Bei Wärmepumpen droht Deutschland der nächste Solar-Moment

Chinas Cleantech-Strategie setzt europäische Traditionshersteller unter Druck. Der europäischen Politik fehlt die passende Antwort. Denn auch die offiziellen Handelszahlen trügen.

  • Chinesische Wärmepumpen könnten den europäischen Markt bald dominieren.
  • Die Gesetzgebung in Brüssel und Berlin hinkt der chinesischen Industrie hinterher.
  • Eine Geschichte für Table.Briefings.

Wer auf die offiziellen Außenhandelsstatistiken blickt, könnte meinen, der heimische Wärmepumpenmarkt befinde sich fest in europäischer Hand. Mehr als vier Fünftel der 2025 nach Deutschland gelieferten Systeme stammten formal aus dem EU-Binnenmarkt, während Direktimporte aus China kaum ins Gewicht fielen. Doch die Statistik trügt. Denn hinter vielen innereuropäischen Warenströmen steckt einfach nur die Montage chinesischer Teile in Osteuropa.

Wärmepumpen sind für China eine Schlüsseltechnologie

Überraschend kommt die Technik- und Exportoffensive nicht. Wärmepumpen gehören zu den Technologien, die für die Kommunistische Partei im Fünfjahresplan besonders wichtig sind. Für die Produzenten gibt es zinsgünstige Kredite ohne strenge Auflagen. Der Export steht dabei besonders im Fokus. Mehr zum Thema gibt es in der vollständigen Analyse bei Table.Briefings. Hier folgt eine kurze Zusammenfassung.

Bis 2030 strebt die chinesische Führung die weltweite Technologiespitze an. Die Hersteller peilen globale Marktanteile von mehr als 30 Prozent an. Um potenzielle Handelshemmnisse der EU zu umgehen, verlagern die Konzerne ihre Präsenz zunehmend direkt nach Europa. Die italienische Regierung stoppte etwa den Versuch von Midea und Haier, den heimischen Anbieter Riello zu übernehmen.

Der globale KI-Boom scheitert nicht an Algorithmen, sondern an Physik, Transformatoren und Wasser. Drastisches Beispiel: China. Laut staatlicher CAICT liegt die reale Auslastung der dortigen KI-Rechenzentren bei lediglich 36,8 Prozent. @table.media 1/4table.media/china/analys…

— Christian Domke Seidel (@domkeseidel.bsky.social) 2026-09-30T11:46:36.817Z

Chinesische Produkte aus europäischer Fertigung

Andere Akteure bauen deswegen eigene Fabriken. Fox ESS eine Produktionsstätte errichtete ein Werk in Polen, aus der er Den deutschen Fachbetrieb Vamo versorgt. Im Endkundengeschäft sorgt das für erheblichen Preisdruck, weil die Anlagen 4.000 bis 5.000 Euro weniger kosten als entsprechende deutsche Fabrikate. Hauseigentümer achten beim Heizungstausch vorrangig auf die Kosten. Und frühere Qualitätszweifel gegenüber asiatischer Technik haben sie längst abgelegt. Das Geschäft entwickelt sich entsprechend – bei Vamo mussten die ursprünglichen Verkaufsprognosen bereits nach oben angepasst werden.

Es gibt deutliche Parallelen zum Untergang der Solarbranche. Der deutsche Wärmepumpenmarkt hängt fast vollständig von staatlicher Zuschüssen ab. 2025 erhielten 288.000 von insgesamt 299.000 abgesetzten Wärmepumpen Gelder aus der Bundesförderung. Für 2027 plant das Bundeswirtschaftsministerium neue Förderregeln. Sie sollen die Produktionsstandorte in der EU (und assoziierten Staaten) bevorzugen. Mit ihren Werken in Osteuropa erfüllen chinesische Anbieter diese Vorgaben jedoch schon vorab.

Chinas Hersteller haben Brüssel und Berlin abgehängt

Gleichzeitig bremste die deutsche Energiepolitik den heimischen Markt aus. Der Wegfall der Gasspeicherumlage machte das Heizen mit Gas günstiger, der Emissionshandel für Gebäude wurde aufgeschoben und die angekündigte Senkung der Stromsteuer blieb aus.

Europa ringt außerdem mit seinen eigenen Zielen, wie Analysten des Forschungsinstituts Merics erklären. Bezahlbarer Klimaschutz, wirtschaftliche Stärke und strategische Sicherheit lassen sich im Cleantech-Sektor nicht gleichzeitig maximieren. Ohne preiswerte Produkte aus China wird die Wärmewende für viele Eigentümer kaum finanzierbar sein. Doch der ungebremste Import asiatischer Produkte kostet in der heimischen Industrie Wertschöpfung und Arbeitsplätze. Mehr dazu – auch exklusive Stimmen aus der Industrie – bei Table.Briefings.

Mehr zum Thema

Auch in der Automobilbranche wird zunehmend deutlich, dass die chinesischen Hersteller nicht auf die deutsche oder europäische Politik warten. In Deutschland stockt der Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Lkw. Für chinesische Hersteller ist das eine gute Nachricht – sie liefern diese Infrastruktur nämlich gleich mit. Auch die Maschinenbauer müssen sich umstellen. Sie sehen sich mit China-Abhängigkeiten konfrontiert und müssen verstärkt auf Recycling setzen.