in Brasilien am Scheideweg

Chinesische Autohersteller haben den brasilianischen Markt geflutet. Die Fahrzeuge sind beliebt, doch die Regierung setzt die Konzerne unter Druck, lokal zu investieren. Trotz vollmundiger Ankündigungen ist offen, ob das passieren wird.

  • Chinesische Autohersteller in Brasilien erfolgreich.
  • Lula verlangt lokale Investitionen.
  • Eine Geschichte für Table.Media

Lula da Silva pflegt als brasilianischer Präsident und Gründungsmitglied der Arbeiterpartei Partido dos Trabalhadores eine besondere Nähe zur Autoindustrie. Sie ist – wie in vielen anderen Ländern auch – ein Seismograf für den Wohlstand und den Arbeitsmarkt. Schon ein kleineres Beben kann ungeahnte Folgen nach sich ziehen. Entsprechend ist er gerade bemüht, aus chinesischen Herstellern, die im Rahmen ihrer Globalisierungsstrategie auch Brasilien für sich entdeckt haben, lokale Produzenten zu machen. Auf den politischen Druck reagierten sie mit milliardenschweren Investitionsversprechen, an denen sie aber wenig Interesse zu haben scheinen. Der Ausgang ist ungewiss.

Brasilien einig Autoland

Brasilien ist mit 2,6 Millionen verkauften Neuwagen im Jahr 2024 der sechstgrößte Automarkt der Welt. Und nicht nur das, die Hersteller freuen sich über üppige Wachstumsraten. Satte 14,1 Prozent im Jahr 2024 und für 2025 erwarten Expert:innen etwa 5 Prozent. Es dominieren eher günstige und robuste Fahrzeuge – wertstabil sollen sie sein. Der Gebrauchtwagenmarkt ist sechsmal so groß wie der für Neuwagen und die Infrastruktur wie Werkstätten und Ersatzteilversorgung spielt eine wichtige Rolle. Marktführer ist Fiat, dahinter folgt Volkswagen. Beide Hersteller betreiben im Land eigene Fabriken und haben Cluster gebildet, in denen sich die Zulieferindustrie angesiedelt hat. Die Wertschöpfung erfolgt in Brasilien selbst.

In den vergangenen Jahren sind allerdings neue Konkurrenten dazugekommen. Chinas Automobilhersteller haben in Brasilien erfolgreiche Monate hinter sich. Im Jahr 2025 werden sie aller Voraussicht nach 200.000 Autos nach Brasilien exportieren. Das würde ein Wachstum von 40 Prozent und einen Marktanteil von 8 Prozent bedeuten. An der Spitze ist dabei BYD. Bis einschließlich Mai 2025 hat der E-Auto-Gigant 22.000 Fahrzeuge nach Brasilien verschifft.

Warum chinesische Hersteller in Brasilien so beliebt sind, erklärt Gloria Rose im Interview. Sie ist Director Brasilien bei der Außenwirtschaftsagentur des Bundes Germany Trade & Invest (GTAI). Wer möchte, kann das in der vollständigen Geschichte nachlesen (Paywall).

Brasilien wehrt sich gegen Autoimport

Glücklich sind mit dem Boom chinesischer Marken in Brasilien aber längst nicht alle. Der brasilianische Automobilherstellerverband Anfavea forderte mit Unterstützung von Branchengrößen wie Toyota, GM, Volkswagen und Stellantis die Regierung auf, die Zölle für bestimmte Produkte zu erhöhen. Etwa auf die Montagekits SKD (Semi Knocked Down) und CKD (Completely Knocked Down). Dabei werden alle Teile, die ein Hersteller für ein Fahrzeug benötigt, vormontiert importiert und dann in der Fabrik zusammengesetzt. Die Wertschöpfung im Land ist dabei gering. Die Forderung des Verbands zielte direkt auf BYD ab. Der Hersteller – der so seine Fahrzeuge in Brasilien produziert – hatte sich für niedrige Zölle starkgemacht.

Doch die Regierung möchte die chinesischen Hersteller nicht verprellen. Im Gegenteil. Lula spekuliert vielmehr auf Investitionen der Konzerne im Land. In den kommenden Monaten werden die Zölle für Montagekits und E-Autos steigen, was es Marken wie BYD schwer machen wird, die niedrigen Preise zu halten. Daneben gibt es die beiden Förderprogramme MOVER und IPI Verde – beide sehen Steuervergünstigungen für nachhaltige Kfz vor. Damit sind allerdings nicht nur E- und Hybrid-Autos gemeint, sondern auch die in Brasilien beliebten Flex-Verbrenner, die neben klassischem Benzin auch mit einem Ethanol-Gemisch fahren können. Diese Motorvariante steckt derzeit in drei Vierteln aller Neuzulassungen, gilt aber nicht als Stärke chinesischer Hersteller. Daneben gibt es Steuervergünstigungen, wenn in den Fahrzeugen recycelbare Materialien verwendet sind oder die lokale Wertschöpfung besonders hoch ist.

Investitionen in Brasilien: Druck auf chinesische Hersteller

Die chinesischen Hersteller reagieren darauf. GWM, GAC, Geely, Leapmotor und Chery haben allesamt eigene Produktionslinien angekündigt. BYD hat bereits ein altes Ford-Werk übernommen, muss aber die lokale Wertschöpfung steigern. Ob diese Ankündigungen so kommen, hält Rose allerdings für fraglich.

Es ist gar nicht so leicht, Bürokratie im Wert von 16 Milliarden Euro abzubauen, wie die deutsche Bundesregierung gerade erfährt. Ein erster Schritt ist aber gemacht.Zusammenfassung:punkt-am-ende.work/2025/11/12/m…Vollständige Geschichte:oeffentlicher-dienst-news.de/buerokratiea…

Christian Domke Seidel (@domkeseidel.bsky.social) 2025-11-12T07:33:58.230Z

„Die etablierten Hersteller hoffen darauf, dass die Chinesen gar kein so großes Interesse an diesen Investitionen haben. Sie schöpfen den Markt jetzt kurzfristig ab, aber realisieren die Investitionen wahrscheinlich gar nicht in dem Umfang, in dem sie es zugesagt haben“, fasst Rose das Stimmungsbild vor Ort zusammen. Und weiter: „Der Kfz-Markt funktioniert ganz anders als in Europa oder China. Nur, weil die chinesischen Hersteller plötzlich mit günstigen Elektroautos auf dem Markt sind, wird sich die Struktur nicht ändern. Daher ist der Markt für die Chinesen wahrscheinlich gar nicht so interessant.“ 

Welche Bedeutung Elektroautos in Brasiliens Dekarbonisierungsplänen spielen, welchen Einfluss der enorm hohe Leitzins auf den Industriezweig hat und welche Bedeutung dem Zusammenrücken der BRICS-Staaten zukommt, lesen Sie in der vollständigen Geschichte. Wer mehr zum Thema lesen möchte: China streicht die Elektroautos aus dem kommenden Fünfjahresplan. Interessant ist auch, dass es in China bereits Versicherungen gegen Schäden gibt, die durch Fahrassistenten verursacht wurden.