Künstliche Intelligenz: Ausbau von Rechenzentren scheitert an den Lieferketten

Künstliche Intelligenz benötigt Rechenzentren. Die bestehen aber nicht nur aus Chips, sondern brauchen Menschen, die sie warten, Kühlsysteme und Stromaggregate. Diese Flaschenhälse behindern selbst den Ausbau in China.

  • Fehlende Bauteile verhindern den Ausbau von Rechenzentren.
  • Finanzinstitute empfehlen längst Investitionen in Lieferketten jenseits der Chips.
  • Eine Geschichte für Table.Briefings.

Eine neue Technik verspricht in den USA das Dilemma der fehlenden Stromversorgung bei Rechenzentren zu lösen. Ausgemusterte Turbinen von Jet-Flugzeugen sollen zur Stromgewinnung genutzt werden. „Dass sich sowas überhaupt lohnt, zeigt deutlich., dass es bereits Engpässe gibt“, bringt es Ralph Hintemann vom Borderstep Institut im Interview auf den Punkt. Auch andere bodenständige Produkte sind schwer zu bekommen. Transformatoren, Hochspannungsschaltanlagen, Kühltechnik und natürlich Fachkräfte. Denn irgendwer muss die Rechenzentren auch warten. Selbst China hat mit dem Ausbau Probleme. Die vollständige Geschichte gibt es hier bei Table.Briefings (Paywall).

Engpässe beim Bau von Rechenzentren

An den Finanzmärkten haben sich diese Engpässe bereits rumgesprochen. Die Kurse reiner KI-Entwickler sind zu volatil, weil sich die großen Heilsversprechen bisher nicht in Umsätzen niederschlagen. Deswegen fließen die Investitionen zunehmend in die vorgelagerten Lieferketten. Die Finanzhäuser KKR und Standard Chartered haben Strategiepapiere veröffentlicht, in denen sie betonen, dass die Gewinne eher in Hardware als in den Softwaremodellen liegen. Gefragt seien Unternehmen entlang der industriellen Wertschöpfungskette. Also Produzenten von Transformatoren, Komponenten für die Elektrik oder die Flüssigkeitskühlung. Ganz gleich, welcher Tech-Gigant sich durchsetzt, sie alle brauchen Pumpen, Schläuche, Kabel.

Laut Erhebungen der Hongkonger Denkfabrik China Water Risk verbrauchen chinesische Rechenzentren derzeit rund 1,3 Milliarden Kubikmeter Wasser pro Jahr – bis 2030 könnte dieser Wert auf über drei Milliarden Kubikmeter steigen. Das entspricht in etwa dem gesamten jährlichen Wasserverbrauch von ganz Österreich. Hier gibt es zwei Probleme. Problem eins, dass die Volksrepublik dafür enorm viele Pumpen und Kühlsysteme braucht. Problem zwei ist, dass die Hälfte aller chinesischen Server-Racks in extrem wasserarmen Gebieten steht.

Chinas Standort-Dilemma

China hat nicht nur wegen der Wasserfrage ein Standort-Problem bei seinen Rechenzentren. Ursprünglich galt die Devise „Eastern Data, Western Compute“. Peking wollte die Rechenlast der Tech-Metropolen an der Ostküste in das dünn besiedelte, kühlere Hinterland auslagern. Dort ist es kühler und es gibt erneuerbare Energien.

Das Klagelied – es fehlt in Deutschland an Lademöglichkeiten für E-Lkw – ist gute Werbung für chinesische Hersteller. Die liefern die Infrastruktur nämlich direkt mit. Auf der IAA in Hannover haben sie Lösungen präsentiert. (1/6)Zusammenfassung:punkt-am-ende.work/2026/09/18/i…

— Christian Domke Seidel (@domkeseidel.bsky.social) 2026-09-18T07:09:13.146Z

Die Physik machte den Plänen einen Strich durch die Rechnung. Für anspruchsvolle Anwendungen (Industrie oder Militär) sind die Latenzzeiten über Tausende Kilometer schlicht zu hoch. Hinzu kommt ein eklatanter Fachkräftemangel. Das qualifizierte Personal, dass sich um Rechenzentren kümmern kann, lebt im Osten, nicht in der inneren Monoglei. Laut Daten der staatlichen China Academy of Information and Communications Technology (CAICT) lag die reale Auslastung der chinesischen KI-Rechenzentren 2025 bei lediglich 36,8 Prozent. Und das, obwohl viele Server-Racks im Westen nur zur Hälfte belegt sind.

Bei der Planung haben die Verantwortlichen schlicht die Stromkosten überschätzt. Bei modernen KI-Clustern machen die Energiekosten über einen Dreijahreszyklus (dann müssen die Chips erneuert werden) gerade einmal rund fünf Prozent der Gesamtausgaben aus. Für die ohnehin verschuldeten Provinzen werden die Rechenzentren zunehmend zur Last.

Ausbau der Rechenzentren verläuft schleppend

Die hochtrabenden Ausbauziele der Branche werden sich kaum halten lassen, vermutet Hintemann im Interview. Die Diskrepanz zwischen Tech-Ambitionen und physischer Machbarkeit sei schlicht zu groß. „Es gibt Prognosen, die sprechen von einer Verdreifachung innerhalb von vier Jahren. Das ist aus meiner Sicht aufgrund von Planungs- und Bauzeiten sowie den Engpässen bei Zulieferern nicht machbar“, betont der Hintemann. Für die globale KI-Branche – ob in den USA, in Europa oder in China – bedeutet das, dass eine Entschleunigung bevorsteht.

Mehr zum Thema

In Deutschland setzt die Bundesregierung verstärkt auf Künstliche Intelligenz um die Verwaltung zu modernisieren. Die Modelle sollen den öffentlichen Dienst effizienter machen. Viele Projekte scheinen aber wirkungslos zu verpuffen. Das Thema Digitalisierung in der Industrie ist aber nicht nur auf künstliche Intelligenz beschränkt. In Sachen Industrie 4.0 muss Deutschland massiv aufholen.