Der ID.Life von volkswagen steht auf einer Bühne der IAA in München.

Schwindende Dominanz: Warum Europas Autobranche einen China-Masterplan braucht

Die IAA in München zeigt die neue Realität: Während chinesische Marken den Markt fluten, verlieren europäische Hersteller massiv an Boden – selbst in der Heimat. Laut einer neuen McKinsey-Studie sanken die Marktanteile in China und der EU drastisch. Erfahren Sie, warum die Branche trotz Rekord-Investitionen in Forschung und Entwicklung in die „China-Falle“ geraten ist und welche sieben Hebel McKinsey jetzt für eine Trendwende vorschlägt.

  • IAA, das Heimspiel für die deutsche Autobranche.
  • Beratungsagentur McKinsey schlägt neue China-Strategie vor.
  • Eine Geschichte für Table Media.

Die Internationale Automobilausstellung (IAA) ist immer auch ein Spiegelbild der deutschen Automobilindustrie. Ob das noch als Lob durchgeht, ist umstritten. Zur letzten IAA in München kamen noch 400.000 Menschen. Noch im Jahr 2007 waren es knapp über eine Million. Damals wurden in China gerade einmal 5,3 Millionen Neuwagen verkauft. Im vergangenen Jahr waren es 23,2 Millionen. Also viermal so viel. Das zeigt sich auch auf der Ausstellung in München. Drei Dutzend Marken aus der Volksrepublik sind vertreten. Und die deutschen Hersteller? Die müssen sich dringend eine nachhaltige China-Strategie einfallen lassen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey.

Die ganze Geschichte „Der Lack ist ab“ gibt es im Professional Briefing von China Table. Hier präsentiere ich nur eine kurze Zusammenfassung. Doch wenige Worte reichen, um den Kern des Problems zu erfassen. Die deutschen Hersteller haben die Konkurrenz aus China unterschätzt, den Markt falsch eingeschätzt und haben jetzt Probleme, sich an eine neue Nachfrage anzupassen. Doch es gibt auch eine gute Nachricht. Den Problemen begegnet die deutsche Automobilbranche (noch) aus einer Position der Stärke.

Mehr Umsatz, schrumpfende Marktanteile

Die europäische Autoindustrie sei – gemessen am Umsatz – dreimal so groß wie die chinesische, schreibt McKinsey in der Studie „A masterplan for Europe’s automotive industry“. Etwa jeder dritte Euro, der in der EU für Forschung und Entwicklung ausgegeben würde, stamme aus der Automobilbranche – jährlich also etwa 60 Milliarden Euro. Lange wird das allerdings nicht mehr so bleiben. „Seit 2019 haben europäische Hersteller sechs Prozentpunkte Marktanteil auf ihrem Heimatmarkt verloren; auch in China sank der Marktanteil um fünf Prozentpunkte. Gleichzeitig bauten die chinesischen Hersteller ihren Marktanteil in China auf über 45 Prozent aus; bei den E-Autos halten neue Wettbewerber global sogar 51 Prozent Marktanteil bei den Neuzulassungen“, rechnet McKinsey vor.

Sieben Vorschläge macht McKinsey (ausführlicher bei Table Media zu finden):

  • Chinageschäft erneuern
  • Verstärkter Kundenservice
  • Talentförderung
  • Höhere Agilität
  • Fahrassistenzsysteme
  • Resiliente Lieferketten
  • Wettbewerbsfähige Zulieferer

In den vergangenen Jahren war allerdings das Gegenteil zu beobachten. Die deutsche Automobilindustrie hat sich bei zentralen Bauteilen (Batterie und Halbleiter) von chinesischen Herstellern abhängig gemacht. Dazu kam, dass das Engagement der europäischen Marken in China dazu geführt hat, dass die Autobauer aus der Volksrepublik technisch nicht nur aufgeholt haben, sondern im Segment der E-Autos sogar die besseren Produkte haben.

Die deutsche Industrie beneidet den "China Speed". Doch die Entwicklungsgeschwindigkeit hat einen Haken: Rechtliche Vorgaben sind Nebensache. Für chinesische Autohersteller in Europa könnte das zum Bumerang werden. Denn es fehlt an Lizenzen für die Software. punkt-am-ende.work/2026/01/29/j…

Christian Domke Seidel (@domkeseidel.bsky.social) 2026-01-29T11:22:54.981Z

Besonders auffällig ist das im Bereich der günstigen Klein- und Kompaktfahrzeuge. Wer in Europa ein Elektroauto möchte, zahlt dafür rund 40.000 Euro. In China gibt es E-Autos, die für 10.000 Euro zu haben sind. Für eine Abrundung des Portfolios nach unten fehlt es den deutschen Herstellern derzeit aber noch an Stückzahlen und den damit verbundenen Skaleneffekten.

Deutsche Autobauer in China

Wie der chinesische Markt für die deutschen Automobilhersteller zur Falle wurde, können Sie hier nachlesen. Ebenso interessant wie brisant ist in diesem Zusammenhang, wie Zwangsarbeit in europäische Autos kommt. Doch nicht nur Europa ist das Ziel chinesischer Marken. Der Krieg in der Ukraine hat dazu geführt, dass immer mehr Fahrzeuge aus der Volksrepublik auch nach Russland kommen.

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