Bundesheer: Krisenkommunikation auf Twitter

Ein Soldat schreibt auf seinem Handy und nutzt Twitter. Symbolbild für ein Interview mit Oberst Michael Bauer.

Beim Bundesheer kümmert sich Obert Michael Bauer um die Krisenkommunikation. Er ist Pressesprecher des österreichischen Verteidigungsministeriums. Das Tool seiner Wahl ist Twitter. Im Interview erklärt er, wieso.

  • Interview mit Michael Bauer.
  • Das Bundesheer auf Twitter.
  • Ein Beitrag für Sonicboom.

Irgendwas ist immer. Es vergeht keine Woche, in der Oberst Michael Bauer keine Streiterei auf Twitter hat. Das liegt an seiner Position. Er ist Pressesprecher des Verteidigungsministeriums und für Krisenkommunikation zuständig. Zum Bundesheer hat aber jeder eine Meinung. Das führe dazu, dass ihm viele Menschen auf Twitter folgen würden, die gar kein Interesse an der eigentlichen Kommunikation hätten, so Bauer. „Es gibt Leute, die kenne ich auch vom Namen, die schreiben nie etwas und liken nichts. Außer, wenn es irgendetwas gibt, das polarisiert. Es gibt Menschen, die dem Bundesheer sehr kritisch gegenüberstehen und es ablehnen, mir aber dennoch folgen. Eigentlich ein Paradoxon.“

Das Bundesheer auf Twitter

Warum also Twitter? Ausgerechnet das soziale Medium, das (schon vor Elon Musk) für eine tendenziell toxische Streitkultur berühmt ist. „Twitter ist der Taktgeber. Wenige Minuten nach einem Krisen-Ereignis weiß man noch nicht viel. Auf alle Fälle zu wenig, um eine Pressekonferenz oder eine Presseaussendung zu machen. Aber für 280 Zeichen reicht es. Das ist der Vorteil von Twitter. Wir hatten einmal einen schweren Unfall, da haben wir keine Presseaussendung verschickt, sondern nur mit Tweets gearbeitet“, erklärt Bauer. Das ganze Interview gibt es bei Sonicboom zu lesen.

Portrait von Oberst Michael Bauer, dem Pressesprecher des Verteidigungsministeriums.

Der Streit, der dabei zwangsläufig entsteht, ist nicht immer schlecht. Diese würden Reichweite bringen. Vor allem, wenn die Diskussionen mit reichweitenstarken Accounts laufen würden. Beispielsweise mit Florian Klenk vom Falter oder Armin Wolf vom ORF. Zwischen den User:innen, die Wolf und Klenk folgen, und denen, die Bauer folgen, gäbe es nur eine sehr geringe Schnittmenge. „Wenn seine Follower aber sehen, dass er sich mit mir beschäftigt, beschäftigen die sich auch mit mir. Unser Streit hat es sogar in die Printmedien geschafft und das bringt wieder Reichweite.“

Dadurch hat der Streit mittlerweile an Schärfe verloren. Zumindest zwischen Bauer und Klenk. „Mittlerweile ist es aber so, dass wir uns vorher anrufen. Oder ich bitte ihn, etwas erst am Montag zu posten, damit er mir nicht das Wochenende versaut. Hinterher treffen wir uns auf einen Kaffee“, beschreibt Bauer die Beziehung. Auch wenn die Follower:innen der beiden sicherlich noch emotionaler an die Themen rangehen.

Michael Bauer ist nicht das Bundesheer

Dass Bauer persönlich twittert, führt allerdings zu zwei Problemen. Einerseits gibt es ein emotionales. „Wenn einer schreibt ‚Polizisten sind Verbrecher‘, dann haben die Menschen hinter dem Account der Polizei Wien einen anderen Zugang dazu, als wenn mir direkt einer schreibt, ‚der Bauer soll im Stall bleiben‘.  Dann habe ich oft das Gefühl, mich und das Bundesheer verteidigen zu müssen.“

Das zweite Problem ist, dass er zum Gesicht des Bundesheeres geworden ist. „Ich habe vor, dass ich diesen Account, wenn ich in Pension gehe, in meinen Privatbesitz überführe und dann als Privatperson weiter twittere. Wenn es mir dann noch Spaß macht. Mein Ziel ist es, einen Bundesheer-Account auf Twitter aufzubauen, den nicht ich betriebe, sondern die Pressestelle. Das mangelt derzeit am Personal.“

Das Internet ist für uns alle Neuland

Für Sonicboom habe ich bereits mehrere Beiträge verfasst. Beispielsweise über die KI Dall-E und deren künstlerisches Talent. Von ihr stammt auch das Aufmacherbild für diesen Beitrag. So stellt sie sich Soldaten vor, die auf Twitter kommunizieren. Oder darüber, wie Konzerne aus Faul- und Unwissenheit Hass und Hetze im Netz finanzieren.

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