Dieter Huber ist Medienkünstler – Disruptionen begleiten seit Jahrzehnten seinen Arbeitsalltag. Mit ihm habe ich über Künstliche Intelligenz gesprochen.
- Medienkünstler Dieter Huber über Künstliche Intelligenz.
- Wann ist das Abdrehen einer KI Tötung?
- Ein Interview für Sonicboom.
Es gibt Texte, die sind von einer Künstlichen Intelligenz geschrieben, aber nicht mehr von Texten zu unterscheiden, die ein Mensch geschrieben hat. Die Frage ist offen, ob das mehr über die Fähigkeiten der Software oder über die des Menschen aussagt. Und genau diese Frage habe ich versucht, gemeinsam mit Medienkünstler Dieter Huber zu beantworten.
KI als Künstler
„Aus meiner Sicht haben wir den Begriff der Künstlichen ‚Intelligenz‘ etwas unreflektiert und vorschnell übernommen. Künstlich ja, Intelligenz vielleicht“, analysiert Huber im Gespräch (hier geht es zum vollständigen Interview).Der Mensch würde sich dadurch auszeichnen, Dinge und Wahrnehmungen kombinieren zu können. Außerdem Frei und assoziativ zu lernen. Es kämen so impulsartige Lösungen heraus. „ChatGPT – sowie alle mir bislang bekannten Algorithmen – verknüpfen verfügbaren Daten in einem primitiv kausalen Sinn, wie etwa ein Neandertaler. Allerdings mit Zugriff auf die komplette Google Welt“, so Huber. Das sei definitiv keine Intelligenz.
Kunst zu schaffen ist dabei nur ein Beispiel. Natürlich können Bilder, Melodien oder künstlerische Texte, die von einer Künstlichen Intelligenz erschaffen worden sind, durchaus als das genießen lassen, was sie sind. „Ob ein Bild alt oder neu ist, von wem auch immer es geschaffen sein mag, selbst wenn es von einem Algorithmus errechnet wurde, ist in diesem Kontext völlig unbedeutend und somit irrelevant“, urteilt Huber.
Das große Aber folgt jedoch sogleich. „Die KI verwendet Materialien von anderen Künstlern und Autoren, die nach geltendem Gesetz dem Urheberrecht unterliegen. Die Schöpfung des Bildes kommt von einer KI, die auf dem Coding der Entwickler des Algorithmus und dem Geistigen Eigentum eines Unternehmens basiert. Der Beitrag des ‚KI-Künstlers‘ reduziert sich demnach auf die Eingabe des Prompts. Diese sogenannte ‚künstlerische‘ Leistung ist von Grund auf parasitär und besteht nur aus einigen Worten, bestenfalls Sätzen.“
KI vs. Mensch: Qualitätsfrage
Ist das Werk einer KI nicht von dem eines Menschen zu unterscheiden, dann basiere die Arbeit nunmal auf einem Standard, den man getrost den Maschinen überlassen könnte. „Wir Menschen können uns höheren Zielen zuwenden. So wie nach der Industrialisierung eine nicht mehr erforderliche Arbeiterklasse verschwunden ist, besteht nun Hoffnung, eine durch bürokratisches Denken durchregulierte Welt – und ich meine das umfassenden Sinn – endlich hinter uns zu lassen.“
Eine Qualitätsfrage, die abseits der Kunst natürlich auch in der Berichterstattung zu stellen ist. Denn hier kann Künstliche Intelligenz ein Werkzeug sein, um Masse zu produzieren oder bestehende Bilder zu manipulieren. Als Konsumenten haben wir es uns dabei lange Zeit zu einfach gemacht. „Glauben zu können, was wir sehen und wahrnehmen, gehört zu den fundamentalen menschlichen Bedürfnissen, die wir heute in unterschiedlichen Blasen suchen und bedingt auch finden“, so Huber.
Wenn die KI zu schlau wird
„Aktuell beziehen sich diese Daten noch auf menschliche Quellen. Mit jeder KI-Abfrage entstehen jedoch neue maschinengeschaffene Daten. Das heißt, der Zugriff auf humane Quellen verdünnt sich exponentiell“, erläutert Huber im Interview. Es könnte passieren, dass die KI ein komplexes Einsichtsdenken entwickelt. Dann wäre die Technik so weit, wie sie viele der Menschen, die sie hypen jetzt schon sehen.
Das führt jedoch zu vollkommen neuen Fragen. Allen voran der Ethik. Einer solchen Technik müssten wir ein Bewusstsein zugestehen. „Ein solch bewusster Algorithmus hätte Individualität und wäre demnach kein Werkzeug mehr, über das wir einfach verfügen können. Daraus würden sich wiederum ethische Rechte und Pflichten ableiten. Zudem wären vielfältige Verantwortungsfragen die Folge. Eine ‚Abschaltung‘ käme beispielsweise einer Tötung gleich“, führt Huber weiter aus.
Digitalisierung ist kein Neuland mehr
Das vollständige Gespräch mit Dieter Huber gibt es nur bei Sonicboom. Dort finden sich auch ein Interview mit Madita Oeming zur Frage, wie sich über Pornos sprechen lässt, ohne das die Internet-Zensur greift. Mehr zum Thema Digitalisierung gibt es auch im Beitrag über den CO2-Fußabdruck der IT oder im Text über IT-Sicherheit.


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