Österreichs Bankgeheimnis

Die Banken in Österreich machen Milliardengewinne. Sie profitieren von der EZB-Politik wie keine andere Branche. Auch auf Kosten der Kunden und Steuerzahler.

  • Variable Kreditzinsen werden zur neuen Cashcow.
  • EZB-Zahlungen in Milliardenhöhe.
  • Eine Geschichte für Arbeit&Wirtschaft.

Nach Abschluss des Geschäftsjahres 2022 knallten im österreichischen Bankensektor die Sektkorken. 10,2 Milliarden Euro Gewinn konnten die Institute erwirtschaften. Und das mitten in Zeiten, in denen große Teile der eigenen Kundschaft nicht wissen, wie sie angesichts einer enormen Inflation Miete, Heizung und Lebensmittel gleichzeitig zahlen sollen. Doch ausgerechnet diese Situation ist der Grund dafür, warum es den Banken überhaupt so gut geht. Mehr dazu lesen Sie in der vollständigen Geschichte bei Arbeit&Wirtschaft. Hier eine kurze Zusammenfassung.

Erstens gibt es Zinszahlungen der EZB. Zweitens hat die Leitzinserhöhung die variablen Kredite enorm verteuert. Und drittens haben die Banken die besagten Zinserhöhungen nicht an die Sparer weitergegeben.

Wie Österreichs Banken Rekordgewinne machen

Punkt eins: Die EZB hat lange Zeit viele Staatsanleihen gekauft, um die Inflation anzuheben. Deswegen ist viel Geld im Umlauf. Dieses Geld können die Banken für 3,75 Prozent bei der EZB anlegen.

Punkt zwei: Steigende Leitzinsen belasten vor allem Kreditnehmer, die einen variablen Zinssatz haben. Das sind in Österreich 500.000 Haushalte. Denn in Österreich ist diese Kreditform äußerst beliebt. 51 Prozent aller Immobilienkredite sind so ausgestaltet – im EU-Durchschnitt sind es nur 20 Prozent. Ein Zustand, für den Österreichs schon länger am Pranger stehen.

Punkt drei: Der Leitzins ist der Preis, zu dem sich Banken bei der EZB Geld leihen können. Im gleichen Maß, in dem er steigt, müssten  eigentlich auch die Sparzinsen steigen. das tun sie in Österreich aber nicht. Die Banken geben die Erhöhung schlichtweg nicht an die eigenen Kunden weiter.

ÖGB-Chefökonomin Helene Schuberth im Gespräch

Über das Thema durfte ich auch mit Helene Schuberth sprechen. Sie ist Chefökonomin bei Österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB). Sie analysiert die Situation der Banken so: „Der Bankensektor macht gerade Rekordgewinne, die vor allem durch die erwähnte Zinsspanne getrieben sind. Über zehn Milliarden Euro an Gewinn waren es alleine im Jahr 2022 – und dieses Jahr scheint noch profitabler für die Banken zu werden. In Österreich sind circa zehn Prozent des Immobilienkreditvolumens fix verzinst. Es gibt dann noch Mischformen zwischen fix und variabel und rein variabel verzinste Kredite. In Österreich hat es Tradition, dass Marktrisiken, wie zum Beispiel Änderungen von Zinsen, auf die Kreditnehmer:innen abgewälzt werden. Wir haben auch die negativen Erfahrungen mit den extrem riskanten Fremdwährungskrediten gemacht, die von österreichischen Banken vergeben wurden.“

Doch nicht nur Banken verdienen derzeit gutes Geld. auch die Vermieterinnen und Vermieter in Österreich freuen sich über steigende Einnahmen. Zwar hat die Österreichische Regierung einen Mietendeckel eingeführt, dieser trägt aber selbst in der aktuellen Situation enormer Inflationsraten kaum zu einer Stabilisierung bei. „Der Mietendeckel in der von der Bundesregierung präsentierten Form ist eine Farce. Die größten Mieterhöhungen – von bis zu 25 Prozent in nur wenigen Monaten – liegen bereits in der Vergangenheit“, wird Schuberth deutlich.

Längst gehören die Begriffe der Gierflation und der Gewinn-Preis-Spirale zum Grundvokabular der Expertinnen und Experten. Die Gierflation „beschreibt das Phänomen, dass Unternehmen im Windschatten der steigenden Inflation die Preise erhöhen, um ihre Gewinne konstant zu halten oder sogar auszuweiten, und so die Inflation antreiben“, erklärt Schuberth. Österreich sein dahingehend ein Musterland. Der Gewinnbeitrag der Unternehmen zur heimischen Inflation sei nur in sechs von zwanzig EU-Ländern höher.

Inflation und Übergewinne

Dass die hohen Preise weder gottgegeben noch eine Naturkatastrophe sind, ist derweil klar. Die Regierungen haben durchaus Möglichkeiten einzugreifen. Beispielsweise bei der Frage der Spekulationen mit Lebensmittel. Maßnahmen, um die Teuerung in den Griff zu bekommen sind hinlänglich bekannt. Schon als die Inflation 2022 begann aus dem Ruder zu laufen, lagen entsprechende Konzepte auf dem Tisch. In Österreich reagierte die Regierung allerdings mit Einmalzahlungen. Die große Hoffnung hier sind – im Jahr 2022 genauso wie im Jahr 2023 – die Herbstlohnrunden.

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