Jahresinflation 2022: Nachhaltige Maßnahmen fehlen

Ein leerer Gang in einem Discounter – Lidl oder Aldi. Symbolbild für die Inflation 2022 in Österreich.

In Deutschland und Österreich betrug die Inflation im Jahr 2022 durchschnittlich 8,6 Prozent. Andere Länder waren im Kampf gegen die Preissteigerung erfolgreicher.

  • Jahresinflation lag in Deutschland und Österreich bei 8,6 Prozent.
  • Spanien und Frankreich haben Preissteigerungen besser im Griff.
  • Eine Geschichte für Arbeit&Wirtschaft.

Die Jahresinflation 2022 lag in Österreich bei 8,6 Prozent. Damit war sie genauso hoch wie in Deutschland. Aber geringfügig höher als im Euroraum (8,4 Prozent). Doch Österreich hat viele Maßnahmen, um die Auswirkungen der Preissteigerungen zielgerichtet zu lindern, verpasst. Das rächte sich vor allem in der zweiten Jahreshälfte 2022. Und wird jetzt zu einem akuten Problem an der Supermarktkasse. Denn die Preise für Grundnahrungsmittel gehen explodieren gerade.

Inflation in Österreich: Es fehlt an Gegenmaßnahmen

So hoch wie im Jahr 2022 war die Inflation in Österreich zuletzt im Jahr 1974. Damals war es eine Ölkrise, die dafür sorgte, dass die Preise um 9,5 Prozent kletterten. Jetzt ist die Situation etwas komplexer. In Österreich waren es zunächst hohe Energiepreise, die für einen enormen Anstieg der Inflation sorgten. Doch im Windschatten dieser Preissteigerungen erhöhten viele Unternehmen ihre Gewinnmargen, was eine Gewinn-Preis-Spirale in Gang setzte. Mit den steigenden Preisen stiegen auch die Mieten. Die sind nämlich an die Verbraucherpreise gekoppelt.

Vor allem in der zweiten Jahreshälfte 2022 kam neue Dynamik in die Inflation, weil die Preise für Lebensmittel enorm angestiegen sind. Darüber berichtete zunächst der Preismonitor der Arbeiterkammer. Bei der Präsentation der Jahresinflation zog jetzt auch Statistik Austria nach. Der Mikrowarenkorb – also die Waren des täglichen Bedarfs – ist 9,9 Prozent teurer als im Vorjahr. Zu den Preistreibern gehört Butter (+ 31 Prozent), Mehl (+ 28 Prozent) und Speiseöle (23,7 Prozent).

Maßnahmen gegen die Inflation: Frankreich und Spanien als Vorbilder

Obwohl sich die Probleme in Österreich lange Zeit abzeichneten, handelte die Regierung nur sehr zögerlich. Und wenn, dann nicht besonders zielgerichtet. Die wirksamste Maßnahme gegen die Inflation war die Herbstlohnrunde. Hier waren aber weder ÖVP noch die Grünen beteiligt. Einzig die Strompreisbremse zeigt Ende des Jahres eine minimale Wirkung, wie Statistik Austria vorrechnete.

Andere Länder agierten beherzter. Allen voran Spanien. Während sich in Österreich die Inflation im letzten Quartal 2022 in einem zweistelligen Bereich einpendelte, war sie in Spanien nur halb so hoch. Die Regierung um Ministerpräsident Pedro Sanchez (Partido Socialista Obrero Español, kurz PSOE) schaffte die Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel ab, fror die Mieten ein und hat den Gaspreis bei 40 Euro pro Megawattstunde gekappt. Zum Vergleich: Die europäische Variante liegt bei 180 Euro pro Megawattstunde. Zusätzlich erhielten Studenten und Rentner mehr Geld.

Das nötige Geld dafür kommt unter anderem aus einer Übergewinnsteuer. Spanien hat als eines der ersten europäischen Länder eine entsprechende Abgabe eingeführt. Anlass war, dass der Tankstellenbetreiber Repsol seinen Gewinn im Vergleich zum Vorjahr um das 15fache vergrößert hatte. Die aktuelle Sonderabgabe in Spanien soll jährlich 3,5 Milliarden Euro bringen. 1,5 Milliarden davon stammen von Banken.

Antiteuerungsmaßnahmen in Österreich

In Österreich sind solche Maßnahmen noch nicht zu sehen. Die SPÖ regte die Absenkung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel genauso an, wie die Einrichtung einer Preiskommission. Diese soll überwachen, ob Steuervergünstigungen auch vollumfänglich an den Kunden weitergegeben werden. Für das Jahr 2023 erwartet die Österreichische Nationalbank eine Inflation von 6,5 Prozent.

Vor allem Gewerkschaften waren es, die der Inflation in Österreich etwas entgegensetzten. Das führte dazu, dass vielerorts die Kollektivvertragsverhandlungen eskalierten. Obwohl der KV-Abschluss der Metaller als richtungsweisend gilt, hielten sich längst nicht alle Branchen an die dort erzielten Ergebnisse. Gleichzeitig sank in Österreich im vergangenen Jahr der Wohlstand.

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