China ist aus dem globalen Automarkt nicht mehr wegzudenken. Doch viele Rohstoffe und Teile kommen aus der Uiguren-Region Xinjiang. Das ist gewollt. Zwangsarbeit gilt dort als eine Subvention.
- Billige Arbeitskräfte locken Firmen nach Xinjiang.
- Zwangsarbeit in vielen Autos enthalten.
- Eine Geschichte für Table.Media.
Zwangsarbeit ist in der chinesischen Automobilbranche systemimmanent. Es geht dabei nicht um einzelne Werke bestimmter Hersteller, sondern um ein Netzwerk dutzender Zulieferer. Es besteht ein hohes Risiko, dass jede Marke, die in der Volksrepublik produziert, auch von der dortigen Zwangsarbeit profitiert. Zu diesem Schluss kommt die Studie „Driving Force – Automotive Supply Chains and Forced Labor in the Uyghur Region“. Sie benennt ganz konkret, bei welchem Zulieferer es zu Menschenrechtsverletzungen gekommen ist, welche Produkte sie anbieten und welche Automarken die Abnehmer sind. Für den Beitrag „Wie Zwangsarbeit aus China in die Autos gelangt“ habe ich diese Studie etwas genauer angeschaut.
Zwangsarbeit als Subvention für Autozulieferer
Die chinesische Regierung setzt in Xinjiang vier Formen von Zwangsarbeit um. Dazu gehören Gefangenenarbeit, Internierungslager, erzwungene Arbeitsversetzungen und die staatliche Einberufung sogenannter „Überschussarbeitskräfte“ – meist ärmere Menschen vom Land. Dass Firmen diese Arbeiter zur Verfügung gestellt bekommen, ist Teil der Subventionspolitik. Mit billigen Arbeitskräften soll die Region als Wirtschaftsstandort attraktiv gemacht werden. Entsprechend öffentlich werben Politiker und Firmen damit, was die Nachverfolgung von Zwangsarbeit in der Lieferkette vergleichsweise leicht macht.
Gerade arbeits- und energieintensive Arbeiten finden in Xinjiang statt. Dazu gehören der Abbau und/oder Weiterverarbeitung von Bauxit, Kupfer und Stahl. In der Uiguren-Region sitzen die größten (Staats)Konzerne Chinas, die in diesen Bereichen tätig sind und mit ihren Produkten auch auf dem Weltmarkt agieren. Joinworld (Aluminium), die Xinjiang Bayi Iron and Steel und Xinjiang Nonferrous sind drei beispielhaft genannte Unternehmen, die in der Studie vorkommen. Staatsmedien und die Firmen selbst geben an, teils tausende Menschen aus den Arbeitsprogrammen rekrutiert zu haben. Zu ihren Kunden zählen unter anderem VW, Ford, BMW, Fiat, Mitsubishi und Beijing Benz.
Auch die Camel Group geht sehr offen mit der Zwangsarbeit um. Das Unternehmen gehört zu den führenden Herstellern von Autobatterien und wirbt laut Studie damit, an einem Drei-Jahres-Plan zur Übersendung der „Überschussarbeitskräfte“ beteiligt gewesen zu sein. Das Unternehmen wirbt außerdem damit, dass seine Batterien auch in den Autos von VW, Ford, Audi, General Motors, Honda, Nissan, Jeep, Hyundai, Kia, Peugeot und Citroën stecken.
Die Studie beschäftigt sich noch mit wesentlich mehr Bauteilen und Zulieferern. Sie wirft auch einen Blick darauf, wie aus einer abgelegenen Region wie Xinjiang ein Zentrum der Automobilindustrie werden konnte. Obwohl dort kaum Bergbau stattfindet, ist die Uiguren-Region der drittgrößte Standort für die Verarbeitung von Buntmetallen – also Metallen, die kein Eisen enthalten, wie etwa Kupfer, Blei und Zink.
Chinas Automarkt
Die Arbeitsbedingungen tun dem Erfolg keinen Abbruch. Längst erfreuen sich chinesische Marken auch bei deutschen Händlern hoher Beliebtheit. Doch westliche Hersteller gehen zunehmend auf Distanz – wenn auch nicht wegen der Zwangsarbeit. Vielmehr wollen General Motors und Tesla die Abhängigkeiten von China verringern. Decoupling ist zurück. Was den Erfolg chinesischer Hersteller wirklich bremsen könnte, sind rechtliche Probleme. Eine Kanzlei hat die chinesische Marke MG wegen vermeintlicher Lizenzverstöße bei der Software verklagt.


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