Die russische Regierung möchte die eigene Autoindustrie stärken. Chinas Autohersteller geraten deswegen unter Druck.
- Russland ist größter Importeur chinesischer Autos.
- Chinesische Hersteller geraten in Russland unter Druck.
- Eine Geschichte für Table.Media
Als Putin den Krieg gegen die Ukraine begann, zogen sich die westlichen Hersteller aus Russland zurück. Chinesische Marken füllten die Lücke, produzieren in den nun verwaisten Werken und erhöhten den Export nach Russland massiv. Kein anderes Land der Welt importiert so viele chinesische Autos wie Russland. Doch diese Partnerschaft bekommt Risse. Mit Handelsschranken, Zöllen, neuen Gebühren und Gesetzen will die russische Regierung die heimische Autoindustrie stärken und die chinesische zurückdrängen.
Chinas Autohersteller in Russland unter Druck
Im Jahr 2024 gingen 1,2 Millionen chinesische Autos nach Russland. Russische Politiker sprachen von einer „aggressiven Expansion“ der chinesischen Hersteller und begannen, die Geschäfte stärker zu reglementieren. Dazu gehören drei zentrale Maßnahmen, die ich in der vollständigen Geschichte ausführe und auch mit konkreten Zahlen belege und erläutere. In dieser Zusammenfassung fasse ich mich natürlich etwas kürzer:
- Entsorgungssteuer: Diese Abgabe zahlen Autohersteller dafür, dass ihre Modelle irgendwann recycelt werden müssen. Die einmalige Gebühr wird beim Neukauf fällig, die Hersteller geben sie komplett an den Kunden weiter. Lokale Hersteller können sich diese Entsorgungssteuer allerdings vom Staat zurückholen. Chinesische nicht.
- Zölle: Vereinfacht gesagt haben Chinas Hersteller das Freihandelsabkommen innerhalb der Eurasian Economic Union (EAEU) genutzt, um über Kirgisien, Kasachstan und Usbekistan Fahrzeuge günstig nach Russland zu exportieren. Diese Lücke hat die russische Regierung geschlossen.
- Crashtests: Überraschend sind chinesische Lkw durch Crashtests in Russland gefallen. Angeblich soll es Probleme bei der Geräuschmessung und dem hinteren Aufprallschutz gegeben haben.
Russland will lokale Autoproduktion
Die russische Regierung riskiert den Streit mit China, da das Land die lokale Autoproduktion wieder ankurbeln möchte. Viele der durchgeführten Sanktionen (etwa eine Verdoppelung der Entsorgungssteuer) gehen auf Vorschläge des russischen Herstellers AvtoVAZ zurück. Außerdem vergibt die Regierung in Moskau Punkte für den Grad der Lokalisierung – also etwa eine Fabrik in Russland, die von russischen Arbeitern betrieben wird und in der Teile aus russischer Produktion verbaut werden. Wer genug Punkte hat, wird von vielen Gebühren befreit. Allerdings erfüllt lediglich AvtoVAZ die entsprechenden Vorgaben – auch, wenn einige chinesische Hersteller durchaus Punkte erhalten haben (Haval, eine Marke von Great Wall Motors, hat sogar eine eigene Fabrik in Russland).
Auslöser für diesen Handelskonflikt könnte eine fehlgeschlagene Investition der russischen Regierung sein. Mit 600 Millionen Euro wollte sie die Marke Wolga wiederbeleben. Doch der Fahrzeugbauer Gorkowski Awtomobilny Sawod (Gaz) schraubte genau genommen nur chinesische Autoteile zusammen. Regierungschef Michail Mischustin schimpfte bei der Präsentation: „Ich will, dass das Steuer russisch ist. Das ist doch nicht so schwer, die Produktion des Getriebes und andere Elemente zu lokalisieren.“
Chinas Überkapazitäten für Russland
In China boomte die Autoindustrie lange Zeit. Gleichzeitig verlief der Wandel zur E-Mobilität enorm schnell. Diese Kombination hat in China zu enormen Überkapazitäten und Lagerbeständen geführt. Die chinesischen Hersteller waren daher froh, mit Russland einen dankbaren Abnehmer für die klassischer Verbrenner gefunden zu haben. Nicht nur Russland kämpf gerade gegen die immer dominierende Rolle Chinas in der Weltwirtschaft. Schon Anfang 2024 haben amerikanische Gewerkschaften gigantische Hafengebühren für chinesische Schiffe vorgeschlagen, die derzeit umgesetzt werden.

