Corona-Staatshilfen: I werd narrisch

Gemessen am Bruttoinlandsprodukt stellt Österreich in der Coronaviruskrise doppelt so viel an Staatshilfen zur Verfügung wie der Eurozonen-Durchschnitt. Trotzdem bricht die Wirtschaft stärker ein. Warum das so ist, zeigt ein Vergleich mit Deutschland, den Paul Berenberg-Gossler, Experte für Konjunkturpolitik am DIW, in meinem Interview für Arbeit und Wirtschaft anstellt.

Die Coronakrise ist ein symmetrischer Nachfrageschock, erklärt Doktor Paul Berenberg-Gossler, Experte für Konjunkturpolitik am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Der ist schnell erklärt. Ein symmetrischer Wirtschaftsschock trifft alle Länder gleich hart. Das Gegenteil ist ein asymmetrischer Schock wie beispielsweise die Griechenlandkrise. Hier hat es ein Land besonders hart getroffen, andere zum Teil gar nicht.

Doch auch in der Coronaviruskrise trifft es manche Länder härter als andere. Österreich Wirtschaft ist im Jahr 2020 um 7,8 Prozent geschrumpft. Der Durchschnitt in der Eurozone betrug 7,5 Prozent. Das klingt nicht nach viel Unterschied, doch ist im Rückgang der österreichischen Wirtschaft die verpasste Wintersaison Anfang des Jahres 2021 noch gar nicht mit einkalkuliert.

Tourismus in Österreich

Deren Wichtigkeit erklärt Berenberg-Gossler so: „Der reine Tourismus macht sieben Prozent der Wertschöpfung aus. Dazu kommt die Freizeitwirtschaft, also Lokaltouristen. Das sind noch einmal sieben Prozent. 14 Prozent des BIP sind also davon abhängig, was die touristischen Aktivitäten bringen.“

Doktor Paul Berenberg-Gossler vom DIW. Foto von Juliette Avice

Doch muss der Rückgang der Wirtschaft auch im Verhältnis zu den Staatshilfen gesehen werden. Österreich hat 8,5 Prozent des BIP für Coronahilfen ausgegeben. Der EU-Durchschnitt liegt bei vier Prozent. So rechnet Berenberg-Gossler vor: „Es stimmt, dass Österreich im Vergleich der Eurozone überdurchschnittlich viel für Coronahilfen ausgegeben hat. Doch man muss unterscheiden, was angekündigt und was wirklich ausbezahlt wurde. Denn in Österreich wurden offiziell 12,5 Prozent des BIP bereitgestellt.“

Wieviel Staatshilfen zahlt Österreich in der Pandemie?

Und auch diese Zahlen klingen beeindruckender, als es die Wirklichkeit für viele Arbeitnehmer*innen ist, denn: „Wirklich angekommen sind bei den Menschen in Deutschland und Österreich rund zwei Prozent des BIP. Man muss differenzieren zwischen Zuschüssen, also dem, was wirklich bei den Leuten ankam, und Krediten, Beteiligungen und Garantien. Die Zahlen der Coronahilfen in Deutschland und Österreich sind deswegen so hoch, weil die ganzen Garantien mit eingerechnet sind. Die tatsächlichen Zuschüsse in Deutschland betrugen um die zwanzig Milliarden, das sind 0,6 Prozent des BIP.“

Österreich mit Sonderstellung in der EU

Ein Vorteil des symmetrischen Nachfrageschocks ist, dass alle Regierungen im selben Boot sitzen. Es ist meist leicht, sich auf Maßnahmen zu einigen. Das ist auch bei den Coronahilfen der Fall. Doch in der Europäischen Union hat Österreich als Mitglied der „Frugal Four“ eine Sonderstellung.

Entsprechend sieht Berenberg-Gossler eine große politische Herausforderung auf die Regierung in Wien zukommen: „Jetzt muss man eine Balance finden, um den europäischen Zusammenhalt zu stärken. Wenn man den nicht hat, wird es sehr schwer für ein Land wie Österreich. Selbst für Deutschland. Auch, wenn man im Krisenmanagement Fehler machen darf, muss man schon schauen, nicht zu viel Porzellan zu zerbrechen.“ Das gesamte Interview gibt es hier bei Arbeit und Wirtschaft.

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3 Kommentare zu „Corona-Staatshilfen: I werd narrisch

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