Was bei den Lohnrunden schiefläuft

Ein Schild vor einem Werkseingang auf dem "Hier wird gestreikt" steht. Symbolbild für die KV-Verhandlungen der Metaller 2022.

Die KV-Verhandlungen der Metaller in Österreich sind vorerst gescheitert. Es droht ein Streik. Vor allem, weil die Seite der Arbeitgeber Grundsätzliches der Kollektivvertragsverhandlungen nicht versteht.

  • Arbeitgeber lassen KV-Verhandlungen der Metaller platzen.
  • Wochenendarbeit, 12-Stunden-Tage und 60-Stunde-Woche gefordert.
  • Zusammenfassung von Beiträgen für Arbeit&Wirtschaft.

In Österreich ist es Arbeitgebern erlaubt, ihre Angestellten zwölf Stunden am Tag und 60 Stunden in der Woche arbeiten zu lassen. Allerdings nicht immer. Es gibt Einschränkungen bei der Menge. Doch genau diese Restriktionen möchten die Arbeitgeber bei den aktuellen KV-Verhandlungen der Metaller aufweichen. Sie fordern mehr Sonn- und Feiertagsarbeit, die Möglichkeit, die Beschäftigten 23 Wochen lang durchgehend 60 Stunden pro Woche arbeiten zu lassen und eine Reduzierung der Überstundenzuschläge. Das ist schlichtweg frech.

Trotz Rekordgewinne in Krisenzeiten: KV-Verhandlungen stocken

Die Ausgangssituation ist nicht leicht. Die Gesellschaft wird von einer Rekordteuerung heimgesucht, die bei Arbeitnehmern zu einem Reallohnverlust führt. Schon allein dieser Zustand müsste ausreichen, um die Löhne anzuheben. Denn wenn der Lohn sinkt, sinkt der Konsum. Und den benötigen die Firmen, um Gewinne zu erwirtschaften. Und genau das haben sie in den vergangenen zwei Jahren getan. In Österreich konnten die Konzerne Rekordgewinne eingefahren. Auch deswegen, weil sie im Schatten der Inflation ihre Gewinnmargen vervielfacht haben. Die sogenannte Gewinn-Preis-Spirale hat die Inflation noch weiter befeuert. Auf Kosten der Arbeitnehmer.

Deswegen fordern die Beschäftigten der Metallindustrie in Österreich 10,6 Prozent mehr Lohn. Der Wert ergibt sich aus der Inflation der vergangenen zwölf Monate und der Produktivitätssteigerung, die sich in Gewinnen für die Unternehmen dargestellt haben. Dahinter steckt eine Branchenanalyse. Mit belastbaren Zahlen. Denn sowohl die Rekordgewinne als auch die Inflation hat bereits stattgefunden. Dafür muss keiner der Verhandler in Zukunft prognostizieren. Kommt eine Rezession? Kommt sie nicht? Macht das Unternehmen Verluste? Oder nicht? Nein. Die Forderungen basieren auf bereits geschaffenen Tatsachen.

Managergehälter explodieren, Löhne stagnieren

Die ATX-Konzerne sind das Beispiel, das am leichtesten nachvollziehbar ist. Im abgelaufenen Geschäftsjahr haben sie erstmals in der Geschichte mehr als zehn Milliarden Euro Gewinn erwirtschaftet. Der Mineralölkonzern OMV gehört mit zwei Milliarden zu den Topverdienern. Nur, falls sich jemand fragt, warum Diesel, Benzin, Öl und Gas so teuer waren. Der Konsument musste die Dividende einfahren.

Bei den Topmanagern sind entsprechende Gehaltserhöhungen wegen der Spitzenrenditen auch gar kein Thema. Zwischen den Jahren 2009 und 2020 wuchs das Medianeinkommen unter ATX-Vorständen um 200 Prozent. Im Jahr 2021 – die Inflation spielte noch keine große Rolle, die Energiepreise waren stabil, aber alle murrten wegen der Corona-Lockdowns – noch einmal um 4,5 Prozent. Aktuell verdient ein ATX-Vorstand das 66-fache eines normalen Angestellten.

Wenn Coronazuschüsse zu Dividenden werden

Stefan Pierer zeigte, wie das geht. Zwischen den Jahren 2019 und 2021 bekam seine Pierer Mobility Gruppe (u.a. KTM) in Summe 45 Millionen Euro an Staatszuschüssen, rechnete das Momentum Institut vor. Darunter auch üppige Coronahilfen. Im Jahr 2022 habe das Unternehmen dann erst 11 Millionen Euro Dividende gezahlt und anschließend die Bezüge der Vorstandsmitglieder um 30 Prozent erhöht. Vorstand ist jener Stefan Pierer, der im Rahmen der KV-Verhandlungen der Metaller sagte: „Der Wohlstand, der in zwei Generationen aufgebaut wurde, ist nicht über Work-Life-Balance entstanden.“ Es ist erstaunlich, wie schroff der Ton seitens der Arbeitgeber geworden ist.

KV-Verhandlungen der Metaller: Freches Angebot

Doch bei den Kollektivvertragsverhandlungen bieten die Unternehmer ja auch etwas. Dafür, dass die Arbeitnehmer zukünftig ähnliche Arbeitszeiten hätten wie britische Kohlearbeiter im frühen 20. Jahrhundert, gäbe es 4,1 Prozent mehr IST-Lohn. Das bedeutet, dass Lohn- und Gehaltstabellen (KV-Erhöhung), Zulagen und Aufwandsentschädigungen nicht mit angepasst werden würde. Bei einer Inflation von zuletzt 10,5 Prozent. Die Gewerkschaften haben deswegen beim Österreichischen Gewerkschaftsbund die Streikfreigabe beantragt. Sie ist das Damoklesschwert, das über der vierten Lohnrunde der KV-Verhandlungen der Metaller hängen wird.

Letztlich sind das nicht die ersten Probleme dieser Art. Der Ton wird eben rauer. So ist der Wohlstand in Österreich in den letzten zwölf Monaten stark zurückgegangen. Gleichzeit sinkt die Steuermoral. Auch und gerade bei Konzernen und Überreichen. Währenddessen können sich die Angestellten in der Sicherheitsbranche trotz 60-Stunden-Woche ihre Wohnung nicht mehr leisten.

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