Interview mit Monika Köppl-Turyna

Portrait von Monika Köppl-Turyna von EcoAustria. Interview über Digitalisierung.

Monika Köppl-Turyna ist die Direktorin beim Wirtschaftsforschungsinstitut EcoAustria. Im Interview sprach ich mit ihr über Krisen, Digitalisierung und die Frage, warum sie daran arbeitet, nicht mehr gebraucht zu werden.

  • Wie die Digitalisierung in der Krise helfen kann.
  • Europas Abhängigkeit von anderen Staaten.
  • Ein Interview für Sonicboom.

Den Anfang macht der Rebound-Effekt. Der ist schnell erklärt. Eine LED verbraucht weniger Strom als eine klassische Glühbirne, bietet aber die gleiche Menge Licht. So wird Energie gespart. Zumindest theoretisch. Denn weil LED sehr klein, billig und langlebig sind, werden sie überall verbaut. Auch und gerade dort, wo es in Zeiten der Glühbirne kein Licht gebraucht hat. So steigt der Verbrauch wieder. Es ist ein kleiner Stolperstein auf dem Weg zur Klimaneutralität. Auch mit Monika Köppl-Turyna habe ich darüber gesprochen. Die Direktorin von EcoAustria ist derzeit als Gesprächspartnerin sehr gefragt. Sie möchte nachhaltige Lösungen anbieten für Situationen, an denen viele Entscheidungsträger verzweifeln.

Digitalisierung als Helfer in der Krise

Ein wichtiges Thema ist dabei die Digitalisierung. Für viele Politiker:innen ist sie die der heilige Gral. Und auch Köppl-Turyna sieht darin enorm viel Potenzial. Als Beispiel nennt sie die aktuelle Energiekrise. Wären die Daten zum Verbrauch der Unternehmen und Haushalte verknüpft – digital vorhanden sind sie – hätten die Staatshilfen wesentlicher treffsicherer verteilt werden können. Das ganze Interview gibt es bei Sonicboom.

Ein großes Problem fasst sie folgendermaßen zusammen: „Das Problem ist, glaube ich, dass Politiker nicht ganz verstehen, was Digitalisierung bedeutet. Oft werden tolle Homepages gemacht, die Prozesse dahinter laufen aber noch alle analog. In Österreich läuft es zwar besser als in Deutschland, es ist aber immer noch zu wenig. Wir müssen zum Beispiel ‚Automated Decision Making‘ verwenden, wo die Beamten tatsächlich nicht mehr in den Entscheidungsprozess mit eingebunden sind.“

Neue Technologien für mehr Souveränität

Potenzial hat die Digitalisierung allerdings unbestritten. Sie spielt in den Plänen der EU eine zentrale Rolle mit Blick auf die angestrebte Klimaneutralität. Doch es gibt Grenzen. Allen voran natürlich die Abhängigkeit Europas von anderen Ländern. Der Angriffskrieg Russlands hat gezeigt, wie labil das globale Wirtschaftssystem wirklich ist. Genauso die Zero-Covid-Strategie Chinas, die viele Lieferketten unterbrochen hat. Dazu kommt, dass viele für die Digitalisierung benötigten Rohstoffe kaum oder gar nicht in Europa verfügbar sind.

Köppl-Turyna dazu: „Das führt dazu, dass wir uns darum bemühen müssen, neue Technologien zu entwickeln, die uns ein bisschen souveräner machen. Man sieht auch an der aktuellen Gaskrise, wo es hinführt, wenn man von einem Lieferanten abhängig ist. Wir müssen uns die Frage der Souveränität stellen.“

Wohlstand entwickeln, Digitalisierung vorantreiben

Der Strukturwandel ist daher ein Drahtseilakt. Es gilt einerseits unabhängiger und nachhaltiger zu werden, andererseits aber den Fortschritt nicht zu gefährden. Dahingehend ist Europa durch die multiplen Krisen ein gebranntes Kind. Der Wohlstandsbericht 2022 weist diesbezüglich einen klaren Rückschritt aus. Derweil schreitet die Digitalisierung aber mit großen Schritten voran. Sei es die Künstliche Intelligenz oder die Cloud-Technologie.

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